Abwarten und Tee trinken in Bislich

Matcha-Tee wird aufgeschäumt - eine japanische Teezeremonie.
Matcha-Tee wird aufgeschäumt - eine japanische Teezeremonie.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Auf dem Neuhollandshof gibt es nicht nur ein Teehaus, sondern auch eine Teesommelière. Es ist die Hausherrin Thea Clostermann, die ein entsprechendes Teeseminar belegt hat und ihr Wissen nun an die Gäste weitergeben möchte.

Wesel..  Sommelier ist ein Begriff mit einem besonderen Klang, man kann ihn sich regelrecht auf der Zunge zergehen lassen. Eigentlich bedeutet die Übersetzung aus dem Französischen „Weinkellner“, dabei steckt doch ein bisschen mehr dahinter. Ein Sommelier kennt sich mit Weinen bestens aus, wird immer wieder geschult und interessiert sich brennend für das edle Getränk.

Doch die wohl klingende Bezeichnung ist nicht mehr nur dem Wein vorbehalten. Bei Edeka Komp in Lackhausen gibt es eine Käsesommelière, und in Bislich lebt nun eine frisch gebackene Teesommelière. Passend zum Objekt heißt sie mit Vornamen Thea, Nachname Clostermann.

Brombeerblätter

Wir sind im Teehaus und Atelier des Neuhollandshofs. Der Hof ist uralt, das Teehaus ziemlich neu. Im dritten Jahr pilgern Teefreunde in das frisch renovierte Gebäude, das nach der Sommerpause erneut mit Neuem aufwartet - aber der Reihe nach.

Die Urkunde der Industrie- und Handelskammer Bayreuth liegt auf einem der Holztische des Teehauses. Denn sie hat nach der Teilnahme von Thea Clostermann beim Seminar des Naturamo Teehandels Bamberg die Zertifizierung übernommen. 14 Teefreunde aus Deutschland, aber auch aus Finnland, Korea und China ließen sich dort zusammen mit der Bislicherin in die Geheimnisse des Tees einweihen. Thea Clostermann hat es dabei regelrecht gepackt.

„Ich liebe Tee, obwohl ich eigentlich eine niederrheinische Kaffeeseele bin“, sagt sie und vermittelt ganz schnell ganz viel von ihrem Wissen, angefangen bei der ostfriesischen Teezeremonie bis hin zur japanischen.

Doch der Tag ist noch jung, also wird zunächst einmal ein Guten-Morgen-Tee kredenzt. Er enthält unter anderem Brombeerblätter und Ringelblumenblüten - ein Kräutertee, der belebend wirken soll. Zartgelb präsentiert sich die heiße Flüssigkeit in der Schale, deren Zutaten natürlich - wie alles hier - aus biologischem Anbau stammen. Genau genommen handelt es sich bei diesem Guten-Morgen-Tee um ein teeähnliches Getränk, denn es gibt nur zwei Teepflanzen auf der Welt: Thea sinensis und Thea assamica, sagt Thea Clostermann. Bei dem gerade verkosteten Getränk machen Kräuter die Mischung.

Jasmin Pearls

Die Bislicherin steckt den Besuch mit ihrer Begeisterung für die vielen schönen Teesorten einfach an. Noch ein paar Schlucke, und der Guten-Morgen-Tee ist Geschichte. Ihm folgt ein grüner Tee mit Jasmin Pearls. Wie das duftet... Die Teeblätter wurden in einem speziellen Verfahren gerollt und entfalten sich erst im heißen Wasser. Ein bis drei Minuten müssen die Perlen ziehen, dann darf Schluck für Schluck genossen werden. Degustation nennt sich der Zubereitungsvorgang in einer speziellen Tasse mit Dampfabzugsloch und Seihmöglichkeit.

„Grüner Tee ist verträglicher für den Stoffwechsel als Kaffee“, rühmt Thea Clostermann die Vorteile des Kredenzten. Denn die anregende Wirkung tritt ganz langsam ein und lässt auch ganz langsam wieder nach. Schwarzer Tee, weiß die Sommelière, sollte höchstens fünf Minuten ziehen, und was die Menge des Tees angeht, gilt für sie eine goldene Regel: „Mit dem Herzen dosieren.“

Mittlerweile sind wir beim Matcha angekommen, genauer gesagt bei Matcha latte. Das ist so etwas wie ein Latte macchiato - nur mit Tee eben, und zwar einem ganz besonderen. Es handelt sich um einen feinen japanischen Grüntee in Pulverform, dem Mokka unter den grünen Tees, Geschmacksrichtung umami. Das haben Sie noch nie gehört? Wir auch nicht. Umami ist neben süß, sauer, salzig und bitter Geschmacksrichtung Nummer fünf und für ungeübte Geschmacksnerven schwer zu beschreiben. Ein bisschen Gras, ein bisschen Erde - umami eben.

Nach dem dritten Glas schmeckt’s, versichert die Teefachfrau, die den Matcha nicht mehr missen möchte. Pur ist er allerdings ziemlich gewöhnungsbedürftig - für mich zumindest. Einige Gäste kommen aber extra wegen dieses Angebots nach Bislich, das es nicht so oft gibt. Sie können sich ab sofort bei schönem Wetter auch auf der Terrasse des Teehauses und im Teegarten tummeln, so wie es die Japaner tun, wenn sie zur entspannenden Teezeremonie eingeladen werden.

Elefantengras und Bambus

Neben Elefantengras und Bambussprossen bietet sich das richtige Ambiente, und im kleinen Teeraum hinter der Glastür gibt es nahezu bodengleiche Teemöbel mit passenden Tischen. Hier wird es dann vielleicht auch mal so still wie in Japan, wenn die ganze Teegesellschaft schweigt und einfach nur genießt...