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Logistikpark A2

Bagger legen alte Gräber frei

30.05.2011 | 17:26 Uhr
Bagger legen alte Gräber frei

Bergkamen.   Bagger haben auf dem Gelände des künftigen Logistikpark eine Begräbnisstätte aus dem 7. Jahrhundert freigelegt.

Kaum hatten in der vergangenen Woche Baufahrzeuge schwere Raupen die ersten Quadratmeter des künftigen Logistikparks A2 beiseite geschoben, mussten sie ihre Arbeit wieder stoppen. Sie haben im Boden frühmittelalterliche Spuren freigelegt, die die Archäologen beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe sofort aufhorchen ließen.

Erster Fund dieser Art in der Region

Nach der ersten Grobeinschätzung handelt es sich auf der Südflanke der Lüner Höhe um eine Begräbnisstätte aus dem 7. Jahrhundert, die erste, die in dieser Region überhaupt aus der Zeit gefunden wurde. Diese mutmaßliche Begräbnisstätte ist damit mindestens 100 Jahre älter als die Bumannsburg in Rünthe.

Die Schaufelbagger förderten unter anderem ein noch nicht näher identifiziertes Eisenteil zu Tage. „Um Kronjuwelen handelt es sich nicht“, betonte Technischer Beigeordneter Dr. Hans-Joachim Peters. Die Experten des Landschaftsverbands schätzen aber den wissenschaftlichen Wert dieses jüngsten archäologischen Funds in Bergkamen sehr hoch ein.

Die obere Denkmalbehörde in Münster sei auch unverzüglich von der Entdeckung informiert worden, berichtete Peters weiter. Vereinbart worden sei nach einer eingehenden Ortsbesichtigung der Experten vom Landschaftsverband , dass jetzt eine 27 300 Quadratmeter große Fläche im ersten Bauabschnitt näher archäologisch untersucht werden soll.

Der für Wirtschaftsförderung zuständige Fachdezernent Manfred Turk hält eine Verzögerung beim Fertigstellungstermin der Erschließungsmaßnahmen für den Logistikpark für möglich. Allerdings werden die Arbeiten nicht gänzlich gestoppt. Die Erschließungsstraße könne ebenso errichtet werden wie das Regenrückhaltebecken, erklärte Turk.

Einig sind sich Stadt und Landschaftsverband, dass die wissenschaftliche Untersuchung so schnell wie möglich gestartet werden soll. Klar ist inzwischen, dass die eigentlichen Ausgrabungsarbeiten an eine externe Firma vergeben wird. Oft werden sie, falls ausreichende personelle Kapazitäten vorhanden sind, von den Kräften des Landschaftsverbandes durchgeführt.

Sicher ist auch, dass die Kosten für die wissenschaftlichen Untersuchungen von der Grundstückseigentümerin, also von der Stadt Bergkamen bzw. von der Wirtschaftsförderungsgesellschaft, übernommen werden müssen. Das sei gängige Praxis, betonte am Montag der Sprecher des Landschaftsverbandes Frank Tafertshofer.

Das Interesse der Wissenschaft an dem Fund in Bergkamen ist deshalb so groß, weil nur wenig über die Zeit der Franken und Sachsen der Merowingerzeit vom frühen 5. bis 8. Jahrhundert in Westfalen bekannt ist. So gibt es keine einheimischen Schriftquellen. Seit Jahrzehnten wird deshalb auch diskutiert, ob die einheimische Bevölkerung sächsisch oder fränkisch war. Archäologen versuchen, im Boden Antworten auf diese Fragen zu finden.

Heino Baues

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