Krimipreis für Fred Vargas
11.11.2012 | 12:16 Uhr 2012-11-11T12:16:00+0100
Unna. Nach Henning Mankell und Håkan Nesser geht der Europäische Preis für Kriminalliteratur, Ripper Award, zum ersten Mal weder nach Schweden noch an einen Mann. Die Französin Fred Vargas erhielt am Samstag in der Stadthalle Unna den Publikumspreis zum Abschluss des Festivals Mord am Hellweg.
Kriminaltechniker sind am Samstag zum wiederholten Mal binnen acht Wochen auf internationale Spuren am Hellweg gestoßen. Die Indizienkette reicht von der Stadthalle Unna direkt nach Athen, Paris und Triest. Als Hauptangeklagte wird noch in der westfälischen Kreisstadt die Französin Fred Vargas identifiziert. Der Vorwurf: Sie lässt am schönsten morden. Literarisch wohlgemerkt. Das Urteil wird sofort gesprochen: Für ihr Lebenwerk erhält die Erfinderin von Kommissar Jean-Baptiste Adamsberg die Höchststrafe: den Ripper Award, dotiert mit 11 111 Euro.
Wenn Kunst auf Krimis trifft, dann ist Europas größtest Krimifestival "Mord am Hellweg" zu Gast im Hagener Kunstquartier. Am Freitag tauchten 250 Gäste unter dem Motto "Hellweg meets world" in eine Welt voller blutiger, fiktiver Morde ein.
Die bereits dritte Vergabe des Europäischen Preises für Kriminalliteratur krönt ein Festival namens „Mord am Hellweg“, das 2002 als Biennale startet und inzwischen zum Publikumsrenner geworden ist. Bis zum Abschluss am Samstag erreichten die knapp 200 Veranstaltungen mit 125 Autoren eine 26 000-köpfige Krimi-Gemeinde.
Dramaturgie wie bei einer Oscar-Verleihung
Die letzte Lesung mit Fred Vargas, Petros Markaris (Griechenland) und dem nach Triest ausgewanderten Veit Heinichen (Deutschland) folgt erstmals einer Dramaturgie, wie wir sie von Oscar-Verleihungen kennen. Das anwesende Trio ist für den Preis nominiert. Das Publikum darf noch die frischen Eindrücke aus Lesungen und Interviews verwerten und bis zum letzten Moment Abstimmungskärtchen ausfüllen. Nach den Tausenden zuvor bei Lesungen oder im Internet abgegebenen Stimmen sei es ein Kopf-an-Kopf-Rennen, lässt Moderatorin Marija Bakker (WDR) wissen.
Fred Vargas wirkt wieder so schüchtern wie zu Beginn ihres Interviews mit Margarete von Schwarzkopf (NDR), als sie den Ripper Award entgegennimmt. Noch einmal verwirrt sie Publikum und Veranstalter. Diesmal weder mit ihren skurrilen Figuren und Handlungssträngen noch mit den fantasievollen Interviewantworten. Sondern weil sie das Preisgeld gerne mit den beiden Schriftstellerkollegen teilen wolle. Es ist die letzte Pointe eines zweimonatigen Festivals, das unterm Strich fast schon kriminell gut gelaufen ist.
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