Zur Strafe geht es abwärts in die Entengrütze

Soest..  Sie hatten sich für die traditionelle Bestrafungsaktion am Großen Teich gut vorbereitet: die zahlreichen Zuschauer mit ihren Schirmen, die Malefikanten mit „Propaganda-Material“ und Scharfrichter Burkhard Schnettler, der mit schmetternder Stimme die Untaten der Angeklagten genüsslich ausbreitete. Auch in diesem Jahr lag erwartungsvolle Spannung in der Luft, als die Festwoche der Bürgerschützen Soest mit dem „Wippen“ eröffnet wurde. Das mochte auch mit der 25-minütigen Verspätung zusammenhängen, bis der großen Schützentross mit Kommandeur Thomas Carls, Bürgermeister, Bördekönigin, „Jägerken“, Schützen und Würdenträgern und -trägerinnen des Vereins endlich Aufstellung genommen hatte.

Dann aber machte Burkhard Schnettler seinem Ruf als stimmgewaltiger Scharfrichter wieder alle Ehre. Drei Missetäter mussten diesmal in die „Entengrütze“ – zur offen bekundeten Schadenfreude der Zuschauer, deren Spekulationen über die Wassertemperatur schnell ein einmütig zusammengefasst würde: „Gut, dass ich da nicht rein muss.“

Sie aber mussten rein: Julian Ibers, Soester Gastronom, der im letzten Jahr einen Regenguss nach dem „Wippen“ ausnutzte: „Da suchten alle Schutz vorm Regen, das Fachwerk war da gut gelegen./Die Leute wollten trocken sein, und Ibers ließ sie alle rein./Als das letzte Plätzchen war besetzt, hat er sich vor die Tür gesetzt,/ den Schlüssel schnell gedreht im Schloss, gefangen war der ganze Tross/Damit dies keiner mitbekam, dreht’ schnell er auf des Fasses Hahn.“ Mit dem Wasser hat es Ibers wohl auch 2015 im doppelten Sinne: Gerade als er, als Referenz für den DLRG mit einer „Baywatch“-Maske zum Sprung ansetzte, kam ein starker Regenguss. Da waren alle nass, Malefikanten und Zuschauer.

Rolf Meiberg, CDU-Fraktionsvorsitzender im Soester Rat, war der nächste, dem Schnettler die Leviten las und ihn dann vom Büttel zur Wippe führen ließ. Ihm wurde seine Freundschaft mit Dieter Hecking zum Verhängnis: „Sie hielten zusammen wie Schwefel und Pech, doch leider ging der Dieter wech./Und das kreiden wir dem Rolf schwer an, dass er nicht halten konnt den Mann.“ Und rauf musste der Politiker auf die Wippe, bewaffnet mit VFL-Schal und Fähnchen.

Turm für die Spionage

Hans Dicke, Bürgermeister in Möhnesee, war der dritte „Übeltäter“, den die Schützen für die „Bestrafung“ vorgesehen hatten. Sein Vergehen: der Bau des Turms am Südufer des Möhnesees und damit Spionage. „Hans wollt die Soester wohl bespitzeln und alles in ein Büchlein kritzeln/Damit, wenn mal Not in Möhnesee sei, er als Spion wär schnell dabei/ die Wogen dort im Nu zu glätten und grobes Lob noch einzustecken./Was hat die Neugier nun gebracht? Er hat gesehen wie man’s NICHT macht!/In Soest, das macht uns Kopfzerbrechen, kann man das Wort POLITIK nicht mal sprechen./Und doch... Für seine Hinterlist, das Urteil jetzt zu sprechen ist/ ich will nun hören keine Klage, nimm Dir zu Herzen was ich sage./Kommt Büttel, packt des Kerlchens Jacke, er muss jetzt in die Entenkacke.“ Diese Strafe meisterte das Mitglied der Karnevalsgruppe „Die Frösche“ mit Bravour. Gut behütet mit einem Strohhütchen, einem grünen Frosch im Arm und einer Riesen-Möhneseefahne stürzte er sich in die Fluten – zum mitfühlenden Gesang des Körbecker Hofstaats, der ihm mit dem Körbecker Lied Trost spendete.