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Olympia 2012

Hartmut Weber aus Kamen verpasste zweimal Olympia

02.08.2012 | 16:11 Uhr
Hartmut Weber aus Kamen verpasste zweimal Olympia
Leichtathlet Hartmut Weber aus Kamen mit seinen alten Laufschuhen. Foto: Dietmar Wäsche/WR

Kamen.   Trainingslager in Mexiko. Nur noch wenige Monate, dann starten die Sommer-Spiele 1980 in Moskau. Fünf junge Athleten trainieren für die 4 x 400-Meter-Staffel, unter ihnen der Kamener Hartmut Weber. Das Team war damals die schnellste Staffel der Welt - dann kam das Aus.

Für die olympischen Spiele in Moskau galt die deutsche Staffel als sicherer Medaillen-Kandidat. Doch der Traum von der Olympia-Teilnahme platzte für die Läufer noch im Trainingscamp. Am 15. Mai 1980 entschied das Nationale Olympische Komitee der Bundesrepublik Deutschland (NOK) die Spiele in Moskau zu boykottieren.

Der Boykott lag schon vor Webers Nominierung für das olympische Team in der Luft. „Eigentlich waren wir nur eine fiktive Olympia-Mannschaft“, sagt Hartmut Weber. Dementsprechend gering war die Motivation im Trainingslager. „Wir haben zwar trainiert, aber der letzte Biss fehlte,“ erzählt Hartmut Weber. Auch wenn sich seine eigene Enttäuschung in Grenzen hielt – „mit meinen 20 Jahren ging ich davon aus, dass ich noch mindestens zwei Olympiaden vor mir hatte“ – war der Frust in der ganzen Mannschaft groß. „Wir Sportler wurden ja gar nicht gefragt“, sagt Hartmut Weber, „und bewirkt hat die Aktion am Ende gar nichts“.

Boykott 1980 in Moskau - Olympia-Buch zum Trost

Vor allem nicht in sportlicher Hinsicht. Der Großteil der Medaillen ging an das sowjetische Team. Als Entschädigung für die verpassten Spiele gab es für das deutsche Team Reisen nach Kanada, Tokyo und China und ein ganz besonderes Geschenk zu Heiligabend: „Vom NOK bekamen wir eine Urkunde, dass wir zur Olympia-Mannschaft gehörten und – jetzt kommt die Krönung – das Olympia-Buch 1980“, sagt Hartmut Weber und muss fast schmunzeln, wenn es nicht so zynisch wäre. „Während die Wirtschaft munter weiter machte, sollte der Sport das ganze wieder richten.“

Vor 1984 in Los Angeles war Sehne im Fuß entzündet

Die Laufschuhe mit denen Hartmut Weber vor 30 Jahren über 400-Meter Europameister geworden ist. Foto: Dietmar Wäsche/WR

In den kommenden Jahren lief Hartmut Weber zu Höchstform auf: 1982 wurde er Doppel-Europameister im Einzelrennen und in der Staffel, bei der allerersten Leichtathletik-WM 1983 Vize-Meister mit der Staffel. Dann rückten die nächsten Spiele näher und damit der nächste Tiefschlag für den Kamener Athleten. Zwar wurde er wieder für das olympische Team 1984 nominiert, doch eine entzündete Sehne im Fuß ließ Weber schon vor Beginn der Spiele in Los Angeles wieder abreisen.

Seitdem sind die Olympischen Spiele ein wunder Punkt für den heute 51-Jährigen. Die Ergebnisse der 400-Meter-Läufe will er sich zwar anschauen, meidet in diesen Tagen aber eher den Fernseher. „Ich habe zwar zwei Urkunden, dass ich Olympia-Teilnehmer war, bin aber nie wirklich dabei gewesen.“

Carmen Radeck

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Kommentare
03.08.2012
13:00
Der Mann, der zweimal Olympia verpasste
von derLerchener | #1

Kopf hoch Hartmut.......trotzdem warst du ein Vorbild für mich......und jedem, egal ob er es hören wollte oder nicht, hab stolz gesagt: Der, der da vorne läuft kommt aus Kamen!

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