Zeitzeuge einer Reise in den Tod

Prellbock wird zur Treisekapelle verlegt
Prellbock wird zur Treisekapelle verlegt
Foto: privat
Was wir bereits wissen
Mit Unterstützung des Heimatvereins Suttrop hat die LWL-Klinik das Originalgleis, von dem in der NS-Zeit Patienten abtransportiert wurden, in die Nähe der Treisekapelle verlegt. Dort soll es nun als Mahnmal dienen.

Suttrop.. Das Gleis fällt auf, irgendwie scheint es nicht auf die grüne Wiese direkt an der Einfahrt des Klinikgeländes zu passen. Das Gleis führt ins Nichts, endet nach wenigen Metern einfach. Es scheint ein merkwürdiger Ort für ein Gleis zu sein. Und doch: Es gibt keinen besseren Platz als den unmittelbar vor der Treisekapelle auf dem LWL-Klinikgelände, an dem seit gestern ein Gleis an den Beginn einer Reise ins Nichts erinnert, die für die meisten der 1576 Menschen mit dem Tod endete.

„Wir haben mit diesem Gleis einen sprechenden Zeitzeugen für die Abtransporte der insgesamt 1576 Patienten, die Opfer des nationalsozialistischen verbrecherischen Programms wurden“, erklärte Josef Leßmann, ärztlicher Direktor der LWL-Kliniken die Bedeutung des Gleises, „es handelt sich um das Originalgleis, was bisher hinter dem Maschinenhaus stand und teilweise schon längst überwuchert war.“

Von dort fuhren die Züge ab, die zwischen 1940 und 1943 Patienten aus der damaligen Provinzialheilanstalt „verlegten“ – ein Euphemismus für die systematische Tötung „lebensunwerten Lebens“, die erklärtes Ziel der NS-Ideologie war. Bereits auf der jährlich stattfindenden Gedenkfeier für diese Opfer im vergangenen November hatte Josef Leßmann den Wunsch geäußert, dass dieses Gleis samt Prellbock in eine räumliche Nähe zu der Treisekapelle gebracht werde. Dort findet die Gedenkfeier seit 1985 statt. „Jetzt wird uns hier an diesem Gedenkort ganz plastisch vor Augen geführt, was damals passiert ist“, so Leßmann.

Jederzeit zugänglich

Pflegedirektor Magnus Eggers freut besonders, dass das neue Mahnmal jederzeit zugänglich ist. „Anders als bei der Treisekapelle brauche ich mir hier keinen Schlüssel zu holen, um mich zu erinnern. Ich kann dieses Gleis jederzeit sehen und es erzeugt sofort Bilder im Kopf.“ Eine kleine Erklärungstafel soll die Gleisanlage, die genau in die Richtung weist, in die damals die Züge fuhren, noch ergänzen.

Der Aufbau des Gleises und des Prellbocks geschah mit Unterstützung des Heimatvereins Suttrop, die gestern morgen das Gleis fachmännisch montierten. „Der Kontakt zum Heimatverein in dieser Sache kam sehr früh zustande“, so Leßmann (siehe auch Interview rechts). Ein anderer Helfer meldete sich hingegen ganz spontan: Aygün Ayhan befindet sich derzeit in der Rehabilitation in der LWL-Klinik. Als er von dem Projekt hörte, bot er sich kurz entschlossen an, das Vorbereiten Gleisfläche zu übernehmen. „Jetzt kann ich sagen, ich habe einmal im Leben ein Denkmal gebaut“, meinte der gelernte Maurer gestern morgen.