Womit die regionale Landwirtschaft kämpft

Kreis Soest..  Der Mann hat vor über 2000 Jahren gelebt und gewirkt. Aber der Römer Cicero wusste damals schon, welchen Stellenwert die Landwirtschaft hat und wie man den Bauern am besten schmeichelt: „Unter den Erwerbsquellen ist keine so edel, so lieblich und so ehrenvoll für den freuen Mann als die Landschaft.“

Als der Lippstädter Bürgermeister Christof Sommer sein Grußwort an die über 500 Landwirte beim Kreisverbandstag des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes in Lippetal-Oestinghausen mit diesem Zitat schloss, brandete Beifall auf; Schließlich kann ein wenig gegenseitiges Schulterklopfen für einen Berufsstand nicht schaden, der es zunehmend schwerer hat, sich in einem komplizierter werdenden Umfeld zu behaupten und damit auch zukunftsfähig zu bleiben.

Denn genau das, so Josef Lehmenkühler, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes, werde immer schwieriger: „Denn die entscheidenden Rahmenbedingungen werden von anderen Interessengruppen beeinflusst: ideologischer Natur- und Tierschutz, Raumplanung, die öffentliche Meinung, die Macht des Lebensmittelhandels, praxisferne Agrarpolitik usw..“

Dies mache der Landwirtschaft schwer zu schaffen. Lehmenkühler: „Unsere WLV-Mannschaft und die vom Deutschen Bauernverband konnten da oft das Schlimmste verhindern oder zumindest in vernünftige Bahnen lenken.“

Ukraine-Krise mit drastischen Folgen

Konkret sprach der Vorsitzende in diesem Zusammenhang die Regeln der Agrarpolitik an, die bis 2020 festgezurrt sind, die Verabschiedung von den Milchquoten im April oder den Maßnahmenplan für das Vogelschutzgebiet Hellwegbörde.

Wie sehr die Landwirte zwischen Haar und Lippe aber auch von den Entwicklungen in der Weltpolitik abhängig seien, zeige sich etwa bei der Ukraine-Krise, die für Einige längst dramatische Auswirkungen hat: „Am Beispiel des Einfuhrstopps für Schweinefleisch nach Russland, was ja eher eine Art gewaltlose Kriegsführung ist, erkennt man, wie politische Ereignisse auf unsere Betriebe einwirken. Der Einfuhrstopp verstärkte jetzt den Schweinepreisverfall.

Ich möchte mir gar nicht ausmalen, was weitere Anschläge auf westliche Einrichtungen für Folgen für unser Wirtschaftsleben haben können“, äußerte der Vorsitzende mit Bedenken.

Klimawandel und Marktentwicklung

Wie sehr nicht nur politische Krisen Einfluss auf die Landwirtschaft nehmen, verdeutlichte Professor Dr. Frank Eulenstein vom Leibnitz-Zentrum für Agrarforschung (kurz: ZAF) in seinem spannenden und aufschlussreichen Vortrag: „Landwirtschaft im Spannungsfeld von Klimawandel und globaler Marktentwicklung.“ Aber der Wissenschaftler hatte trotz vieler bedrohlich wirkender Szenarien auch Hoffnungsvolles zu berichten.

Die veränderten Klimabedingungen werden in Mitteleuropa kein extremes Abfallen der mittleren Ertragspoteniale bedeuten: „Es ist ein deutliches Ansteigen der Erzeugerpreise durch Steigerung der weltweiten Nachfrage zu erwarten.“ Gleichzeitig aber werde es ein deutliches Ansteigen der Energiepreise geben.

Ein ganz besonderes Dankeschön galt während der Versammlung dem Warsteiner Landwirt Elmar Steinrücke für die Organisation des Tags des offenen Hofes im Juli vergangenen Jahres. „Bei tollem Wetter und super Beteiligung und Vorbereitung durch den Warsteiner Ortsverein legten wir einen Traumhoftag hin“, lobte Kreisgeschäftsführer Burkhard Schröer.