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Ramadan

15,38 Stunden ohne Getränk

26.07.2012 | 18:56 Uhr
15,38 Stunden ohne Getränk
Imam Mevlüt Buber (l.) mit Bürgermeister Roland Schäfer und Süleyman Battal.

Bergkamen. Hitze. Über 30 Grad. Dagegen hilft ein kühles Wasser oder leckeres Eis. Doch diesen Genuss versagen sich derzeit mehrere Tausend Bergkamener. Denn es ist Ramadan. Fastenzeit für Moslems. Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang dürfen sie nichts essen und trinken. So will es der Koran. Das bedeutet für den heutigen Freitag: 15.38 Minuten tapfer sein. von 5.46 bis 21.25. Uhr.

„Das geht. Das ist reine Kopfsache“, sagt Süleyman Battal, Vorsitzender der 300 Mitglieder starken Ditib-Moscheegemeinde in Bergkamen-Mitte. „Es ist schön und es macht auch Spaß“, versichert Tugba Celiktas, die eine Ausbildung in der Sonnen-Apotheke absolviert.

Hüseyin Yalcinkaya dagegen hat eine Lösung gefunden, um die lange Zeit bis zum Sonnenuntergang besser zu überbrücken. Der Kfz-Technikermeister hat mit einem Kollegen die Schicht getauscht, fängt nun erst mittags an und kann vormittags länger schlafen. Und er schaut - wenige Minuten vor Sonnenuntergang - strahlend auf eine Flasche Wasser, die vor ihm steht. „Darauf habe ich mich gefreut.“ Freude, aber keine Wehmut. Denn Hüseyin Yalcinkaya fastet genauso überzeugt wie die anderen Mitglieder der „türkisch-islamischem Ditib-Gemeinde“ in Bergkamen-Mitte.

Tagsüber wird gefastet. Abends trifft man sich mit der Familie - zum gemeinsamen Fastenbrechen und Beten. Und um 23 Uhr gibt es dann in der Moschee das Ramadan-Gebet für die ganze Gemeinde.

Fastenbrechen in der Ditib Moschee.

„Ich wünschte, wir könnten mit der ganzen Gemeinde Fastenbrechen. aber dafür reichen unsere Räumlichkeiten nicht aus“, sagt Süleyman Battal. Am Mittwochabend jedoch war die Runde, die sich in der Moschee traf, etwas größer als sonst. Der Vorstand und dessen Familienmitglieder hatten Besuch vom katholischen Bürgermeister. Der war mit seinem Sozialdezernenten und Beigeordneten Bernd Wenske, mit der Integrationsbeauftragten Juditha Siebert und zwei Pressevertreterinnen in die Moschee gekommen.

Die Begrüßung ist freundlich: „Willkommen, herzlich“, sagt Imam Mevlüt Buber. Sein Deutsch ist noch schlecht, da er erst vor acht Monaten von der türkischen Regierung als Vorbeter nach Bergkamen geschickt wurde. Dann reicht der Imam dem Bürgermeister und dem Beigeordneten die Hand. Die Frauen gehen leer aus. So will es der Koran.

Salam aleikum

Die anderen Männer in der Moschee sehen das lockerer, ein freundliches „Salam aleikum“ ist der einzige Hinweis auf eine andere Kultur. Dann wird das Gespräch auf Deutsch fortgesetzt. Allerdings ohne Schuhe. Die bleiben im Regal im Eingangsbereich.

Im Inneren ist schon eine große Tafel gedeckt. Auch das Wasser steht bereit, auf das sich Hüseyin Yalcinkaya so freut. Aber es ist noch nicht Sonnenuntergang. Den verkündet der Imam um 21.36 Uhr mit einem lautstarken Gebet. Doch ehrfürchtige Ruhe herrscht nicht. Die Männer lauschen zwar ihrem Imam, doch die kleine Tochter des Imam hüpft durch die Runde und fotografiert entzückt ihren betenden Papa, während aus allen Bereichen der Moschee Frauen herbeieilen, um das seit Stunden vorbereitete Essen zu servieren. Der Imam betet immer noch und dazu klappern die Schöpfkellen. Es gibt pürierte Linsensuppe, Datteln, Melone, Brot, Köfte, Salat, Börek, gefüllte Weinblätter, Reis, süßes Gebäck. Das Angebot nimmt kein Ende. Und es schmeckt wunderbar. Und mit der Südländern so eigenen Gastfreundlichkeit werden die Gäste immer wieder freundlich animiert, sich noch ein Stück zu nehmen. Nicht so Cemil Genc. Der verschwindet nach nach dem zweiten Gang. „Eine rauchen“, zwinkert er vergnügt. Denn auch die Zigarette ist tagsüber verboten. Das macht ihm nichts. Ab dem 18. August darf er wieder uneingeschränkt qualmen.

INFO

Es gibt sechs türkische Gemeinden in Bergkamen.

Die Ditib-Moschee-Gemeinde in Bergkamen-Mitte ist in ihren Räumen „Am Wiehagen“ sehr beengt. Man hofft, im kommenden Jahr mit dem Bau einer neuen Moschee an der Karl-Liebknecht-Straße beginnen zu können.

Claudia Behlau

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