Modell "Lenneklinik" hätte Geburtshilfe-Abteilung retten können
12.02.2009 | 23:59 Uhr 2009-02-12T23:59:00+0100
Gynäkologie und Geburtshilfe an der Stadtklinik hätten weiter betrieben werden können, wenn man sich vor Jahren für eine Verbundlösung von Ärzten und Kliniken im Lennetal engagiert hätte. Das meint Dr. Wolfgang Krämer, Geschäftsführer der Lennetz GmbH mit Hauptsitz in Werdohl.
Die Märkischen Kliniken als Träger der Stadtklinik haben angekündigt, diese beiden Abteilungen Ende März zu schließen (WR berichtete). Lennetz-Geschäftsführer Dr. Krämer sagte dazu gestern Abend auf einer Informationsveranstaltung von SPD und FDP im Restaurant Vier Jahreszeiten: „Eine Geburtshilfe mit 600 Geburten im Einzugsbereich Lennetal rechnet sich.” Krämer legte dabei die Minimal-Zahlen für Geburten der Krankenhäuser in Altena, Plettenberg und Werdohl zu Grunde.
Wenn man diesen zurzeit nicht bestehenden Verbund schon vor zehn Jahren geplant hätte, so Krämer gestern Abend vor über 100 Gästen, hätte eine Chance für die beiden Abteilungen bestanden. Jetzt aber gelte: „Wir sind zu spät.” Dabei sieht Krämer und mit ihm seine etwa 70 Kollegen der Ende 2007 gegründeten Lennetz GmbH genau diesen Verbund als die einzige Chance für die drei Häuser im Lennetal an.
Mit einem solchen neuen Verbund im Lennetal könnten zum Wohle von rund 100 000 Menschen in der Region gesundheitliche Versorgung auf hohem medizinischen Niveau und erhebliche Einsparungen gewährleistet werden. An diesen Krankenhäusern, so das im Frühjahr 2008 erarbeitete Lennetz-Modell, könnten dann auch niedergelassene Ärzte tätig sein. In Plettenberg gebe es bereits solche Ansätze mit guten Ergebnissen mit dem dortigen Diabetologen. Das Modell „Lennekliniken” sehe auch eine Gynäkologie und eine Geburtshilfe in Werdohl vor. Es sei, so Krämer bei seinem über einstündigen Vortrag, auch Lennetz nicht gelungen, einen Gynäkologen an Werdohl zu binden. Die Patienten würden bei dem Modell „Lennekliniken” zusätzlich davon profitieren, dass Ärzte zwischen den einzelnen Klinik-Standorten pendeln würden und die Daten über moderne Datennetze an allen drei Standorten und allen Lennetz-Ärzten ausgetauscht würden.
Vorschlag im Juni 2008
Das gesamte Modell, so Krämer gestern Abend vor einem teilweise staunenden Publikum, habe man im Juni 2008 bereits in allen Einzelheiten den Märkischen Kliniken vorgelegt. Dort sei es auch durch Fachleute auf seine Wirtschaftlichkeit geprüft worden. Als Ergebnis hat der Prokurist der Märkischen Kliniken Lennetz laut Krämer mitgeteilt, dass das Lennetz-Modell ein Zukunftsmodell sei. Deshalb verstehe man nicht, warum die Märkischen Kliniken bis jetzt Probleme bei einer Zusammenarbeit mit Lennetz sähen. Krämer sagte unter dem Beifall der Gäste: „Die Politik muss jetzt das Heft in die Hand nehmen.”
13:20
Tachchen lieber Hertbert94,
habe gestern Abend über den Buchstabendreher geschmunzelt. Das kann im Eifer des Gefechts passieren. Aber wahrscheinlich haben die Herren Dr. Schwilk und Schüwer tatsächlich eine Reiseveranstaltung in den Festsaal Riesei unternommen.....
Zur Sache: Natürlich hat der sonst redegewandte Werdohler Bürgermeister auf der Ratssitzung nicht gerade geglänzt, auch ich hatte da mehr von ihm erwartet. Insofern gebe ich Herbert94 recht, dass auch er ein gehöriges Maß an Mitverantwortung trägt.
Und noch was lieber Herbert94: Den Kreuzzug habe ich in Anführungszeichen gesetzt. Natürlich weiß ich aus der Historie, welchen stellenwert die Kreuzzüge hatten und was sie angerichtet haben.
Im übrigen denke ich, dass wir beiden tatsächlich im Endergebnis nicht weit auseinander liegen.
In diesem Sinne: Immer kritisch das kommunale Geschehen verfolgen - und zwar nach allen Seiten!
08:33
Ich war müde - es muss natürlich heissen: Rieseiveranstaltung und nicht Reiseveranstaltung
22:23
Was Kreuzzüge angerichtet haben wissen wir doch.
Bisher habe ich mitgemacht, ich habe die Demo besucht ich habe auf der Tribüne im Riesei gesessen, aber an einem Kreuzzug nehme ich nicht teil. Das ist eine vollkommen sinnlose Aktion. Wir haben die Herren doch erlebt, das beeindruckt die nicht! Der Bürgermeister hätte die Chance gehabt, aber der wollte es ja nichtöffentlich behandeln. Wer den Parteien den schwarzen Peter zuschieben will muss zwangsläufig den Herrn Bürgermeister mit ins Boot nehmen. Dieser Her trägt ein gehöriges Maß an Mitverantwortung. Mit seinem zur Schau gestellten Populismus bei der Reiseveranstaltung hat er für mich jegliche Kompetenz und Glaubwürdigkeit verspielt. Der Mann steht dem Rat vor - nicht immer nur auf die Parteien schimpfen.
Kreuzzug ohne mich - Kreuzzug ist Wahlkampf!
Aber lieber Müntefan es stimmt, weit liegen wir nicht auseinander wenn es um die Sache geht! Gute Nacht!
18:05
Also lieber Herbert94, jetzt pass doch mal auf:
Das alles hat doch mit Wahlkampf nichts zu tun! Es geht hier doch um die Stadtklinik Werdohl! Das Thema sollten sich doch alle Parteien auf die Fahnen schreiben. Und zwar vehement! Je mehr Parteien hier zum Kreuzzug aufrufen, umso besser.
Nochmals: Die WBG muss keiner lieben oder wählen. Aber der Werdohler Bürger sollte anerkennen, dass die WBG das Thema in die breite Öffentlichkeit hineingetragen hat, dass sie die Bürger (und hier speziell die Frauen) mit den Folgen vertraut gemacht hat.
Mein lieber Herbert 94: Wahrscheinlich schlägt Dein Herz auf der richtigen Seite und wahrscheinlich sind wir beide im Endergebnis gar nicht weit auseinander entfernt. Der große Fehler der im Rat der Stadt Werdohl vertretenen Parteien liegt doch darin, dass sie in Kenntnis der Situation keinen Alarm geschlagen haben. Ich würde mir wünschen, dass sie mehr mit der WBG an einem Strang ziehen - und nicht politischen Gründen in diesem Fall ein fast schüchternes Verhalten an den Tag legen.
P.S.: Finde es übrigens gut, dass Du Deinen Hut wieder in den Forumsring geworfen hast!
14:53
Ich stelle mir immer noch die Frage, und die wurde bisher nicht beantwortet, warum die WBG ähnlich lange gewartet hat wie die Politiker. Es ist einfach auf den handlungsunfähigen Rat hinzuweisen. Polemik und Populismus sind halt in im Städtchen. Was haben denn die populistischen Aktionen der WBG gebracht? Die sind doch genauso handlungsunfähig.
Ich stelle hier konkret die Frage an die WBG: Warum hab auch ihr nicht früher reagiert??? Passte vielleicht noch nicht in den Wahlkampf!
Ich bin der Meinung, das die WBG hier auf einen bereits vor Jahren abgefahrenen Zug aufgesprungen ist um Stimmen zu fangen. Der Chef der WBG arbeitet doch bei einer Tochtergesellschaft Märkischen Kliniken - hat er denn nichts mitbekommen?
23:03
Die Feststellungen von Müntefan treffen genau den Punkt. Wenn wir Werdohlerinnen nur auf unsere Politiker vertraut hätten, wären Geburtshilfe und Gynäkologie in der Stadtklinik klamm und heimlich am 31.3.09 geschlossen worden. Vielleicht hätte es von der Klinikleitung noch einen kleinen Hinweis dazu in beiden Tageszeitungen gegeben, das wäre es dann wahrscheinlich auch gewesen. Es ist richtig, dass es erst die Werdohler Bürgergemeinschaft gewesen ist, die massiv gegen diese drohende Schließung vorgegangen ist. Von den Ratsfraktionen war in der Vergangenheit herzlich wenig zu erkennen. Auch die SPD-Veranstaltung am Donnerstag mit Vertretern von Lennetz hat nicht wirklich Neues gebracht, was eine Schließung der beiden Abteilungen in der Stadtklinik noch verhindern könnte. Die Pläne von Lennetz sind sicher ein Schritt in die richtige Richtung. Ob die Realisierung jedoch in einem vernünftigen Zeitraum möglich sein wird, muß mit Recht bezweifelt werden. Ob sich die Pläne überhaupt mit drei unterschiedlichen Krankenhaus-Trägern umsetzen lassen, macht die Sache nicht einfacher. Dass einer dieser Träger die Märkischen Kliniken mit den Geschäftsführern Schüwer und Dr. Schwilk sind, erleichtert die Dinge außerdem nun wirklich nicht. Was ich aber auch befürchte ist, dass nach der beabsichtigten Schließung und den weiteren Maßnahmen in der Stadtklinik, wie Abzug des Anästhesisten nach 19.00 Uhr und die Nicht-Besetzung der Pforte zur Nachtzeit, die scheibchenweise Schließung der Stadtklinik bereits angefangen hat. Ob die von der Werdohler Bürgergemeinschaft noch angedachten Aktionen hieran noch was ändern können, erscheint mir bei der von den Herren Schüwer und Dr. Schwilk in der Ratssitzung am 9.2.09 gezeigten Arroganz mehr als zweifelhaft. Hier könnte wirklich nur noch ein Votum des Aufsichtsrates etwas bewirken. Was uns Werdohler Frauen und den Frauen aus der Umgebung bleibt ist zu hoffen, dass sich die Damen und Herren im Aufsichtsrat der Märkischen Kliniken von der Notwendigkeit des weiteren Betriebes von Geburtshilfe und Gynäkologie in der Stadtklinik Werdohl überzeugen lassen.
18:59
Hätte, wenn und aber - die Meinung der Märkischen Klinik als Träger der Werdohler Stadtklinik scheint festzustehen. Nach dem jetzigen Stand der Dinge scheint es, als ob alle anderen Gründe bei der Klinik-Spitze auf Granit beißen. Die Botschaft aus der Lüdenscheider Führungsetage ist klar: Geburtshilfe und Gynäkologie in Werdohl werden plattgemacht, Demos und Unterschriften der Werdohler interessieren uns nicht.
Soviel selbstherrliches Denken ist ein Schlag ins Gesicht der Bürger, speziell ins Gesicht der Frauen, deren mögliche gesundheitliche Gefährdung - aus welchen Gründen auch immer - von den Sanierern unter den Tisch gefegt werden. Das ist traurig und unbegreiflich.
Und der Ärzteverbund Lennetz? Er ist sicherlich mit seinen Vorschlägen etwas spät ans öffentliche Tageslicht gekommen, aber zu spät war es nicht. Das verdeutlicht, dass der Klinik-Führungsetage jeder anderer Vorschlag und jede andere Meinung völlig egal ist. Sie sanieren - und zwar auf Kosten der Frauen!
Wenn Dr. Krämer jetzt sagt, dass die Politik das Heft in die Hand nehmen muss, dann frage ich mich, ob die amtierende Werdohler Legislative überhaupt Hände hat. So etwas schwaches an parlamentarischer Gegenwehr ist bei Kommunalräten äußerst selten zu sehen - außer, man lebt in Werdohl Auch die mehrfach geäußerten Worte, gegen die drohende Schließung der Geburtshilfe/Gynäkologie massiv vorgegangen zu sein, kommt über ein Alibiargument nicht hinaus. Selbst der eigentliche bürgernahe Werdohler Bürgermeister scheint jetzt zu erkennen, dass mehr Öffentlichkeit den Interessen der Werdohler Frauen dienlich gewesen wäre.
In den Blickpunkt der Öffentlichkeit ist das ganze Dilemma erst in den letzten Monaten durch Aktivitäten der Werdohler Bürgergemeinschaft gerückt. Und die WBG ist noch nicht einmal im Rat der Stadt. Das hier ausgerechnet die noch außerparlamengarische Opposition punktet, muss den anderen Werdohler Ratsparteien wie Blei auf der politischen Seele liegen.
Vielleicht bleibt trotzdem noch ein wenig Hoffnung: Der Aufsichsrat der Märkischen Klinik kann sein Votum kippen - Vorraussetzung ist dann aber ein wirklicher und öffentlich-medienwirksamer politischer Protest aus Werdohl.
Erfreulich, dass auch hier die WBG mitmischt. Ihrer Überlegung, mit Bussen oder als Pkwkorso den Aufsichtsrat der Märkischen Klinik Mitte März (nächste Sitzung) zu besuchen, kann nur der Erfolg aller Frauen und aller Bürger gewünscht werden.
Auch dies noch: Erfolgt die Schließung der beiden Abteilungen, dürfte damit die scheibchenweise Auflösug der Werdohler Stadtklinik begonnen haben. Auch wenn das derzeit von der Klinik-Führungsetage in Lüdenscheid dementiert wird.
11:40
Es ist festzustellen, dass sich die Ende 2007 gegründete Lennetz GmbH einfach zu spät gegründet hat. Da war für die Einbeziehung der Werdohler Klinik der Zug längst abgefahren. Herr Krämer gibt ja offen zu, dass es nicht gelungen ist, einen weiteren Gynäkologen oder auch eine weitere Gynäkologin an Werdohl zu binden.