Das aktuelle Wetter Unna 10°C
Hilfe für Behinderte

Der Service-Hund als Lebensretter

26.06.2012 | 20:26 Uhr
Der Service-Hund als Lebensretter
Christian Baran ist an Multipler Sklerose erkrankt. Ohne einen Service-Hund wie den Riesenschnauzer Auda käme der Massener im Alltag nicht mehr zurecht. Foto: Karl Dittrich

Massen.   Ohne finanzielle Förderung bildet der Massener Christian Baran Riesenschnauzer zu Service-Hunden aus. Einer hat den an MS erkrankten Mann schon einmal aus einer gefährlichen Situation befreit, als Baran gestürzt war und sich den Kopf aufgeschlagen hatte.

Auda macht es überhaupt nichts aus, dass der Auftrag kurz und knackig erfolgt. „Hol den Kaffee“, sagt Christian Baran, ohne ein „bitte“. Auda macht sich auf Weg, öffnet die Tür zum Haus, geht die Treppe hoch, in die Küche, schnappt sich den Warmhaltebecher, geht zurück aus dem Haus, schließt die Tür hinter sich und bringt das Heißgetränk. Baran (35) ist zufrieden und dankt es Auda mit einem kurzen Streicheln über das Fell. Auda ist ein Hund.

Der tierische Dienstbote trägt ein Geschirr mit der Aufschrift „Service-Hund“. Alles, was der Riesenschnauzer kann, hat ihm sein Herrchen am Wiesengrund in Massen beigebracht. Es ist die Adresse von Baran, Vorsitzender des Behindertenbeirates, der als Gesamtschüler in der Oberstufe an Multipler Sklerose erkankte und heute auf den Rollstuhl angewiesen ist.

Hilflos – Barry bringt das Telefon

Und auf Hunde wie Auda. Sein erster Begleiter namens Barry befreite ihn vor gut zehn Jahren aus einer gefährlichen Situation. Baran wachte morgens mit trockener Kehle auf, musste etwas trinken und mühte sich Richtung Küche. Nach ein paar Metern stürzte er und schlug sich den Kopf an der Türzarge auf. Sein Retter in der Not folgte aufs Wort: „Barry, bring das Telefon!“ So konnte Baran seinen Vater erreichen. Der hatte damals noch keinen Schlüssel. Auch hier half Barry: „Mach die Tür auf!“ Christian Baran sagt heute: „Wäre ich ohne Service-Hund gewesen, hätte ich Stunden lang hilflos in der Wohnung gelegen.“

Baran teilt sich sein Zuhause nicht nur mit Auda, dem fünfeinhalbjährigen Rüden, sondern auch mit Faray. Der 20 Wochen alte Hund ist Riesenschnauzer Nummer zwei und als Nachfolger für Auda gedacht. „Es ist unglaublich schön zu sehen, dass Faray schon die ersten Aufgaben erfüllt“, sagt Baran, und seine Augen leuchten. An der Seite des gesetzten Auda wird Faray allmählich an seine künftigen Dienste herangeführt. „Vor zwei Wochen hat Faray mir zum ersten Mal sein Spielzeug gebracht. Ich konnte an seinem Gesicht erkennen, wie es in seinem Kopf arbeitete, ehe er sich auf die Suche gemacht hat.“

Waschmaschine leeren, Rolli ziehen

Dass der zweite Service-Hund schon heute bei Baran lebt, hat praktische Gründe. Es darf keine Lücke entstehen, wenn Auda einmal nicht mehr kann. Baran könnte sich für den Fall auch einen ausgebildeten Hund kaufen. Das Geld (Info-Kasten) hat er als Bezieher von Grundsicherung aber nicht.

Schon das Halten der Hunde ist ohne Hilfe seiner Familie nicht denkbar. Förderprogramme oder Erstattungen durch die Krankenkasse kennt unser Gemeinwesen in diesen Fällen nicht. Und doch will Baran niemand widersprechen, wenn er sagt, dass er ohne die ständige Anwesenheit eines Hundes aufgeschmissen wäre. „40 verschiedene Dinge habe ich Auda beigebracht“, sagt er. Der Hund räumt die Waschmaschine aus, weil Baran nicht mehr so tief in die Hocke kommt. Der Hund zieht seinen Rollstuhl, wenn es zu Terminen geht. Der Hund holt die Post und die Morgenzeitung. „Auda muss dafür um die Ecke denken“, sagt Baran. Denn zwischen Post und Hund liegt – wie beim Kaffee – die Eingangstür. „Hol die Post“ heißt also: Erst zur Tür, öffnen, Post aus dem Briefkasten holen, Tür zu und ab zum Herrchen. Wow!

Volker Stephan

Facebook
 
Kommentare
Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/6813783/create

Fotos und Videos
Weitere Streiks geplant
Bildgalerie
Warnstreik
Schirme im Bus
Bildgalerie
Schirmverleih
Unna aus der Luft
Bildgalerie
von oben
Prunkstizung des RV Wanderlust
Bildgalerie
Fotostrecke
Aus dem Ressort
Kleingärtner kämpfen vereint für ihre Lauben
Unna
In die schon seit Jahren schwelende Diskussion um die Gartenlauben auf dem Grabeland an der Dorotheenstraße kommt Bewegung. Jetzt haben sich die dortigen Kleingärtner des Areals eine Struktur gegeben und den Kleingartenverein "Sonnenschein" gegründet.
Gasaustritt: Feuerwehr räumt Haus
Unna
Bei Arbeiten an einer Gasheizung ist es gestern Mittag in der Löns- straße zu einem Unfall gekommen. Eine Person kam mit dem Verdacht auf Gasvergiftung ins Krankenhaus.