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Schiller geht mit "Sonne" auf Tour und probt in Werne

25.10.2012 | 15:51 Uhr
Schiller geht mit "Sonne" auf Tour und probt in Werne
Das Musik-Projekt Schiller gastierte am 16. Januar 2011 in der Bochumer Jahrhunderthalle.Foto: Stefan Reinke

Dortmund.  Das Musikprojekt "Schiller" von Christopher von Deylen belegt Platz Eins der deutschen Album-Charts. Mit seinem monumentalen Werk "Sonne" geht der Wahl-Berliner ab November auf Tournee. Den letzten Schliff bekommt die Show im beschaulichen Werne.

Wenn am 23. November Schiller mit seinem neuen Programm "Sonne" auf Deutschland-Tournee geht, ist ein entscheidender Teil der Show in Werne entstanden. Denn aus dem Städtchen im Kreis Unna stammen Licht- und Ton-Technik des Bühnenspektakels, bei dem Schiller-Kopf Christopher von Deylen sein Publikum in seine Klangwelten entführen wird.

Wir sprachen mit dem Musiker über Chart-Platzierungen, musikalische Einflüsse und darüber, warum ausgerechnet Werne der ideale Startpunkt für Schillers gigantisches Bühen-Programm ist. Das Stichwort: "positive Isolation".

Glückwunsch zu Platz Eins – wie ist es da oben?

Christopher von Deylen: Schon ganz schön. Andererseits ist es ja zu keinem Zeitpunkt meines Tuns das Ziel gewesen, dort hin zu kommen. Umso schöner, wenn es dann trotzdem klappt, aber das ist nichts, das mir jetzt wirklich viel bedeuten würde. Es ist ein Signal, dass vielen Menschen offensichtlich das gefällt, was ich mache. Das ist natürlich toll, aber ich lege es nicht drauf an.

Aber der Song „Sonne“ mit Der Graf als Sänger zielte schon auf die Charts, oder?

CvD: Überhaupt nicht. Das Lied ist ja auch von der Struktur her gar keine typische Hit-Single. Der Graf ist ein musikalischer Gast, so wie es bei Schiller viele weitere gibt. Einige sind bekannt, andere weniger. Einen Hit kann man sowieso nicht planen, ganz gleich, wer mitsingt. Es gibt keine Rezeptur. Das wäre sonst ja sterbenslangweilig.

Das Album „Sonne“ ist ein Gesamtkunstwerk. Erfüllt es dich mit Genugtuung, dass so etwas auf Platz Eins landet? Spricht es gar dafür, dass die Deutschen doch Musikgeschmack haben und mit anspruchsvolleren Werken umgehen können?

CvD: Genugtuung sicherlich nicht. Es ist auch nicht meine Aufgabe, über den Musikgeschmack der Deutschen zu urteilen. Zum Glück ist Geschmack sehr individuell. Wenn man fünf Menschen nach ihrer Meinung zu einem Song fragt, bekommt man mindestens sechs verschiedene Antworten. Das ist ja das Schöne an Musik. Genugtuung könnte ich empfinden, wenn ich es von Anfang drauf angelegt hätte, Platz Eins zu erreichen oder Erfolg zu haben.

Das Musik-Projekt Schiller gastierte am 16. Januar 2011 in der Bochumer Jahrhunderthalle. Foto: Stefan Reinke

Erfolg haben zu wollen, heißt ja, anderen gefallen zu wollen. Da kann man eine kulturhistorische Debatte beginnen. Heute legen es viele darauf an, möglichst schnell möglichst viele „Likes“ zu bekommen. Aber das ist ja nur eine Schein-Demokratie. Am Ende geht es nur noch darum, sich selbst so zu präsentieren, um möglichst geliebt zu werden. Beim Musikmachen sollte man das tunlichst vermeiden. Die Attitude, etwas zu machen, um von möglichst vielen Menschen gemocht zu werden, funktioniert nicht. Bei einigen mag das vielleicht gelingen. Ich kann das nicht besonders gut. Ich möchte authentisch sein, und das ist wohl auch das, was der Schiller-Hörer schätzt.

Das neue Album „Sonne“ klingt sehr liebevoll ausgefeilt und sorgsam produziert. Wie lange hat es insgesamt gedauert?

CvD: So ein Werk entsteht nicht durchgehend in dem Sinne, dass man jeden Tag daran arbeitet. Insgesamt waren es ungefähr 18 Monate. Das heißt nicht, dass ich jeden Tag am Mischpult gesessen habe. Zwischendurch braucht man auch Pausen, und im letzten Jahr waren wir auch viel auf Tour. Es ist aber immer gut, Pausen zu haben und mit Abstand wieder an die Arbeit zu gehen. Wie ein Maler, der ein Bild malt und es ab und zu weghängt, um es sich nach einer gewissen Zeit noch einmal anzusehen.

Also anders als eine Band, die für einen bestimmten Zeitraum ein Studio mietet und dann ein Album produziert?

CvD: Den Produktionsprozess kenne ich sehr gut, weil ich früher als Praktikant in Hamburger Studios viele Bands bei der Produktion begleitet habe. Ich finde das nicht besonders erstrebenswert, weil man allein durch den vorgegebenen Zeitraum eingeengt wird. Das war zwar immer eine sehr intensive Momentaufnahme, aber mir würde die Möglichkeit fehlen, die Dinge etwas sacken zu lassen. Bei einer Band ist das natürlich ein gruppendynamischer Prozess. Eine Band kann gar nicht anders arbeiten, die muss zusammen ins Studio, das prägt ja auch den Stil.

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