Zwei Gesamtschulen wollen 2010 in Lippstadt starten
29.09.2009 | 20:00 Uhr 2009-09-29T20:00:00+0200
Lippstadt. Bei einer Gegenstimme aus Reihen der FDP hat der Stadtrat der Errichtung einer städtischen Gesamtschule zum 1. August 2010 zugestimmt. Gleichzeitig wurde dafür, im Zuge der so genannten „sofortigen Vollziehung”, die Auflösung der Wilhelmschule beschlossen.
Fachbereichsleiter Franz-Josef Brenke hielt den Politikern noch einmal ausdrücklich die Konsequenzen aus dem Errichtungsbeschluss vor Augen — nachdem es in den letzten Wochen offenbar Unruhe an einigen Schulen gegeben hat. Jeder solle genau wissen, was beschlossen werde: „Wer die Errichtung einer Gesamtschule will, muss dann Einschnitte in bestehenden Schulen in Kauf nehmen.” Denn natürlich reiche die künftige Schülerzahl nicht aus, um alles unverändert anzubieten.
Ein Automatismus ist in Gang gesetzt. Treffen wird dieser insbesondere die Wilhelmschule: Die Hauptschule wird, jahrgangsweise über einen Zeitraum von sechs Jahren, aufgelöst. Sie darf ab August 2010 keine neue Eingangsklasse mehr bilden. Gleichzeitig werden auch die Drost-Rose- sowie die Edith-Stein-Realschule Eingangsklassen abgeben. Dafür wird die neue Gesamtschule vier fünfte Klassen erhalten.
Unterkommen wird die Gesamtschule zunächst in der ehemaligen Stadtwaldschule (deren Grundstück dann wiederum an das benachbarte Unternehmen Rothe Erde verkauft wird), ab 2013/14 dann am jetzigen Realschulzentrum am Dusternweg. Die Investitionskosten dort liegen geschätzt bei rund 10 Millionen Euro.
Hauptschule wird aufgelöst
Schmerzhaft ist die Entscheidung für die 1907 gegründete Wilhelmschule, die aktuell von 456 Schülern besucht wird. Sie übernimmt schon die ehemalige Stadtwaldschule, die noch bis 2011 als Außenstelle geführt wird. Da aber die Stadt mit der Kopernikusschule auch noch eine zweite Hauptschule unterhält, gilt formell der Wunsch aus einer Elternbefragung nach einer Gesamtschule als übergeordnet, weil diese Schulform in Lippstadt bislang nicht existiert.
Bürgermeister Christof Sommer machte die Verpflichtung der Stadt deutlich, das Ergebnis der Elternbefragung umzusetzen — und er verdeutlichte die unbekannte Größe: Nämlich das tatsächliche Anmeldeverhalten der Eltern — „das ist nicht genau zu prognostizieren”. Auch wenn die Anmeldezahlen an einer Gesamtschule nicht reichen, bleibt es aber bei der Auflösung der Wilhelmschule: „Ein Auflösungsbeschluss lässt sich nicht zurückholen”, machte Franz-Josef Brenke klar. So zerschlug sich auch die Idee von Hans-Dieter Marche (BG), dass man sich vielleicht nur auf ein Jahr festlegen sollte, bis man die Anmeldezahlen kenne.
Die unbekannten Größen
Bleibt die andere ganz große Unbekannte: Parallel zur städtischen Gesamtschule im Halbtagsbetrieb bleibt die INI bei ihren Plänen für ihre eigene Gesamtschule, diese allerdings im Ganztagsbetrieb und mit stark handwerklicher Ausrichtung. INI-Vorsitzender Andreas Knapp geht ebenfalls von einer Genehmigung für das nächste Schuljahr aus, teilte er unmittelbar vor der Rats-Entscheidung noch einmal allen Politikern mit. Knapp beklagt, dass die INI-Gesamtschule bei der Schulentwicklungsplanung nicht berücksichtigt wurde und verweist auf die „drastischen Unterschiede” bei den Kosten zwischen städtischer und privater Schule. Komme die städtische Gesamtschule nicht zustande, sagte Bürgermeister Sommer, bedeute dies aber nicht, dass dann die Stadt für die Schule der INI bezahlen müsse.
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