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Jürgen Bockermann

Elektrizität ist seine Passion

31.10.2012 | 18:09 Uhr
Elektrizität ist seine Passion

Unna. Wenn Jürgen Bockermann aus seinem Bürofenster im Stadtwerke-Gebäude oberhalb der B 1 schaute, blickte er auf die Anfänge seiner beruflichen Karriere. Er sah neben der ganzen Lippeschiene zwischen Lünen und Hamm den Turm der ehemaligen Zeche Königsborn 2/5 in Bönen. „Dort habe ich 1967 Starkstromelektriker gelernt.“ Am Mittwoch schaute der Ex-Stadtwerke-Prokurist zum letzten Mal dienstlich aus dem großen Fenster im zweiten Stock. Seit heute ist er in der so genannten Ruhephase der Altersteilzeit. „Ich dachte immer: Na, ja, einer neuer Lebensabschnitt. Aber jetzt...“ Der 59-Jährige schnauft durch, so einfach ist der Abschied dann doch nicht. Bockermann hängt an Job und Unternehmen. Schließlich hat er einiges erlebt und bewegt.

Kind des Bergbaus

Erst 1984 wechselte er zu dem lokalen Versorger. Zwischendurch hat er auf dem zweiten Bildungsweg seinen Elektro-Ingenieur gebaut. Nach dem Studium wurde er der Reviersteiger auf Monopol in Kamen. 180 Leute hatte er unter sich. „Da kam es auch schon mal vor, dass sonntags der Zechenbulli vor der Tür stand. Dann war irgendwas, und der Sonntag war gelaufen“, erinnert sich Jürgen Bockermann.

Er nennt sich selbst ein Kind des Bergbaus. Dennoch wechselte er zu den Stadtwerken. „Es tat nicht weh, aus dem Bergbau auszusteigen.“ Der Aufstieg beim Versorger ging relativ schnell. Sein erstes großes Projekt war die Ansiedlung des Kar-stadtlagers (heute DHL) in Alte Heide. „Da haben wir erst mal eine Netzanalyse durchgeführt, um zu sehen, ob wir mit dem bestehenden Netz den Riesenkomplex versorgen können.“ Ergebnis: Die Stadtwerke mussten ihr Netz auf neue Beine stellen. Zwei neue Einspeisestationen wurden gebaut. Und zwar im Indupark und an der Hansastraße. 7,2 Millionen Mark investierte das Unternehmen. Jürgen Bockermann kennt die Zahlen noch immer.

Und die Stadtwerke investierten weiter. Jürgen Bockermann war 1988 zum stellvertretenden Geschäftsführer bestellt worden. Das erste Windrad auf dem Ostenberg wurde ein Jahr später gebaut. 1991 begannen die Stadtwerke damit, Unna flächendeckend an das Gasnetz anzuschließen. „Wir haben im Jahr rund fünf Kilometer neue Gasleitungen verlegt.“ Da war die Oktoberrevolution bei den Stadtwerken bereits ein Jahr alt. So wird intern scherzhaft der Dienstantritt des neuen Geschäftsführers Christian Jänig im Oktober ‘90 genannt. Jürgen Bockermann wurde technischer Prokurist. „Jänig setzte auf Kraft-Wärme-Kopplung.“ Blockheiz-Kraftwerke in Massen (Freizeitbad) und Königsborn (Eishalle) produzierten Wärme und Strom. Die Aufgaben nahmen zu. Jürgen Bockermann bekam den Job des Prokuristen bei den Wirtschaftsbetrieben Unna. Dazu noch den Posten beim Container-Dienst Ruhr-Ost. Seit heute alles vorbei. Vorbei.

Langweilig wird’s ihm nicht. Mit Ehefrau Brigitte geht er gern auf Wanderschaft. Die Königsborner werden ihn häufiger durch den Kurpark joggen sehen. Und im Keller wird getüftelt. Energiespeicherung fasziniert ihn. „Ein Schlüssel zur Zukunft der Energieversorgung.“

Jens Schopp

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