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Serie: Heimat 2.0

Heimatkunde zum Anfassen

28.10.2012 | 13:57 Uhr
Heimatkunde zum Anfassen
Heimatkundeunterricht an der SüdschuleFoto: Privat

Kamen. „Man kann heutzutage ja alles mögliche im Internet erledigen“, sagt Grundschullehrerin Gaby Liedtke – egal ob einkaufen, spielen, oder Filme gucken. „Deshalb sehe ich es als unsere Aufgabe, den Kindern echtes Erleben zu vermitteln und mit ihnen auch mal rauszugehen.“

Ideal dafür sei der Unterricht, der in früheren Zeiten einmal Heimatkunde hieß und seit langem schon Bestandteil des Sachunterrichts in Grundschulen ist.

Lehrplan macht Vorgaben

Dabei tasten sich die Grundschulkinder langsam von der unmittelbaren Umgebung ihrer Schule vor bis zum gesamten Stadtgebiet und darüber hinaus. Im Lehrplan gibt es dazu einige Vorgaben. So wird unter der Rubrik „Raum, Umwelt, Mobilität“ beispielsweise gefordert, dass Viertklässler mit Stadtplänen umgehen können sollten und die Strukturen ihres eigenen Lebensraumes erkunden und beschreiben. Auch die Aufgaben des Gemeinwesens sollen die Kinder kennenlernen.

Wie dies im Unterricht konkret vermittelt wird, bleibt den Lehrern überlassen. Für die Südschule und den Bekenntnisstandort Hl. Josef plant dies Gaby Liedtke zusammen ihren beiden Fachkollegen. „Wir versuchen immer, die Themen möglichst lebendig an die Kinder heranzuführen“, sagt die Lehrerin.

Das beginnt schon in den ersten beiden Klassen mit dem Erkunden der Schulwege und der Schule selbst. Auch das Kennenlernen der näheren Umgebung und des Stadtteils Südkamen gehört dazu. „Das machen wir immer mit Jahreszeitenspaziergängen“, sagt Gaby Liedtke. „Ich nehme dann eine Kamera mit, und immer, wenn die Kinder etwas Schönes sehen, mache ich davon ein Bild.“ Ob Schnee auf den Bäumen, ein zugefrorener Bachlauf, oder Blumen auf der Wiese, so lernen die Grundschüler auch die Natur kennen, wie sie sich in den Jahreszeiten verändert.

Ab der dritten Klasse blicken die Schülerinnen und Schüler dann über den Tellerrand des eigenen Stadtteils hinaus. „Welche Stadtteile in Kamen gibt es noch?“, lautet dann Gaby Liedtkes Frage. Dabei ist es der Lehrerin auch wichtig, dass die Kinder eine Vorstellung von der Entfernung bekommen. Steht also mal wieder eine Veranstaltung in der Konzertaula an, geht Gaby Liedtke mit ihrer Klasse dorthin gern zu Fuß. „So erleben die Kinder ihre Stadt, und lernen gleichzeitig Verkehrsschilder und auch Verkehrssituationen kennen.“

Den Stadtplan lesen lernen

Ein weiterer wichtiger Aspekt im dritten und vierten Schuljahr ist es, einen Stadtplan lesen zu lernen. „Das finden die Kinder immer spannend, auf der Karte zu suchen, wo sie wohnen“, sagt Gaby Liedtke. Auch zur Geschichte Kamens lernen die Kinder eine Menge. Ein Stadtrundgang und ein Besuch im Haus der Stadtgeschichte mit Gästeführerin Anja Sklorz ist dabei immer das Highlight für die kleinen Kamener. Die Führung wird vorbereitet mit Arbeitsblättern zum Stadtwappen, woher überhaupt der Namen Kamen stammt und wie es wohl gewesen sein könnte – damals im Mittelalter mit Burgmannshöfen. So lernen die Grundschüler ihre Heimat nicht nur virtuell bei Google Earth, sondern in der echten Wirklichkeit kennen.

Carmen Radeck

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