25 Jahre Bürgerfunker in Wesel

Jürgen Knorr im Aufnahmestudio der Volkshochschule.
Jürgen Knorr im Aufnahmestudio der Volkshochschule.
Foto: FUNKE Foto Services / Gerd Herma
Was wir bereits wissen
Er ist der Mann der ersten Stunde und als einziger immer noch aktiv: Jürgen Knorr, 71 Jahre alt, Bürgerfunker für den Lokalsender Radio K.W.

Wesel..  Es gibt Momente, an die erinnert sich Jürgen Knorr heute noch gern. Zum Beispiel an die Begegnung mit dem damaligen NRW-Ministerpräsidenten Wolfgang Clement beim Weseler Dreiwiesellauf 1999 (siehe Foto). Oder an einen Heiligabend Mitte der 90er-Jahre. Damals verbrachte der Weselaner die Zeit vor der Bescherung mit Hunderten von Türken und dem Istanbuler Oberbürgermeister Recep Tayyip Erdogan in der Hochzeitshalle am Buttendicksfeld. Infernalischer Jubel habe den heutigen türkischen Staatspräsidenten damals empfangen, sagt er. Es sind solche Augenblicke, von denen der Bürgerfunker bei Radio K.W. zehrt.

Der heute 71-Jährige ist beim Lokalfunk ein Mann der ersten Stunde, und er ist der Einzige, der sich auch nach 25 Jahren noch in Wesel auf die Suche nach Themen macht. Er besucht Termine, wie Pressekonferenzen, politische Sitzungen und vieles mehr. Acht, neun Stunden pro Woche verschwindet er dann im dunklen Keller der Volkshochschule, weil dort das Studio der Bürgerfunker ist. Ein wenig antiquiert, aber brauchbar. Und wenn technisch mal was nicht so klappt, gibt es Axel Seidenstricker. Mit ihm hatte Knorr seine Bürgerfunkkarriere begonnen und hält immer noch Kontakt zu ihm. Damals war Seidenstricker der Tontechniker der bunt gemischten Bürgerfunktruppe, heute ist er Toningenieur beim Verkaufssender QVC in Düsseldorf, sagt Knorr.

Viele kennen den Industriekaufmann, der Jahrzehnte lang Fluglehrer bei den Luftsportfreunden war, mit seinem alten Rekorder und dem großen Mikrofon in der Hand. Beides hat er immer dabei, wenn er mal wieder auf O-Ton-Fang ist. Schließlich wird Woche für Woche eine einstündige Sendung produziert. Immer sonntags können die Kreis Weseler zwischen 19.05 und 19.56 Uhr bei Radio K.W. hören, was Knorr produziert hat. Unterstützt wird er von Christa Wolters-Tenbergen und Christina Ehlscheid. Mehr Bürgerfunker gibt es momentan nicht. Nicht gerade viel, wenn man bedenkt, dass es zur Geburtsstunde um die 40 waren.

Jürgen Knorr war 1989, kurz vor dem Start von Radio K.W., Pressesprecher der Luftsportfreunde und interessiert daran, Flieger-Themen öffentlich zu machen. Doch schnell merkte er, dass das allein nicht reicht. Und so öffnete er sich auch für anderes. Zum Sendestart am 6. Mai 1990 stellten sich die Akteure vor, danach berichtete Knorr als erstes über die Bundeswehrausstellung „Unser Heer“. Damals funkten die Bürger noch satte zwei Stunden am Tag, seit 2007 ist diese Zeit halbiert.

Knorr besuchte Seminare, lernte das Sprechen im Radio, ging auf die Hörfunkakademie in Dortmund und Oberhausen und ließ sich zertifizieren. „Wir wollen nicht die Ersten am Thema sein und keine kurzen, knackigen O-Töne senden“, sagt er, „uns geht es um Themen, die die Leute bewegen, und die wir mit einem gewissen Abstand betrachten.“ Deshalb sind die Beiträge auch länger als sonst bei K.W., unterbrochen von Musik. Auch die suchen die Bürgerfunker selbst aus. Das fertige Produkt wandert dann auf einer CD zum Sender, von wo aus das Ganze seine Verbreitung im Kreisgebiet findet.

Manni Breuckmann und Dieter Nuhr

Dass dabei auch mal Promis zu Wort kommen ist selbstverständlich. Neben Wolfgang Clement und Erdogan sprach Knorr etwa mit Bundespräsident Johannes Rau und mit dem Kabarettisten Herbert Knebel alias Uwe Lyko. Er begegnete auch CDU-Politiker Norbert Blüm, der sogar einen Funkspot für den Bürgerfunk sprach, und talkte mit Eselordenträger und Radiojournalist Manni Breuckmann, der so begeistert von der Begegnung und dem Ergebnis war, dass er sich mit einem zweiseitigen Brief bedankte.

Nicht so angetan war Jürgen Knorr dagegen von CDU-Politiker Friedrich Merz. Ein Ratsherr hatte ein Interview mit ihm zugesagt. Doch am Ende „hat er mich wie einen dummen Jungen einfach stehen gelassen“, sagt der Bürgerfunker. Auch die Begegnung mit dem Kabarettisten und Eselordenträger Dieter Nuhr fand er nicht so toll. „Ich habe mich geärgert, er war sehr distanziert, unhöflich und ruppig“.

Doch normalerweise beschäftigt sich der Bürgerfunk mit Themen, die sonst nicht unbedingt im Radio Platz finden. Wie mit einem Frauenhaus in Moers. Der Besuch, der Knorr eine Ehre war, zumal Männer hier eigentlich nicht erwünscht sind, hat ihn geprägt. So sehr, dass er den Beitrag wohl am kommenden Sonntag wiederholen wird.