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Erstes Altenheim für Ex-Junkies

04.05.2012 | 09:00 Uhr
Erstes Altenheim für Ex-Junkies
Projekt Lüsa möchte eine Gruppe für drogenabhängige Senioren einrichten: Walter (links) und Wolfgang (rechtst) könnten zu den ersten Bewohnern gehören. Foto: Henryk Brock

Unna.   Viele alte Ex-Junkies leben bei in der Wohneinrichtung des Lüsa-Projektes an der Platanenalle in Unna. Sie sind zwischen 50 und 60 Jahre alt. Damit sie in Würde alt werden können, soll ein Seniorenheim entstehen, das ihren Bedürfnissen gerecht wird.

Menschen schwirren über die Flure der alten Villa an der Platanenallee. Dort ist das Haupthaus des Landesmodellprojektes „Langzeit-, Übergangs- und Stützungsangebot“ (Lüsa), in dem 24 chronisch drogenabhängige Menschen leben. Dass viele Bewohner schon älter sind, fällt nicht auf den erst Blick. Aber einige der Menschen steuern auf das Seniorenalter zu. Deswegen plant Lüsa ein Altenheim für Ex-Junkies.

In dem dreistöckigen Haus geht es nicht gerade leise zu. Zwischendurch ruft jemand etwas lautstark über den Flur. Gespräche erfüllen die Kulisse mit einem konstanten Geräuschpegel. In der Küche schälen Bewohner und Betreuer gemeinsam Kartoffeln für das Mittagessen. Andere Bewohner putzen ihre Zimmer oder arbeiten in der Kreativwerkstatt, die in einem kleinen Nebengebäude auf dem Hof untergebracht ist. Nicht mehr für alle Bewohner ist so viel Trubel das Richtige

In der Regel leben bei Lüsa Ex-Junkies, die zwischen 40 und 45 Jahre alt sind. Das Durchschnittsalter steigt aber. Wer bei Lüsa einzieht, der hat eine lange Drogenkarriere hinter sich. Anabela Dias de Oliveira, Leiterin von Lüsa, spricht von sogenannten „Drehtürklienten“, weil von einer Therapieeinrichtung in die nächste gehen. Es sind Menschen, die meist nicht nur von Heroin, sondern auch von anderen Drogen abhängig sind. Nicht selten lebten sie viele Jahre auf der Straße, gaben ihr Geld für Drogen anstatt für Essen aus und infizierten sich durch benutzte Spritzen mit HIV oder Hepatitis.

Noch in den 1980er und 1990er Jahren hatten solche Menschen nur eine geringe Lebenserwartung. „Wer 35 Jahre alt wurde, der galt schon als alt“, sagt die Lüsa-Leiterin. Das hat sich mittlerweile geändert. So gehören auch Wolfgang Roth (58) und Walter Kerkenhoff (57) zu den älteren Semestern. Sie sind quasi die Senioren unter den Drogenabhängigen. Die beiden Männer könnten zu den ersten Bewohnern gehören, die in das geplante Altenheim einziehen. Dass sie ein Leben führen können, in dem sie nicht mehr auf Hilfe angewiesen sind, ist nicht zu erwarten, dazu sind zu tief in der Drogenszene verwurzelt. „Mit 19 habe ich mit Heroin angefangen“, sagt Walter. Auch Wolfgang kam früh zu den Drogen. „Solche Menschen brauchen ein passgenaues Angebot, um in Würde alt zu werden“, erklärt Anabela Dias de Oliveira und ergänzt: „und auch zu sterben.“.

2005 hatte Lüsa deswegen einen Modellantrag für ein Altenheim beim Sozialministerium NRW gestellt, der aber nicht bewilligt wurde. Es folgte 2006 ein weiterer Antrag auf Bedarfsanerkennung beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL). Die Umsetzungsgespräche dauern noch an. Aber schon in der Mitte des Jahres könnte das Vorhaben Gestalt annehmen. Wenn der LWL bei seinen Beratungen im Juni dem Projekt zustimmt, dann würden ein paar Monate später schon die ersten Bewohner in das Altenheim einziehen.

Behindertengerechter Neubau

Um sich auf die veränderten Lebensbedingungen der alternden Bewohner einzustellen, hat Lüsa 2008 bereits einen Neubau errichtet, weil die Vila nicht behindertengerecht ist. Das Gebäude bietet Platz für fünf Menschen. Aber die Arbeit mit den Drogenabhängigen ist immer noch darauf ausgerichtet, dass sie wieder selbstständig Leben. Das soll im Altenheim anders sein, das zum dauerhaften und letzten Zuhause werden soll. Dort sollen 14 Menschen leben, die intensive Betreuung benötigen.

David Huth


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