100 oft ganz harte Jahre

Elisabeth de Fries feiert am 9. Januar den 100. Geburtstag.
Elisabeth de Fries feiert am 9. Januar den 100. Geburtstag.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Elisabeth de Fries erlebte zwei Weltkriege und dreimal massive Geldentwertung. Heute feiert sie mit ihren Söhnen, Schwiegertöchtern und Nichten

Wesel..  „Mein Gedächtnis ist noch gut“, sagt Elisabeth de Fries. Erinnern kann sie sich, oft auf den Tag genau, und das will was heißen, wenn man 100 Jahre alt ist. Heute begeht sie diesen „dreistelligen Geburtstag“.

Kindheit teils ohne Vater

„Ziemlich schwer“ sei ihre Kindheit in Wesel gewesen, sagt sie, die am 9. Januar 1915 als Elisabeth Becker geboren wurde. Da war Krieg, in den ihr Vater zog, der 1924 heim kehrte und bei der Keramag arbeitete. Lange Zeit folglich ohne Vater, wohnte sie mit ihrer Mutter, ihrer Schwester und ihren zwei Brüdern an der Feldstraße, ging acht Jahre lang zur Böhlschule, erlebte gleich danach die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise von 1929 und „die erste von drei Inflationen“.

Säuglingspflege, Nähen und Kochen erlernte Elisabeth Becker - „alles unentgeltlich“. Dann war sie im Haushalt tätig, lernte Erste Hilfe beim DRK. Als Schwesternhelferin wurde sie ausgebildet und heiratete 1938 den Schuster Ludwig Frisch. Als zwei Jahre später ihr Sohn Karl-Wilhelm geboren wurde, war schon wieder Krieg.

Sie war wieder an ihrer alten Böhlschule, als Leiterin der dort eingerichteten Sanitätsstation, als die Bomben auf die Stadt fielen. Leben retten war ihre Aufgabe. „Uns blieb nichts als das, was wir an hatten - und mir noch die Papiere in meiner Handtasche“.

1945 in die Nähe von Bad Nenndorf evakuiert, kehrte sie 1949 nach Wesel zurück. 1950 starb ihr Mann an einem Herzleiden. „Ich hatte keinen Pfennig.“ Sie wohnte jetzt am Breiten Weg und putzte bei der Keramag Büros. Mit 70 Mark im Monat auszukommen sei sehr schwer gewesen. 1953 heiratete sie erneut und hieß nun Elisabeth de Fries. Im Jahr darauf wurde ihr zweiter Sohn Rainer geboren.

1982 wurde sie zum zweiten Mal Witwe. Ihre Söhne kümmerten sich um sie und tun dies bis heute. Der ältere wohnt in Dingden, der jüngere ist gerade nach Bislich gezogen.

Ausgefüllte Tage

Mit ihren Frauen werden sie ebenso wie vier der fünf Nichten, die ihr von der Verwandtschaft geblieben sind, heute zur Geburtstagsfeier in die Senioreneinrichtung Martinistift kommen, wo Elisabeth de Fries seit 2013 wohnt. Viel hat sie gebastelt, 70 Bälle umhäkelt, mit denen die Bewohnerinnen und Bewohner spielen, aber jetzt machen die Hände ebenso wie die Beine und die Augen nicht mehr so mit. Dennoch hat sie „jeden Tag etwas vor“: Gottesdienst oder Singen, oder Herr Lemken liest aus der Zeitung vor - vor allem über Wesel, die Stadt, in der sie seit 100 Jahren lebt.