Letzte Ruhe in heiliger Erde
25.07.2012 | 16:31 Uhr 2012-07-25T16:31:00+0200
Altena. Eine Anfrage des Salomon-Ludwig-Steinheim-Instituts rückt den jüdischen Friedhof in Altena ins Blickfeld: Das Institut für deutsch-jüdische Geschichte an der Universität Duisburg-Essen will den Altenaer Gräberbestand erfassen und dokumentieren.
Eine Anfrage des Salomon-Ludwig-Steinheim-Instituts rückt den jüdischen Friedhof in Altena wieder ins Blickfeld: Das Institut für deutsch-jüdische Geschichte an der Universität Duisburg-Essen will den Altenaer Gräberbestand erfassen und dokumentieren. Stadtarchivarin Monika Biroth unterstützt das Projekt und bittet in der Bevölkerung um Spenden für eine Online-Edierung. Der Friedhof ist zwar geschlossen, aber es besteht in Ausnahmefällen noch immer die Möglichkeit, Bestattungen vornehmen zu lassen.
Anfragen für jüdische Begräbnisse hat es zwar seit Jahrzehnten nicht mehr gegeben, aber sie sind möglich, wie Ruth Prinz, Geschäftsführerin des Landesverbandes Westfalen-Lippe der jüdischen Gemeinden, erklärt. Ein triftiger Grund wäre, wenn ein gebürtiger Altenaer verstirbt und den Wunsch nach Bestattung in der alten oder noch immer aktuellen Heimat geäußert hat. Zudem besteht eine Bestattungsberechtigung für Nachfahren jener Juden, die bereits auf dem Friedhof begraben liegen.
Weil es in der Burgstadt selbst keine Synagoge und auch keinen zuständigen jüdischen Geistlichen gibt, ist die jüdische Gemeinde Hagen für Altena mitverantwortlich. Sie führt zwar die Bestattung durch, ist aber nicht im Besitz des Friedhofs. „Das sind wir als Landesverband “, erklärt Ruth Prinz. Er vertritt die Interessen der westfälisch-lippischen jüdischen Gemeinden von Dortmund aus. Der Verband hat ein Abkommen mit Altena getroffen und den städtischen Bauhof mit der Pflege des Grundstücks betraut. „Da wird regelmäßig der Rasen gemäht und das Unkraut gejätet“, erklärt Ruth Prinz. „Auch die Gräber selbst werden gepflegt, aber niemals geöffnet.“
Einmal im Jahr Ortstermin
Weil die Erde als heilig gilt und auf ewig den Toten überlassen wird, laufen jüdische Gräber nicht ab, wie es auf kommunalen und christlichen Friedhöfen üblich ist. Deshalb befinden sich auf dem malerisch gelegenen Stück Erde auch noch sehr viele alte Grabsteine. Leider aber gelangen auch ungebetene Gäste wie Wildschweine manchmal auf den Friedhof.
Bei schwerwiegenderen Schäden erfolgt eine Absprache über Neubepflanzungen. Einmal im Jahr schickt der Landesverband einen Friedhofsbeauftragten, der eng mit dem örtlichen Denkmalamt zusammenarbeitet. Weil der Friedhof das letzte Zeugnis jüdischen Lebens in Altena ist, wurde er 2007 unter Denkmalschutz gestellt.
Die Grabbestände gehen höchstwahrscheinlich bis zum Beginn des 18. Jahrhunderts zurück. Kleine abgelegte Steine auf den Köpfen der Grabsteine zeugen davon, dass bis heute Besucher kommen.
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