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Integration

„Pflichtaufgabe Integration“

20.05.2012 | 10:00 Uhr
„Pflichtaufgabe Integration“
Uwe Wiederspahn , Stadtverwaltung

Werdohl. Am 8. Mai hat Staatsministerin Maria Böhmer in Berlin die Studie zum „Stand der kommunalen Integrationspolitik“ vorgestellt. Wertvolle Informationen dazu kommen aus Werdohl.

Nicht weniger als 228 Kommunen geben in der Studie Auskunft über ihre Bemühungen um die Integration von Ausländern und Migranten in die Gesellschaft. Für Werdohl befragten die Autoren der Studie Uwe Wiederspahn, den städtischen Projektleiter des Werdohler Integrationsprojektes (WIP), und Evangelia Kasdanastassi, die sich für das Diakonische Werk vor allem in der Stadtmitte um die Integration kümmert.

Dass Werdohl in der Studie eine Rolle spielt, kommt nicht von ungefähr. Die Stadt hat, prozentual gesehen, einen der höchsten Ausländeranteile in NRW. In der Studie wird Werdohl als Kleinstadt mit „überdurchschnittlichem Ausländer- und Migrantenanteil“ dargestellt. Uwe Wiederspahn geht davon aus, dass bis 2025 jeder zweite Einwohner der Stadt einen Migrationshintergrund hat.

Als Erfolge der Integrationsarbeit werden in dem 189 Seiten starken Papier unter anderem die „Verbesserung des Zusammenlebens von Einheimischen und Migranten“, die Entwicklung von Sprachförderkonzepten und die „Einbeziehung türkischstämmiger Gewerbetreibender“ genannt. Grundlage für die Erfolge seien ein „stabiles Integrationsnetzwerk“ und die „Verzahnung von Integrations- und Stadtteilpolitik“.

Handlungsspielraum eingeschränkt

Dass die Integration in Werdohl bisher nicht noch besser funktioniert, wird unter anderem auf einen „eingeschränkten finanziellen Handlungsspielraum“ und „emotionalisierende und skandalisierende Debatten à la Sarrazin“ zurückgeführt. Mit Blick auf das fehlende Geld gibt es in der Studie den Werdohler Wunsch nach einer „solide und zeitlich unbefristeten Förderung“. Ähnlich, wenn auch umständlicher, äußern sich die Autoren der Studie in der Schlussbilanz: „Zu den Zukunftsaufgaben gehören die Ausstattung der Kommunen mit erweiterten bildungspolitischen Zuständigkeiten, die Förderung dieses Prozesses durch eine angemessene Finanzausstattung der Kommunen und wirksame Unterstützungssysteme sowie die Entwicklung eines neuen Strukturkonzepts der Bildungssteuerung mit einer stärker koordinierenden und steuernden Rolle der Kommunen.“

Mit den Forderungen nach mehr Geld und mehr Kompetenzen rennen die Autoren der Studie beim WIP-Projektleiter Uwe Wiederspahn offene Türen ein. Er geht sogar noch weiter: „Es wäre wichtig, die Integration zur Pflichtaufgabe der Kommunen zu machen.“ Pflichtaufgaben kann die Kommune von Gesetzes wegen nicht streichen, selbst wenn sie wie Werdohl hoch verschuldet ist.

Allerdings macht Uwe Wiederspahn zurzeit ganz andere Erfahrungen mit der Integration. Nach wie vor fehlen in diesem Jahr rund 30 000 Euro, die die Stadt regelmäßig aus dem bisher aufgelegten Landesförderprogramm KommIn erhielt. Integrationsarbeit in diesen Tagen beschränkt sich fast ausnahmslos auf die zwar extrem wichtige, aber durchweg ehrenamtliche Stadtteil-Arbeit.

Integrationszentrum erst 2013

Die Einrichtung eines kreisweiten Integrationszentrums, von dem das WIP profitieren könnte, steht noch ganz am Anfang. Die Auflösung des Landtages und die Wahlen haben bisher verhindert, dass das Vorhaben der rot-grünen Landesregierung vorangetrieben werden konnte.

Jetzt, Mitte Mai, geht Uwe Wiederspahn davon aus, dass ein solches Integrationszentrum frühestens im Frühjahr 2013 eingerichtet wird. Kein Wunder also, wenn er aus dieser Sicht zu dem Schluss kommt: „2012 ist für Werdohl ein verlorenes Jahr für die Integration.“

Matthias Alfringhaus



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