Alle einsteigen!

Klaus Jahn (links) und Michael Gorris auf der Teststrecke, die sie gerne erweitern würden.
Klaus Jahn (links) und Michael Gorris auf der Teststrecke, die sie gerne erweitern würden.
Foto: FUNKE Foto Services
Die Feldbahnfreunde haben den Bau einer kleinen Bahnstrecke beantragt. Am Hof Haferkamp in Gahlen würden sie entlang der Felder gerne Fahrten für Besucher anbieten

Schermbeck..  Dass bei einer mehr als hundert Jahre alten Bahn nicht immer alles wie geschmiert läuft, das war den Feldbahnfreunden klar, als sie 2002 anfingen, sich in ihrer Freizeit um den Erhalt der ausrangierten Fahrzeuge der Ziegelei zu kümmern. Mit dem passenden Werkzeug, Geduld und Spucke sorgen sie seitdem dafür, dass vier Fahrzeuge, 30 Anhänger, Loren und Personenwagen funktionstüchtig sind und bleiben.

Die Tücken der Technik sind für die Hobbybastler ein Kinderspiel im Vergleich zu den Hürden der Bürokratie. Denn der Traum, die historische Trasse der längst geschlossenen Ziegelei zu reaktivieren, scheiterte an Auflagen, die der 2007 gegründete gemeinnützige Verein Feldbahnfreunde Schermbeck-Gahlen finanziell nicht stemmen konnte.

So viel zur Vorgeschichte. So unermüdlich wie die alte Feldbahn tuckert, schmieden auch ihre Freunde neue Pläne. Michael Gorris, der mit seiner blauen Latzhose immer ein bisschen an Lukas den Lokomotivführer erinnert, startet das alte Schätzchen. Es riecht nach Diesel, die Lok schnaubt und zuckelt auf der schmalen 600 Millimeter Spur am Kornfeld vorbei. Hinten, im Anhänger mit den hölzernen Bänken, streicht der Wind den Mitreisenden durch die Haare an diesem idyllischen Fleck Natur – an an Haferkamps kleiner Gartenwirtschaft im Aap, gleich neben der Jugendfreizeitstätte.

Nach zwei Minuten ist die Tour vorbei. Keine Chance, mehr Schienen gibt es nicht, denn was die Feldbahnfreunde auf dem Hof von Wilhelm Haferkamp bisher verwirklichen konnten, ist nur eine kleine Teststrecke, die von der Werkstatt zu den Feldern führt. Und da sowohl die Besucher des Cafés als auch die Gäste der Jugendfreizeitstätte immer wieder sagen, dass sie so gerne mal fahren würden, hat der Verein einen neuen Plan entwickelt und auch schon auf den Weg gebracht.

Am kommenden Donnerstag, 18. Juni, beschäftigt sich der Schermbecker Planungs- und Umweltausschuss mit dem Bauantrag der Feldbahnfreunde, die ihre Teststrecke gerne so erweitern möchten, dass eine schöne, kleine Tour zwischen Café, Sportplatz und Lippe möglich wird. Die Schienen würden entlang des Feldes von Wilhelm Haferkamp gelegt, der das Projekt unterstützt.

Wir haben das alles beim Kreis Wesel schon beantragt“, sagt Michael Gorris, zweiter Vorsitzender des Vereins. Eine Spende der Volksbank hat’s möglich gemacht, denn zu den Unterlagen gehörte ein 3000 Euro teures „Landschaftliches Begleitgutachten“. Auch die Schienen sind schon da. „Die hat uns eine Weseler Firma gespendet“, freut sich Klaus Jahn, der als Kassierer des gemeinnützigen Vereins ohne Großsponsor besonders gut im Bilde darüber ist, wie wenig die Kasse zu bieten hat.

Jetzt fehlt eigentlich nur noch eins: grünes Licht für den Lokomotivführer. „Wir hoffen, dass es eine schnelle Entscheidung gibt.“ Dann könnte die Feldbahn im Sommer 2016 für Besucher rollen.