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Hausgeburt

Geboren im Niggenhuser Hof

08.08.2012 | 19:00 Uhr

Wiblingwerde. Gundula Neuhaus war schon fast mit einem Bein im Auto, als sie merkte, dass ihre Tochter Tjorven wohl nicht warten würde. Tatsächlich reichte die Zeit für die Fahrt in den Kreißsaal nach Hagen nicht. Die werdende Mutter blieb zu Hause und ließ spontan die ganze Familie bei der Geburt mit anpacken. Hebamme Sonja Schneider hatte kaum noch etwas zu tun, als sie im Niggenhuser Hof eintraf.

Man kannte sich vom Sport und aus dem Waldkindergarten. In einer lockeren Unterhaltung hatte Gundula Neuhaus Sonja Schneider mal gefragt: „Kommst Du auch ins Haus, wenn mal was ist?“ Niemals hätte die werdende Mutter gedacht, dass sie das Hilfeangebot von Sonja Schneider beanspruchen würde. Am 17. Juni kam aber alles anders als geplant.

Dankbar für die erholsame Nacht, um die Gundula Neuhaus noch gebetet hatte, wollte sich die Wiblingwerderin am Morgen mit Ehemann Michael in Ruhe auf den Weg ins Krankenhaus machen. Es war der Tag des Geburtstermins und der Rücken schmerzte ein wenig. Sie ging unter die Dusche und wollte eigentlich noch frühstücken. Schwiegermutter Marlies stand bereit, um die große Schwester Madita (3) zu hüten. Am Ende stand sie ihrer Schwiegertochter bei, als diese im Badezimmer voll im Geburtsprozess stand und nur sagte: „Bitte fang das Kind auf!“

Das tat die ausgebildete Krankenschwester Marlies Neuhaus natürlich. Die in der Eile herbeigerufene Hebamme Sonja Schneider fand um 9.02 Uhr eine glückliche Mutter mit Baby auf dem Bauch vor. Sie nabelte das Kind ab, wog und vermaß es und gratulierte. „So kann’s gehen!“ sagt sie. „Und es ist gar nichts Beängstigendes dabei!“

Aufgrund der horrenden Haftpflichtversicherungsbeiträge für Hebammen praktiziert die Veserderin aktuell nicht. Der Einsatz bei Familie Neuhaus war ein Freundschaftsdienst. „Freunde sind wir geworden“, sagt das Duo heute lachend.

Beide möchten Frauen mit ihrer Geschichte die Angst nehmen. Gundula Neuhaus war selbst überrascht, keine zu haben während der Geburt. Umgeben von ihrer Familie und tiefem Gottvertrauen fühlte sich die Gebärende sicher und ruhig. „So sollte es sein“, weiß Sonja Schneider.

Bei Schwangerschaften ohne Komplikationen kann eine Hausgeburt die angenehmste Form der Entbindung sein. Die Hebamme leistet in diesem Fall „interventionsarme Geburtshilfe“. Das bedeutet, es gibt weder wehenfördernde Mittel noch schmerzlindernde Medikamente für die Mutter. Die Hebamme lauscht den Herztönen und greift motivierend ein. Die Mutter ist meist in einer aufrechten Position und lässt die Schwerkraft für sich mitarbeiten.

„Dass die Frauen im Krankenhaus im Bett liegen, hat meist nur damit zu tun, dass alle Beteiligten sich der Mutter so am leichtesten von allen Seiten nähern können“, erklärt Sonja Schneider.

Hochauflösende Ultraschalltechnik im Kreißsaal sei zwar eine schöne Sache, aber für eine Geburt nicht zwingend notwendig. Die Hebamme ahnt, warum werdende Eltern trotzdem meist den Kreißsaal vorziehen: „Die moderne Medizin macht nahezu alles planbar. Nur die Geburt nicht. Davor fürchten sich viele.“

Diese Furcht ist meistens unbegründet. Gundula Neuhaus kann es nach der spontanen Erfahrung bestätigen: „Sollte ich noch mal ein Kind bekommen, würde ich es zu Hause wollen.“

Schließlich war es für die große Schwester Madita eine faustdicke Überraschung, die kleine Tjorven Marleen so schnell daheim begrüßen zu dürfen. Die wog 3240 Gramm und maß 50 Zentimeter. Gerade mal eine halbe Stunde Zeit nahm sie sich, um das Licht der Welt zu erblicken. „Wir sind dankbar für diese Erfahrung“, sagt ihre Mutter heute. Die Namen für ihre Töchter sind übrigens durch Astrid Lindgren inspiriert.

Ina Hornemann



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