Zutiefst berührende Eindrücke

Dr. Josef Leßmann (2. von rechts) hat Produzent Ulrich Limmer (rechts), Autor Robert Domes (2. von links) und Dr. Michael von Cranach, ehemaliger Leiter des Bezirkskrankenhauses Kaufbeuren, durch das Psychiatriemuseum geführt.
Dr. Josef Leßmann (2. von rechts) hat Produzent Ulrich Limmer (rechts), Autor Robert Domes (2. von links) und Dr. Michael von Cranach, ehemaliger Leiter des Bezirkskrankenhauses Kaufbeuren, durch das Psychiatriemuseum geführt.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Die Dreharbeiten für den Kinofilm „Nebel im August“ sind in Warstein beendet. Der Autor des gleichnamigen Buches, Robert Domes, hat den Drehort besucht und zeigt sich von den ersten Bildern „zutiefst beeindruckt“.

Warstein..  Wer in den vergangenen Tagen auf dem Gelände der LWL-Klinik in Suttrop unterwegs war, wird sich möglicherweise erschrocken haben, wenn die Darsteller und Komparsen des Kinofilms „Nebel im August“ in den Drehpausen über die Wege wuselten: Kurzgeschorene Haare, mit bleichen, blassen Gesichtern und rotgeränderten Augen boten sie einen unwirklichen Kontrast zu den heutigen Patienten.

Für Dr. Michael von Cranach, langjähriger Leiter des Bezirkskrankenhauses in Kaufbeuren, war der verstörende Anblick der (Film)Patienten Teil der perfiden Nazi-Ideologie, mit der Menschen mit Behinderungen, Auffälligkeiten und psychischen Problemen bewusst ausgesondert, ausgegrenzt und zu einem Großteil ja auch ermordet worden sind: „Man hat sie ganz bewusst verwahrlosen lassen.“

Gemeinsam mit Autor Robert Domes hat der Psychiater die letzten Drehtage besucht und sich einen Eindruck verschafft, wie der Film werden kann. Von Cranach ist dabei so etwas wie der Vater des Projektes. Er hat die Krankenakte und Lebensgeschichte von Ernst Lossa, der im Alter von 14 Jahren im August 1944 durch eine Überdosis Morphium getötet worden ist, entdeckt und sie dem Journalisten Domes ans Herz gelegt.

Dass aus dem Buch „Nebel im August“ einmal ein Kinofilm werden würde, haben beide immer gehofft. Von Cranach: „Ich habe gespürt, dass da Stoff für einen Kinofilm drinsteckt. Aber es war auch klar, dass man dicke Bretter würde bohren müssen, um das zu realisieren.“ - „Ein ganz dickes Brett“, schmunzelt Produzent Ulrich Limmer, der sich viele Jahre engagiert hat, um Geldgeber für dieses ehrgeizige Projekt zu finden.

Die Dreharbeiten in Warstein, die jetzt abgeschlossen wurden, haben Domes und von Cranach tief beeindruckt und ihnen eine Ahnung gegeben, wie ambitioniert Produzent Ulrich Limmer und Regisseur Kai Wessel den schwierigen Stoff umsetzen. Domes: „Wir haben bereits erste Szenen sehen können. Es war zutiefst berührend. Ich bin geradezu erschlagen von der Authentizität der Aufnahmen.“

Vor allem der Darsteller des Ernst Lossa, der Schauspieler Ivo Pietzcker, hat bei Domes Eindruck hinterlassen: „Was ich bisher sehen konnte, strahlt er das aus, was Ernst Lossa ausgemacht hat. Der Darsteller trägt diese ganz besondere Melancholie von Ernst Lossa in sich.“

Hohe Achtung vor dem Stoff

Für den Autor des Buches, das besonders in Schulen Erfolg hat, war es wichtig, dass nicht nur ein Film entsteht, sondern dass sich die Akteure der Verantwortung gegenüber der historischen Vorlage bewusst sind: „Der Roman ist natürlich so etwas wie mein Kind. Und mein Kind wird jetzt erwachsen.“

Dass „sein Kind“ dabei in guten, ja besten Händen ist, hat Domes bei seinem Besuch in Warstein erfahren: „Es macht mich total stolz, dass es gelungen ist, aus meinem Roman einen Film zu machen und dass man spürt, dass die Verantwortlichen eine hohe Achtung vor dem Stoff haben.“

Das geschehe - auch dank der vielen ausgezeichneten Komparsen aus Warstein - geradezu mit einem „heiligen Ernst“, versichert Produzent Limmer.