Zweifelhafte SMS belasten Pfarrer - Gemeinde Lippetal verlassen

Der Lippetaler Ortsteil Herzfeld von oben. In der Mitte die Wallfahrtskirche St. Ida.
Der Lippetaler Ortsteil Herzfeld von oben. In der Mitte die Wallfahrtskirche St. Ida.
Foto: Hans Blossey
Was wir bereits wissen
Jugendliche Mitglieder einer Kirchengemeinde im Kreis Soest fühlten sich durch massenhaft verschickte elektronische Nachrichten bedrängt. Der Pastor hat die Gemeinde inzwischen verlassen.

Lippetal.. Unter dem Motto „Habt Vertrauen, fürchtet euch nicht!“ hat am vergangenen Sonntag die diesjährige Wallfahrtszeit zur Hl. Ida – der Schutzpatronin der Schwangeren, Armen und ­Schwachen – in Herzfeld (Kreis Soest) begonnen.

SMS an junge Gemeindemitglieder verschickt

Nicht mit von der Partie war der Pastor der Katholischen Pfarrgemeinde St. Ida in Herzfeld und Lippborg. Er hat die Ortsteile der Gemeinde Lippetal Ende April verlassen. Zuvor war bekannt geworden, dass sich junge Gemeindemitglieder durch vom Pfarrer massenhaft verschickte elektronische Nachrichten bedrängt fühlten.

Kirche Im zuständigen Bistum Münster wird der Fall offenbar ernst genommen. Heute Abend werden Weih­bischof Zekorn und Domkapitular Köppen zu einer Gemeindeversammlung in Herzfeld erwartet. Sie wollen, so heißt es auf der Internetseite der Pfarrgemeinde, „noch einmal über den Ablauf des ­Weggangs von Pfarrer (...) und die zuvor geführten Gespräche informieren“.

Unruhe im Wallfahrtsort Herzfeld

40 000 Menschen wallfahren pro Jahr nach Herzfeld und suchen ­Zuspruch bei der Hl. Ida. Kein Wunder, dass viele Menschen in dem größten Ortsteil (etwa 3400 Einwohner) der Gemeinde Lippetal als sehr gläubig gelten und das Dorfleben auf eine harte Probe ­gestellt ist, seitdem im vergangenen Herbst Gerüchte die Runden machten, dass der Pfarrer rege SMS, E-Mails und Whatsapp-Nachrichten an jugendliche Gemeindemitglieder verschickt hat.

Internet „Viele im Ort haben zunächst gedacht, dass er über moderne Kommunikationsformen mit den jungen Leuten ins Gespräch kommen wollte“, sagt ein Gemeindemitglied gegenüber dieser Zeitung, das nicht genannt werden möchte. „Doch dann verdichteten sich die Hinweise, dass er massenhaft ­solche elektronische Nachrichten verschickt hat. Teilweise mit ­zweifelhaftem Inhalt, teilweise nachts.“ Ein jugendliches Gemeindemitglied soll fast 1000 Mails, SMS und Whatsapp-Nachrichten erhalten haben – immer wieder soll es zum Teil massiv aufgefordert worden sein, zurückzuschreiben.

Erzbistum bestätigt Fehlverhalten - aber keine anstößigen Inhalte

Der Sprecher des Erzbistums Münster, Dr. Stephan Kronenburg, bestätigt gegenüber dieser Zeitung, dass sich weibliche und männliche Jugendliche von elektronischen Nachrichten des Pfarrers bedrängt gefühlt haben. „Von der Häufigkeit der Nachrichten“, so Kronenburg.

Einladungen zu Rosenkranzgebeten

Nach Kenntnis des Bistums ­Münster habe es keine Inhalte gegeben, die als „anstößig“, „sexuell übergrifflich“ oder als „strafrechtlich relevant“ an zusehen seien. Der Pastor habe seine Adressaten zu kirchlichen Veranstaltungen wie zum Beispiel Rosenkranzgebeten einladen oder zum Geburtstag gratulieren ­wollen. „Er hat ­eingesehen, dass sein Verhalten ­unangebracht war“, so der ­Bistumssprecher, „und sich bei den Jugendlichen entschuldigt.“

Prozess Er habe es „gut gemeint“, soll der Pfarrer in Gesprächen mit dem ­Bistum, so Sprecher Kronenburg, gesagt haben. In einer Zeit, in der Kirche junge Menschen immer weniger erreiche, habe er die Kommunikation mit Hilfe zeitgemäßer Medien „sozusagen als seinen pastoralen Weg“ aufgefasst. „Er weiß, dass nicht der Effekt hätte eintreten dürfen, dass sich die Jugendlichen unter Druck gesetzt fühlen.“

Neue Pfarrstelle im Herbst

Derzeit hält sich der Pfarrer nach Kronenburgs Angaben („er ist in seiner bisherigen kirchlichen ­Laufbahn nicht auffällig ge­worden“) in einem fernen Kloster auf. Ein Kontaktversuch dort scheitert. „Er ist ab und an unser Gast“, heißt es am Telefon, „aber zurzeit ist er nicht hier.“ Im kommenden Herbst soll er eine neue Tätigkeit in einer Pfarrgemeinde im Bistum Münster über­nehmen.