Zum Wohl der Kinder kein Streik

Kleine Forscher in Aktion im Kindergarten Zwergenland in Altenrüthen.
Kleine Forscher in Aktion im Kindergarten Zwergenland in Altenrüthen.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Warstein werden die städtischen Kindertagesstätten bestreikt, in Brilon, in Lippstadt. In Rüthen nicht. Die 21 betroffenen Beschäftigten halten diesen Streik für die falsche Lösung. Katrin Biene, Leiterin des Kindergartens in Altenrüthen, erklärt warum.

Rüthen..  In Warstein werden die städtischen Kindertagesstätten bestreikt, in Brilon, in Lippstadt. In Rüthen nicht. Auch in der dritten Streikwoche, zu der die Gewerkschaft Verdi aufgerufen hatte, lief der Betrieb im „Zwergenland“ Altenrüthen, im „Tabaluga“ in Meiste und „Löwenzahn“ in Westereiden ohne Einschränkungen. Rüthen – eine Insel der Glückseligen, was die Kinderbetreuung unter städtischer Regie betrifft? Mit Sicherheit nicht. Nur halten die 21 betroffenen Beschäftigten diesen Streik für die falsche Lösung. Katrin Biene, Leiterin des Kindergartens in Altenrüthen, erklärt warum.

Zunächst, so Katrin Biene, sei es die persönliche Entscheidung jeder Erzieherin, zu streiken oder nicht. Im „Zwergenland“ sei diese Frage auch im Team besprochen worden – mit dem Ergebnis, dass sich niemand an dem Ausstand beteiligen wollte. „Ich finde Druck ist gut, aber er wird an der falschen Stelle ausgeübt“, sagt die Leiterin. Hier ginge er zu Lasten der Kinder und ihrer Eltern. Auch das Ziel hält sie für falsch. „Jeder freut sich über mehr Geld. Die Höhe des Verdienstes ist aber relativ“, gibt sie zu bedenken.

Keine Frage des Gehaltes

„Was mich wirklich frustriert, ist nicht das Gehalt“, sagt Katrin Biene, um dann auszuführen, was sie und ihre Kolleginnen wirklich bewegt. „Ich möchte mehr Fachkraftstellen haben, um die Kinder besser zu betreuen und früher fördern zu können.“ Dies ist ein Ball, der weniger an die kommunalen Arbeitgeber, mehr aber an das Land zu spielen ist. Dies gilt auch für die alltagsintegrierte Entwicklung, die die Erzieherinnen nicht nur zu fördern, sondern zu dokumentieren haben. Dafür gibt es so genannte Beobachtungsbögen, die aber erst angewendet werden dürfen, nachdem die Erzieherinnen, am besten das gesamte Team, eine entsprechende Fortbildung durchlaufen haben. „Und das während der Betrieb uneingeschränkt aufrecht zu erhalten ist – wie soll das gehen“, fragt Katrin Biene. Diese zusätzlichen Aufgaben in Kombination mit gestiegenen Anforderungen sind für sie das Hauptärgernis.

Notgruppen sind keine Lösung

Das Hauptargument gegen den Streik nennt sie gleich mit. Die Einrichtung sei den Vorgaben nach Schutz- und Schonraum mit festen Bezugspersonen für die Kinder. Im „Zwergenland“ etwa werde die sanfte Eingewöhnung nach dem Berliner Modell praktiziert. Die ersten drei Wochen sind die Eltern dabei, bis sich die Kleinen mehr und mehr an die Kita gewöhnt haben. „Da kann ich doch nicht auf Notgruppen in ungewohnter Umgebung mit ungewohnten Bezugspersonen verweisen.“ 20 Kinder sind im „Zwergenland“ in der U3-Betreuung.

Ebenso sieht Katrin Biene, die selbst dreifache Mutter ist, die Eltern als Leidtragende des Streiks. „Alleinstehende Mütter wissen sich doch gar nicht mehr zu helfen. Nicht jeder kann auf Großeltern zurückgreifen.“ Von den streikenden Kolleginnen haben die Rüthener Erzieherinnen inzwischen eine durchaus geharnischte Aufforderung bekommen, sich am Streik zu beteiligen. „Doch so wie jeder das Recht hat zu streiken, hat auch jeder das Recht auf eine eigene Meinung“, betont Katrin Biene.