Platzverweis für Malteser
08.08.2012 | 17:00 Uhr 2012-08-08T17:00:00+0200
Unna. Konrad ist ein Sprinter. Die 50 Meter von seinem Stand auf dem Marktplatz nimmt er mit großen Schritten, sein Haar wippt im Takt. Er baut sich vor dem Passanten auf, bremst ihn ab und sagt: „Hallo, ich bin Konrad, wer bist du?“ Eigentlich ist das ganz sympathisch – wenn Konrad nicht etwas verkaufen möchte.
In den vergangenen Wochen sind die Malteser nicht nur einmal unangenehm aufgefallen. Junge Menschen, typisches Studentenalter, stehen auf der Massener Straße oder wie gestern auf dem Marktplatz und versuchen, Unnaer für eine Mitgliedschaft zu begeistern. Ihr Vorgehen erinnert an aggressives Betteln: Die Werber rennen hinter den potenziellen Kunden hinterher, rufen, stellen sich in den Weg. Ein Verhalten, das die Stadt bei Bettlern konsequent unterbindet. Hier gilt: Betteln ja, aber passiv am Rand der Einkaufsstraße.
Ein Verhalten, an das sich auch die Werber halten müssen. „Nach einigen Beschwerden haben wir gestern Mittag die Sondernutzungsgenehmigung entzogen“, sagt Stadtsprecher Oliver Böer.
Deutliche Warnung ausgesprochen
Im Ordnungsamt haben sich in den vergangenen Tagen die Beschwerden über die Werber gehäuft. Schon bei den ersten ist die Stadt aktiv geworden. „Wir haben eine deutliche Warnung ausgesprochen“, sagt Oliver Böer. Weil die offenbar nicht fruchtete, mussten die Werber gestern gegen 12 Uhr ihren Stand räumen und dürfen nicht mehr in Unna für diese Hilfsaktion werben.
Die Sprecherin der Malteser, für die die Werbeagentur in Unna unterwegs war, zeigt sich sichtlich überrascht. „Wir sind sehr zufrieden mit der Agentur“, sagt Dr. Claudia Kaminski. Der Hilfsdienst habe ein Auge drauf, wer für ihn Mitglieder und Spenden werben darf. Die müssen seriös auftreten. Deshalb werde es personelle Konsequenzen geben. Immerhin haben sich Malteser, Arbeiter-Samariter-Bund und Johanniter vor zehn Jahren einen Verhaltenskodex zur Mitgliedergewinnung auferlegt (siehe Kasten), der eingehalten werden muss.
Die Agentur heißt „Talk2Move“ (Berlin). Das Unternehmen arbeitet nur für „die gute Sache“, Kunden sind Malteser, WWF, Amnesty Internationel und SOS Kinderdörfer. „Und diese müssen wir würdevoll vertreten“, sagt Nadine Sachse, verantwortlich fürs Beschweredemanagement. „50 Meter hinterher Rennen ist verboten“, sagt sie. Wer gegen solche Regeln verstößt, dem drohen Abmahnung und Kündigung, sagt Sachse. Dafür wird den Mitarbeiter in Bewerbungsgesprächen auf den Zahn gefühlt und intensiv in Sachen auftreten geschult. Aber in Hochzeiten wie dem Sommer, sei das nicht 120prozentig möglich, schränkt Nadine Sachse ein.
Immerhin sei „Talk2Move“ um guten Kontakt mit den Städten bemüht, der Genehmigungsentzug wie in Unna eine Ausnahme. „Wir haben 1000 Fundraisings im Jahr. Die müssen erst einmal unterkommen.“
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