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Drogenprozess

Zehn Jahre Haft für „Professor Hasch“ aus Kamen

07.11.2012 | 15:23 Uhr
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Zehn Jahre Haft für „Professor Hasch“ aus Kamen
Zu zehn Jahren Haft wurde ein Musikprofessor wegen illegalen Cannabis-Anbaus verurteilt.Foto: Michael Kleinrensing

Kamen/Dortmund.   Zu zehn Jahren Gefängnis hat das Dortmunder Landgericht am Mittwochnachmittag einen Musikprofessor (50) aus Kamen verurteilt. Als Chef einer Drogenbande hatte er den Anbau von über 300 Kilo Marihuana organisiert.

In gut sieben Jahren könnte Ulrich Sch. wieder auf freiem Fuß sein und die Trümmer seiner kriminellen kurzen, aber intensiven Vergangenheit ordnen. Die 36. Strafkammer des Landgerichtes Kamen verurteilte den 50-jährigen Akkordeonlehrer und Musikverleger wegen illegalen Cannabis-Anbaus zu insgesamt zehn Jahren Haft, die er nunmehr zu wenigstens zwei Dritteln abzusitzen hat.

Der Vorsitzende Richter Helmut Hackmann, der mit dem Urteil zwei Jahren unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft blieb, sah es als erwiesen an, dass der Angeklagte „die Regie für den Absatz“ führte und bereits 2006 nach anfänglichem Handel mit Drogen aus Holland die Initiative für den Selbstanbau „zur Gewinnoptimierung“ ergriff.

Der Anbau im Keller seiner Villa an der Hammer Straße fiel auf, als Sch. wegen seiner Immobiliengeschäfte in den Fokus von Ermittlern geriet. Sch. muss nun 44355 Euro so genannten „Wertersatz-Verfall“ zahlen. Diese Summe hat der 50-Jährige wegen der rechtswidrigen Bereicherung durch den Drogenhandel an den Staat zu zahlen.

Der Musikprofessor kassierte zu Unrecht Kindergeld

Es wird wohl nicht das letzte Mal sein, dass sich Ulrich Sch. vor Gericht zu verantworten hat. Nach Informationen unserer Zeitung hat er bei seinen Millionen-Umsätzen im Drogen- und Musikgeschäft für seinen Sohn über mehrere Jahre Kindergeld von der Stadt Kamen kassiert, obwohl der Sechsjährige gar nicht bei ihm, sondern bei seiner Mutter in Litauen gelebt hat. Aufgefallen ist das - wie der Drogenring auch - einmal mehr durch einen Zufall. Die Stadt Kamen wollte den Kleinen einschulen und musste feststellen, dass er gar nicht bei seinem Vater lebte, der aber trotzdem Monat für Monat 184 Euro für seinen Sohn kassierte.

Wichtig scheint dem 50-Jährigen weiter sein Ansehen zu sein. Auch hinter Gittern legt er gesteigerten Wert auf Etikette: Von den Mitgefangenen und Wachtmeistern, heißt es, lässt er sich gern bei seinem zweiten Vornamen Theobald nennen - natürlich mit dem Titel „Professor“ davor - als „Professor Theobald“.

Rainer Spindler

Kommentare
21.11.2012
14:12
Die Staatsanwaltschaft in ...
von woewe | #22

... Colorado hat bereits alle Strafverfahren bezüglich Marihuana eingestellt.
Es geht also auch anders.
Ob der Musikprof. dort allerdings straffrei weggekommen wäre, steht auf einem anderen Blatt.

14.11.2012
20:52
Zehn Jahre Haft für „Professor Hasch“ aus Kamen
von Skriptor | #21

@Malakostraka: Professor Hasch ist wegen illegalen Cannabis-Anbaus und bandenmäßigen Drogenhandels verurteilt worden (s. Bericht). Wegen seiner Immobiliengeschäfte und des unrechtmäßigen Bezugs von Kindergeld wird er sicherlich nochmals vor dem Gericht in Erscheinung treten müssen. Fernerhin unterstellen sie dem Straftäter, er hätte sich als "Musiklehrer" an Schülern vergriffen. Häh?

13.11.2012
14:46
Zehn Jahre Haft für „Professor Hasch“ aus Kamen
von Malakostraka | #20

Ich habe noch nicht verstanden, was er so schlimmes gemacht hat.
An den windbestäubten Pflanzen kann es ja wohl nicht gelegen haben, die können heute eine solche Strafe nicht mehr wert sein, waren die nicht mittlerweile legal?
Der Inhaber von Envio hat mehr als nur halb Dortmund vergiftet und läuft frei herum.
Ich denke, der Musiklehrer hat sich an seinen Schülern vergriffen, oder ähnliches, das hier unter den Tisch fallen soll.

09.11.2012
10:36
Zehn Jahre Haft für „Professor Hasch“ aus Kamen
von Skriptor | #19

Genau! 10 bzw. 7 Jahre (s. Bericht) sind für einen zwielichtigen Geschäftsmann und internationalen Drogenboss keineswegs zu viel!

08.11.2012
21:48
@virt77 | #16
von vaikl2 | #18

Auch wenn Sie "Skriptor" geantwortet hatten - dieser "Prof" wurde nicht wegen Körperverletzung verurteilt, sondern wegen illegalem Anbau und Handel.

Sämtliche Befürworter einer Konsumfreigabe von Cannabis sind sich einig, dass dann Anbau und Handel nur *kontrolliert* vonstatten gehen kann, denn die eigentliche "Einstiegsdrogen"-Gefahr geht nicht von den Inhaltsstoffen aus, sondern vom illegalen Dealer-Umfeld, in dem sich auch dieser Prof bewegt und damit dessen Machenschaften *mit anderen, wirklich gefährlichen Drogen* gedeckt und für seine geldgierigen Zwecke genutzt hatte.

Nochmal: Auch bei einer Cannabis-Freigabe wären es weiter Straftaten, die der Prof fast schon berufsmäßig begangen hat, und 10 Jahre sind im Sinne der Bekämpfung des Dunkelumfelds der echten "Hirnkiller" keinesfalls zuviel.

3 Antworten
Zehn Jahre Haft für „Professor Hasch“ aus Kamen
von Pase_Lacki | #18-1

Wieviele Jahre Gefängnis sollten denn die Verkäufer in Tabakgeschäften oder Supermärkten mit Alkoholverkauf oder Kneipiers bekommen? Überall werden organisiert Drogen verkauft, durch die wissenschaftlich erwiesen Menschen elendig sterben und vorher z.T. in jahrelangen Suchtverhältnissen vor sich hinvegetrieren.

Hab ich noch nie gehört, dass so etwas nur durch Cannabis hervorgerufen wird. Aber nur durch Alkohol oder nur durch Zigaretten schon.

Zehn Jahre Haft für „Professor Hasch“ aus Kamen
von zwergschatten | #18-2

natürlich wären es weiter straftaten, genau so, wie es jetzt straftaten sind, tabak an der steuer vorbei zu verkaufen.

nur stellen sie sich mal eine zigarrettenmafia vor, (wobei nikotin WESENTLICH süchtiger macht als thc !) die nicht nur teilweise den bedarf abdeckt, sondern vollständig.

wie gross will man sich die mafia denn noch züchten? um dann zu jammern wie gross sie denn geworden ist?

es ist ja nicht so, dass die prohibition was neues wäre.

aber wenn eine strategie partout nicht aufgehen will was macht man dann? weiter wie bisher, nur mehr anstrengen?? oder vielleicht einfach mal umdenken?

Zehn Jahre Haft für „Professor Hasch“ aus Kamen
von zwergschatten | #18-3

die wahrscheinlichtkeit, dass jemand wie dieser prof überhaupt so gross ins geschäft einsteigen kann, ist innerhalb einer gesellschaft, die (zumindestens schon mal als anfang) cannabis legalisiert hat definitiv wesentlich geringer als in einer gesellschaft, die das nicht tut.

und da die nachfrage nun mal nicht verschwinden wird, wird das brachliegende feld bald vielleicht von einem doktor der philosophie beackert. :-) auf das man a) während des verkaufs auf steuern verzichtet, danach b) dem ganzen auf kosten von steuermitteln hinterher rennt und zur kröung c) die täter auf kosten des steuerzahlers jahrelang einsperrt. ein knasttag = 200€ bruttokosten = 730.000€ ausgabe für den prof.. ohne die mittäter, ohne entgangene steuer und ohne ermittlungsausgaben.

08.11.2012
19:26
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #17

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

08.11.2012
15:16
Zehn Jahre Haft für „Professor Hasch“ aus Kamen
von virt77 | #16

An Skriptor : Haben Sie schon mal gehört, das nach Cannabis Konsum jemand gestorben ist ?

Ausserdem wird niemand zum Konsum gezwungen. Die Nachfrage ist definitiv vorhanden und es soll auch Leute geben die damit umgehen können.

Von was für zerstörten Existenzen durch Cannabis sie hier reden, erschliesst sich glaube ich nur wenigen. Mir zumindest nicht.

Wissen Sie überhaupt was eine zerstörte Existenz ist ? Das sind z.B. Eltern, denen die Kinder durch Gewalttaten genommen werden. Und nicht das rauchen von harmlosen Joints.

Desweiteren würde mich interessieren, wie Sie dazu stehen, das es durch ALKOHOLkonsum jährlich zigtausend Tote gibt ? Oder wie Sie die durch den legalen Alkoholkonsum entstehenden Gewalttaten oder Unfälle einordnen ?? Das ist in Ordnung weil der Staat Ihnen das so "befiehlt" ???

Und ich stehe dazu : 10 Jahre sind dafür viel zu viel. Ja, es war organisiert und nicht wenig, aber die hälfte oder sogar auch ein drittel der Strafe wären durchaus angemessen.

1 Antwort
Zehn Jahre Haft für „Professor Hasch“ aus Kamen
von virt77 | #16-1

...und wenn der werte Herr sich mit Gott anreden lassen wollen würde, das ist nicht relevant.

08.11.2012
14:14
Zehn Jahre Haft für „Professor Hasch“ aus Kamen
von Skriptor | #15

Teil 2

Wenn dieser Herr Sch. dann 7-10 Jahre bekommt, so ist diese Strafe ansatzweise gerecht. Sie hätte auch höher ausfallen dürfen, da der Täter das Gesetz aus rein geldlichen Interessen und aus Kalkül gebrochen hat, bisher nicht einen Anschein von Reue zeigte und seine zahlreichen jungen Mitarbeiter sowie eine Unzahl an jungen Opfern ruiniert hat. Empathie ist hier ganz offensichtlich ein Fremdwort.

Ein Vergleich mit dem Delikt des Totschlags o.ä. ist unangemessen, da es sich um eine andere Form der Straftat handelt. Fragt man in solchen Fällen nach der Gerechtigkeit, kommen diese Schlägertypen und Kinderschänder natürlich zu oft mit einem blauen Auge davon, gerade so genannte Wiederholungstäter!

Dass Herr Sch. im Knast nur mit seinem Titel "Professor" und seinem zweiten Vornamen angesprochen werden will, spricht Bände.......

08.11.2012
14:08
Zehn Jahre Haft für „Professor Hasch“ aus Kamen
von Skriptor | #14

Teil1

Es ist erschreckend, wie hier die Droge und der Handel mit Cannabis verharmlost werden. Cannabis ist hierzulande illegal, und das zurecht. Die Höhe des Wirkstoffgehalts kann erheblich variieren und Haschisch wird von Dealern mit giftigen bzw. für den Körper schädlichen Substanzen gestreckt (Schwermetalle). In weiten Teilen Deutschlands ist kein ungestrecktes Marihuana im Umlauf. Dies schreibt selbst der Deutsche Hanf Verband (DHV) auf seiner Homepage. Was ist daran harmlos, wenn jemand den Anbau von über 300 Kilo Marihuana organisiert?

"Professor Hasch" ist der Kopf einer international operierenden Drogenbande. Wie den vielen Zeitungsberichten aus der Region zu entnehmen war, wurde seine Villa durchsucht (und eine riesige Cannabis-Plantage gefunden), nachdem sich der Verdacht auf Geldwäsche erhärtete. Zwielichtige Immobiliengeschäfte, illegaler Waffenbesitz, unrechtmäßiger Bezug von Kindergeld usw. Dieser Mann scheint doch den deutschen Staat zu betrügen, wo er nur kann!

2 Antworten
@Scriptor
von mellow | #14-1

Ist ja schon gut, Herr Saubermann. Wie wäre es mit der Gründung einer deutschen Sektion der "Tea Party"?

Zehn Jahre Haft für „Professor Hasch“ aus Kamen
von fuffzigpfennig | #14-2

Sie merken wahrscheinlich gar nicht, dass Sie hiermit die besten Argumente für eine Legalisierung geliefert haben!

08.11.2012
09:40
Zehn Jahre Haft für „Professor Hasch“ aus Kamen
von Pase_Lacki | #13

Da meinen wohl einige, der Anbau von Cannabis und der Handel mit diesem pflanzlichen Produkt muss ebenso hart (oder härter) bestraft werden, als das Verletzen oder Töten von Menschen. Traurig.

Ich bin mir fast sicher, wenn wir heute eine Volksabstimmung über die Todesstrafe machen würden, hätten die Befürworter mittlerweile die Mehrheit.

Es wird leider immer erbärmlicher hier.

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