Sportler wollen gleich behandelt werden
12.11.2010 | 17:41 Uhr 2010-11-12T17:41:00+0100
Unna. Der Ball liegt jetzt eindeutig im Feld der Politik. Der Vorschlag von Kämmerer Karl-Gustav Mölle, bei der Verteilung von 6,5 Millionen Euro für den Sport alle zum Zuge kommen zu lassen, die Bedarf angemeldet haben, stößt bei den betroffenen Vereinen natürlich auf Wohlwollen. Die SG Massen und der Stadtsportbund haben Bedenken hinsichtlich der so genannten Variante zwei.
Zur Erinnerung: Für die Sanierung des Freizeitbades und den gesetzten Neubau des Sportplatzes am Südfriedhof stehen eben 6, 5 Millionen Euro zur Verfügung. Nun ist aber das Becken des Bornekampbades hinüber (800 000 Euro), die SG Massen wünscht sich einen Kunstrasenplatz (850 000 Euro), der Königsborner SV (KSV) einen Trainingsplatz (400 000 Euro), der SSV Mühlhausen sehnt neue Umkleiden samt Vereinsheim herbei (250 000 Euro) und die Leichtathleten der Stadt warten schon seit über 20 Jahren auf eine modernere Sportanlage (700 000 Euro). Macht unterm Strich drei Millionen Euro.
Geld, das der Kämmerer nicht hat. Vorschlag eins: Es bleibt bei der alten Beschlusslage des Rates. Das Stadion wird gebaut und das Freibad saniert. Das Geld ist weg, die übrigen Vereine gucken auf Jahre in die Röhre. Vorschlag zwei: Alle bekommen was, das Freizeitbad wird für 700 000 Euro aufgehübscht.
Hartmut Ganzke, Vorsitzender der SG Massen, will auf gar keinen Fall die Planungen für einen Kunstrasenplatz mit der Diskussion um die Zukunft des Freizeitbads in Massen verquicken. Der Kunstrasenplatz sei „ein lang gehegter Wunsch des Vereins, seit vier oder fünf Jahren.“ Keinesfalls sei er als Retourkutsche für mögliche Schließungspläne für das Freibad zu verstehen, so Ganzke vor zwei Wochen. Reiner Heimeroth, Abteilungsleiter Fußball bei der SG, sagt klar: „Das Vereinsinteresse steht klar im Vordergrund. Und das ist ein Kunstrasenplatz.“ Vermutlich Ende November soll eine Machbarkeitsstudie vorliegen.
Über 20 Jahre
vertröstet
Sollte Familie Drücke dem KSV den Sportplatz an der Steinstraße ab 2012 nicht weiter verpachten, bekommt der Verein auf seiner neuen Anlage an der Steinstraße Kapazitätsprobleme. „Wenn alles in das Freizeitbad fließen sollte, kann ich das nicht gutheißen“, so KSV-Vorsitzender Heinz-Jürgen Albert. Wenn das Massener Bad zwei Jahre geschlossen habe, sei es fraglich, ob es nach der Sanierung überhaupt wieder angenommen werde.
„Wir wurden über zwei Jahrzehnte vertröstet. Immer waren andere Projekte wichtiger als die Modernisierung des Herderstadions“, sagt Johannes Freitag, Abteilungsleiter Leichtathletik beim TV Unna. Zwar sei das Bad eine wichtige Sache, aber seit langem sei es dem Verein gelungen, jugendliche Athleten zu binden, die sonst nach Dortmund abgewandert waren. „Wir haben gute Trainer, jetzt brauchen wir auch eine gute Infrastruktur“, so Freitag.
Jessica Mense, Sprecherin des Bornekampbad-Vereins, sagt: „Vielleicht muss in unserem Bad ja nicht das komplette Becken rausgebrochen werden.“ Aber der Verein brauche relativ schnell eine Entscheidung, ob die Stadt hilft oder nicht. Spätestens zur Badesaison 2012 müsste ein neues Becken vorhanden sein.
„Der Stadtsportverband wehrt sich gegen den Versuch der Verwaltung, die Frage der Schaffung moderner und bedarfsgerechter Sportstätten mit der Frage des Neubaus eines Freibades zu vermengen und gegeneinander auszuspielen“, sagt Dirk John, Vorsitzender des Stadtsportverbandes.
„Wir bringen als Verein 150 000 Euro mit, um unser Klubheim zu finanzieren“, sagt Michael Schröer, Vorsitzender des SSV Mühlhausen. Noch einmal 250 000 Euro aufzutreiben, falls sich die Politik für Variante eins entscheidet, sei völlig utopisch, so Schröer. Als erste Ratsfraktion beschäftigt sich die SPD mit dem Haushalt. Sie ist seit Freitag in Klausur.
11:57
Ich finde es unverschämt, anstatt zu sagen: Dafür ist kein Geld da die Vereine aufeinander zu hetzen.
Was bitte schön ist denn die Begründung dafür, dass der SG Massen seinen Kunstrasenplatz in den vergangenen Jahren nicht bekommen hat ? Da gab es die Pläne für das Freibad noch garnicht. Und genau so sieht es auch mit den anderen Maßnahmen aus. Jetzt alle Maßnahmen für die Vereine, die ja schon seit Jahren geplant waren und immer wieder verschoben wurden, mit den Argumenten Freibad und Herderstadion platt zu machen, ist ein Witz.
Die ganze Geschichte dient nur dazu, die Unfähigkeit der Verwaltung, bzw. der Entscheidungsträger, auch unbeliebte Entscheidungen zu treffen, zu vertuschen. Leider hat das Finanzamt die Entscheidung nicht getroffen und wahrscheinlich wird die Aufsicht auch keine treffen. Da wird lieber über die Bevölkerung/die Vereine so ein Druck aufgebaut, dass hinterher alle eine weiße Weste behalten und sich damit herausreden, man hätte ja keine andere Wahl gehabt als so zu entscheiden.
Sowas nennt sich Politik....