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Lebensart

Ein Kettenhemd für einen Porsche

09.08.2011 | 10:00 Uhr
Ein Kettenhemd für einen Porsche
Die Castellani de Altena im Heerlager: Svenja Schäfer ist die Königin an der Nähmaschine.

Altena. Ob im Mittelalter oder in der Neuzeit – die Menschen haben immer nur mit Wasser gekocht. Die Reichen aber konnten sich etwas Besseres als Holzgeschirr leisten. Und wenn deftiges Fleisch auf den irdenen Teller kam, dann wurde das Gericht mit Zimt gewürzt. „Gewöhnungsbedürftig!“ weiß Hardo Kirchhoff, alias Hardo de Altena von den Castellani.

Durchaus sind die Castellani aber bereit, sich im historischen Spiel der ungewohnten Lebensart des Mittelalters anzupassen. Apfelringe und byzantinische Spargelröllchen sind eine Delikatesse, die sich als wohlschmeckendes Menü auch in der Moderne gut umsetzen lassen. Heute gibt es Salz und Pfeffer im Überfluss, aber im 13. Jahrhundert waren diese Gewürze purer Luxus, erklärt Hardo Kirchhoff.

Authentische Utensilien

Beim Bummel über die Marktmeile hat er durchaus authentische Utensilien gesehen, um die Epoche darzustellen. Schwerter, Kleider, Helme und Kettenhemden zählen dazu. Mit Svenja Schäfer und Susanne Daubach sind zwei Meisterinnen an der Nähmaschine bei den Castellani vertreten, die auch Lederarbeiten selbst durchführen. „Aber es ist nicht verwerflich oder stillos, sich bei einem Markt mit Kleidung und Zubehör auszustatten“, erklärt Hardo Kirchhoff. „Im Gegenteil: Ein Kettenhemd selbst herzustellen, ist unheimlich aufwendig. Wer eines kauft, der stützt auch die Altenaer Drahtindustrie und spannt den Bogen zu unseren Wurzeln.“

Wer glaubt, ein Kettenhemd sei mit 500 Talern teuer, der sollte 800 Jahre in die Vergangenheit zurückrechnen: Sieben Kühe war dieses Kleidungsstück wert. „Das wäre heute der Wert eines Porsche.“

Insgesamt empfinden Hardo Kirchhoff und auch Markus Schäfer die Marktmeile als sehr schön und ausgewogen. Nur wenige Produkte passen nicht so recht ins Bild eines typischen Mittelaltermarkts.

Ganz ähnlich empfinden das die „Hofner Gutsleute“, ein mittelalterlich interessierter Hagener Freundeskreis.

Darstellung in epochaler Genauigkeit

Sie haben ihre Zelte im Holtzbrinck-Park aufgeschlagen. Ihre Motivation: Handwerk darstellen – möglichst in epochaler Genauigkeit.

Höfliche Besucher machen an der Rasenkante halt und schauen dem Gutsherrn beim Gemüseschneiden zu. Andere sind aufdringlich-neugierig und stürmen die gute, mit Fellen ausgelegte Stube mit Straßenschuhen. Die kommt einem mittelalterlichen Herrenzimmer sehr nahe mit dem kleinem Hausaltar und den gestickten Wandgemälden. Heerlager wie diese zeigen: Das moderne Mittelalter kann unheimlich gemütlich sein.

Ina Hornemann


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