Zweite Abreise führt in den Tod

„Zum 2. Male nach Frankreich“: Johannes Hötte aus Waldhausen starb am 14. Februar 1915 – Seite an Seite mit Fritz Brandenburg aus Sichtigvor
„Zum 2. Male nach Frankreich“: Johannes Hötte aus Waldhausen starb am 14. Februar 1915 – Seite an Seite mit Fritz Brandenburg aus Sichtigvor
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Ortsheimatpfleger Wilhelm Hecker berichtet über tragische Schicksale von Soldaten, die dem Ersten Weltkrieg zum Opfer fielen

Waldhausen..  Am 14. Februar 1915, am Aschermittwoch dieses zweiten Kriegsjahres, schreckte eine neue Gefallenenmeldung die Menschen in Waldhausen auf. Mit Johann Hötte aus Rellecken Haus an der Kapelle hatten die Fronten in Frankreich und Russland nach sechs Monaten Krieg schon den fünften Sohn des Dorfes dahingerafft.

Damit hatte Waldhausen seit dem 1. August 1914 ein Drittel der Opfer, die ihm dieser Krieg bis 1918 noch auferlegen sollte, schon erbracht. In dem Haardorf mit seinen eng beieinander liegenden Hausstätten verbreitete sich die schlimme Nachricht in Windeseile. Bestürzung und besondere Anteilnahme erfassten die Menschen, weil mit Johann die Eltern Josef und Elisabeth Hötte nun schon den zweiten Sohn verloren hatten.

Tragischer Tod

Ihr Sohn Franz war am 13. Oktober 1914 beim letzten Angriffsunternehmen seines Regiments R81, bevor die Front im Stellungskrieg erstarrte, am Bois de Ville gefallen. Auch um dessen Schicksal wand sich eine merkwürdige Tragik: Der Waldhausener war seinerzeit am 22. August 1914, als im mörderischen Gefecht von Petit Voir alle sieben Sichtigvorer und der Mülheimer Tacke von seine Kompanie umgekommen waren, als einziger aus dem Kirchspiel entkommen.

Sein Soldatenglück wünschten manche damals als gutes Zeichen für Waldhausen zu deuten. Sie mussten nicht, dass längst der erste Waldhausener, Josef Schulte aus Raschen Haus, schon am 5. August bei der Erstürmung Lüttichs gefallen war, dessen Todesnachricht allerdings erst im Oktober in Waldhausen eintraf.

Die Nachricht von Johannes Höttes Tod am 14. Februar ging den Menschen auch deshalb so nahe, weil sie ihn noch wenige Wochen vorher auf seinem Weihnachtsurlaub hatten sehen können. Weihnachten 1914 hatte er nach monatelangem Kampf in Nässe, Kälte und Schlamm erstmals seine Eltern und Heimat wiedersehen können. Mit seinem Kameraden Fritz Brandenburg aus Sichtigvor ließ er sich kurz vor seiner Abreise in den Tod abbilden. Ernst, nicht mehr die Spur des Geistes von August 1914 im Gesicht, ließen die Kameraden die vielsagende Tafel sprechen: „Zum zweiten Male nach Frankreich“.

Dort aus dem Weihnachtsurlaub zurück, wurde ihr westpreußisches Infaterie-Regiment 140 umgehend an die Ostfront, wo die Russen wieder in Ostpreußen eingedrungen waren, verlegt. In den schweren Kämpfen, die in die Winterschlacht an den Masurischen Seen mündete, fielen die beiden Kameraden Hötte und Brandenburg am 31. Januar 1915 Seite an Seite.

Gebet und Gesang

Am 18. Februar, dem ersten Fastensonntag, als Pastor Reineke in seiner Vermeldung „zum Dank für den großen Sieg in Masuren und die Befreiung Ostpreußens“ zu Gebet und Gesang des Liedes „Großer Gott, wir loben Dich“ aufrief, verkündete er gleichzeitig auch das Begräbnisseelenamt Johann Höttes für Montag, den 19. Februar.

Die durch diesen Krieg noch mehr in Trauer und Sorge versetzten Waldhausener lud der Pfarrer dann für den kommenden Mittwoch, 21. Februar, zu einem Gedenk- und Bittgottesdienst für die gefallenen und die noch im Felde stehenden Söhne Waldhausens in die dortige Kapelle ein.

Zwei Lehrer gefallen

Bis zum Waffenstillstand am 10. November 1918 sollte die kleinste Gemeinde des Amtes Warstein aber noch zehn weitere Gefallene beklagen. Aus der Familie Linkamp-Büdeker allein drei Brüder, vom Tommeshof zwei Brüder Schirk.

Ein schweres Opfer war auch der Waldhausener Schule auferlegt. Wie keine andere Schule des Amtes Warstein traf der Krieg diese einklassige Dorfschule. Gleich zu Beginn war der hier seit 1910 wirkende Lehrer Wilhelm Schäfer einberufen worden. Noch im Jahr 1914 fiel er bei Vermelles in Frankreich. Dem als Ersatz für Lehrer Schäfer eingesetzten Hubert Isenberg aus Altastenberg waren dann auch nur zwei Jahre friedlicher Schularbeit in Waldhausen vergönnt. 1916 rief ihn der Krieg in den Schützengraben, und schon ein Jahr später 1917 erfuhr Waldhausen den Kriegstod auch seines zweiten Lehrers. Nur mühsam ließ sich bis Kriegsende der Unterricht aufrecht erhalten.

Namen und Bilder gesucht

Opfer des Krieges waren nicht nur die Gefallenen, sondern auch die Hinterbliebenen und vor allem die in den Krieg gezogenen Soldaten, die zwar überlebt, aber oft Schrecken und Strapazen ohnegleichen durchlitten haben. Diese Waldhausener Weltkriegsteilnehmer konnten für das Weltkriegsbuch „Das Kirchspiel und der 1. Weltkrieg“ nur zu einem kleinen Teil ermittelt und gewürdigt werden.

Für weitere Namen und Bilder dieser Zeit ist der Arbeitskreis für Heimatpflege im Kirchspiel Mülheim/Möhne dankbar.