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Justiz

17-Jähriger Oberhausener zieht gegen Bandidos vor Gericht

07.11.2012 | 21:17 Uhr
17-Jähriger Oberhausener zieht gegen Bandidos vor Gericht
Ein Oberhausener hatte bei der Rockerbande Bandidos Schulden.Foto: WAZ FotoPool

Wesel.   Ein 17-Jähriger hatte Schulden bei dem Motorradclub "Bandidos", die er nicht zurückzahlen konnte. Aus Angst vor seinen Gläubigern tauchte er schließlich unter. Nach einer Konfrontation, die in Handgreiflichkeiten endete, erstattete der Oberhausener Anzeige. Seine Gläubiger wurden freigesprochen.

Es war ein ungleiches Quartett, das gemeinsam auf der Anklagebank vor dem Schöffengericht saß. Zwei Familienväter, Dominic T. (34 Jahre) und Erwin G. (43, beide aus Hünxe), sowie Stefan N. (19) aus Duisburg und Andre R. (17) aus Wesel (alle Namen geändert) waren unter anderem wegen räuberischer Erpressung angeklagt. Sie alle hatten - entweder als Mitglied oder Unterstützer - eine Verbindung zum Motorradclub „Bandidos“ .

Im Oktober 2011 hatte ein damals 17-jähriger gebürtiger Oberhausener Kontakt zu den Dinslakener „Bandidos“ aufgenommen. „Ich suchte nach Rückhalt“, gab er vor Gericht an. „Zu Hause hatte ich eine Menge Probleme. Meine Mutter hat mich vor die Türe gesetzt.“ Er deckte sich mit T-Shirt und Weste des Clubs im Wert von rund 100 Euro ein, verrichtete Kellnerdienste im Clubheim und hoffte, so bei den Kameraden im Ansehen zu steigen. Unterkunft fand er übergangsweise beim Mitangeklagten N..

Aus Furcht untergetaucht

Aus dieser Zeit rührten 40 Euro Schulden für nicht bezahlte Getränke im Clubheim in Lippedorf. Für Kost und Logis bei N. brauchte er, so seine Annahme, nichts zu zahlen. Bei R. hatte er rund 30 Euro Schulden. Nachdem er seine Ausbildungsstelle verlor, fürchtete der 17-Jährige, der Pflicht zur Rückzahlung des Geldes nicht zur Zufriedenheit der „Bandidos“ nachkommen zu können und tauchte unter.

Rockerbanden
Motorradclubs und Rockerbanden

Nach einer Massenschlägerei zwischen Hells Angels und Bandidos in Mönchengladbach Anfang 2012 erhöhte die Polizei den Druck auf kriminelle Rocker auch an Rhein und Ruhr. Mehrere Chapter wurden verboten. Nach Darstellung der Ermittler finanzieren sich die Rockerbanden durch organisierte Kriminalität.

Seine  ehemaligen Kameraden und jetzigen Gläubiger suchten nach ihm, in der Hoffnung, ihr Geld zurückzubekommen. Per SMS forderte N. ihn auf, einen Teil der Miete für die drei Wochen Unterkunft bei ihm zu entrichten. Aus Furcht vor dem Zorn der „Bandidos“ ignorierte er jeden Versuch der Kontaktaufnahme. Als T. den Zahlungsunwilligen am Bahnhof traf, sprach er ihn auf das Geld an und ohrfeigte ihn. Eine darauf folgende Unterredung im Clubheim führte zu keiner Lösung für beide Seiten.

Durch die Geschehnisse war das Opfer derart verängstigt, dass es Anzeige bei der Polizei erstattete. Dort gab der 17-Jährige an, damals bedroht und ins Clubheim verschleppt worden zu sein.

Dreifacher Freispruch

Nach seiner Aussage vor dem Richter ließ er diese Vorwürfe jedoch fallen. So blieb nach Überzeugung des Gerichts weder Raum für eine räuberische Erpressung noch für eine Nötigung. Konsequenz war der Freispruch für N., G. und R., wobei den beiden Letztgenannten nicht einmal eine Beteiligung nachgewiesen werden konnte. Somit hatte einzig der Vorwurf einer Körperverletzung für T. Bestand. Für die Ohrfeigen am Bahnhof muss er 1500 Euro zahlen. Danach wird das Verfahren gegen ihn eingestellt.

Christian Ißelhorst



Kommentare
10.11.2012
09:19
17-Jähriger Oberhausener zieht gegen Bandidos vor Gericht
von hey52 | #4

Jetzt gibt es wohl erstmal richtig langen Hafer für die 17 jährige Hohlbirne.Wieder ein Opfer missratener Erziehung!

09.11.2012
18:56
17-Jähriger Oberhausener zieht gegen Bandidos vor Gericht
von kadiya26 | #3

Wir haben hier also Männer über 30, die die Notlage eines Bengels entweder nicht richtig einschätzen konnten, oder wenn doch, diese offenbar ausnutzten.

Ich kannte in früheren Zeiten Motorradclubs, da wäre es eine Frage der Ehre gewesen, den Bengel vernünftig einzunorden, statt ihm wegen ein paar Talern dermaßen zuzusetzen. Aber das waren noch Dmark-Zeiten. Hat sich eben alles verändert. Zum schlechten.

2 Antworten
17-Jähriger Oberhausener zieht gegen Bandidos vor Gericht
von Meddensen | #3-1

Ich bin nicht bei den Bandidos, sondern beim Gremium. Aber kein 1%er tut einem Bengel - oder irgend jemand anderem - etwas wenn man eins zeigt: Respekt und Rückgrat!

Und der Bengel hat es an beidem mangeln lassen. Er bekam von ihm bis dahin völlig Unbekannten kostenlos ein Bett und Verpflegung. Und als es ans Bezahlen für Getränke ging hat er sich verpisst. Hätte er sich gerade gemacht und die Sache erklärt wäre... genau, nichts passiert. Man findet immer eine Lösung. Aber uns für dumm verkaufen, das macht man nicht! Dann wegen einer Ohrfeige eine Anzeige... Junge, Junge, wie blöd muss der sein.

Also, wenn du dich von 17jährigen abziehen lässt, deine Sache. Bei uns gibts das nicht. Bei uns steht man für das was man tut oder sagt ein. So einfach ist das.

Cheers...

17-Jähriger Oberhausener zieht gegen Bandidos vor Gericht
von herbert-hue | #3-2

@Meddensen: Über die Dummheit des 17jährigen brauchen wir keine weiteren Wörter fallen lassen, über den Einwand von Kadiya schon!
Ich habe selbst erlebt und sehr oft gehört, wie die Herren Bandidos ihre Supporter und Dienstleister übelst über den Tisch ziehen. Das kenne ich nicht vom Gremium, auch nicht von den Outlaws und die Herren der Höllenengel haben sich in dieser fragwürdigen Praxis meines Wissens auch noch nicht eingereiht. Ist ja eigentlich auch keine Einstellung der 1%er, aber, wie Kadiya schon schrieb, die Zeiten haben sich geändert, zumindest bei den Bandidos.

09.11.2012
12:46
17-Jähriger Oberhausener zieht gegen Bandidos vor Gericht
von Robert_Meier | #2

Manchmal muss man sich echt fragen wie dumm jemand sein kann. Das wird sich der MC nicht gefallen lassen und sich das Geld für die Strafe + Entschädigung bei dem jungen Mann zurückholen. Dabei geht es um offene Rechnungen in Höhe von 70 € plus anteilige Miete für 3 Wochen. hey... wer setzt nicht für 250€ sein Leben aufs Spiel?

08.11.2012
22:55
17-Jähriger Oberhausener zieht gegen Bandidos vor Gericht
von herbert-hue | #1

Und nun? Meint er, er könne nun besser schlafen? Was glaubt er, wer die 1.500 Euro zahlt? Natürlich, zunächst der verurteilte Bandido. Aber der wird sich jeden Cent von ihm wiederholen und zwar zuzüglich Zinsen. Und die Jungs haben bekanntermaßen einen horrenden Zinssatz.
Wer mit dem Feuer spielt, kommt darin um!

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