Wo sind die kurzen Wege für kleine Füße?
14.03.2011 | 17:40 Uhr 2011-03-14T17:40:00+0100
Kallenhardt / Rüthen. Elf Kinder werden zum kommenden Schuljahr in Kallenhardt eingeschult: Wegen der geringen Zahl werden sie zusammen mit dem zweiten Schuljahr in einer Klasse unterrichtet.
73 Kinder sind an der Nikolausschule für das nächste Schuljahr angemeldet worden, 62 davon (Stand heute) werden in Rüthen zur Schule gehen, elf am Kallenhardter Standort. Das Gedankenspiel, Rüthener Eltern würden ihr Kind vielleicht für die Kallenhardter Schule anmelden, weil es dort unter anderem kleinere Klassen gibt, erfüllt sich nicht: Niemand macht davon Gebrauch.
Die Zukunft der Kallenhardter Schule bleibt weiter offen. Jetzt ins Spiel gebrachte Szenarien, der Schulbetrieb könnte womöglich bereits 2013 bedroht sein, nennt Theo Markmann, Konrektor der Nikolaus-Grundschule in Rüthen, „alles Rechenspielereien, die wir nicht beeinflussen können“. Er bestätigt, das es im kommenden Schuljahr in Kallenhardt einen jahrgangsübergreifenden Unterricht von Erst- und Zweitklässlern geben werde.
„Nicht auf Rosen gebettet“
Nein, „die Kallenhardter Schule ist nicht auf Rosen gebettet“, meint Bürgermeister Peter Weiken angesichts der Schülerzahlen: Diese zeigten die Schule als „Wackelkandidaten“. Erhalten werden könnte die Schule nach seiner Einschätzung auf Dauer nur, wenn die Landesregierung Ernst machen würde mit ihrem Versprechen von „kurzen Wegen für kleine Füße“.
Tatsächlich aber würde die Landesregierung mit ihrer realen Politik dem Versprechen widersprechen: Diese sieht laut Erlass eine Klassenbildungsstärke von mindestens 18 Schülern vor – und dies sei nur an zentralen und großen Standorten möglich. Weiken appelliert, in ländlichen Regionen von der Zahl 18 abzugehen, um kleinere Schulen erhalten zu können. Das würde aber auch die Notwendigkeit von mehr Personal bedeuten: „Das wäre die Lösung für uns“, so Weiken. Dank einer Ausnahmegenehmigung des Schulamtes sind derzeit 15 Kinder in der ersten Klasse der Kallenhardter Grundschule: Diese Ausnahme wird allerdings, das hat das Schulamt angedeutet, nicht verlängert.
Über Geschwindigkeit überrascht
Zu Worte gemeldet hat sich Dr. Franjo Grotenhermen für den Montessori-Elternverein Rüthen: „Angesichts von Äußerungen verantwortlicher Personen aus dem letzten Jahr mit Garantiezusagen für einen Schulbetrieb bis mindestens 2015 bin ich über die Geschwindigkeit dieser Entwicklung allerdings überrascht“, schreibt er in einem Rundschreiben an die Mitglieder des Stadtrates. Eine Schließung der Kallenhardter Schule sei aber absehbar, „wenn nicht entschiedene Maßnahmen ergriffen werden“.
„Möglicherweise nicht unschuldig“ seien daran die Gegner einer Umwandlung der Schule in eine Montessori-Grundschule, „auch wenn viele in guter Absicht gehandelt haben mögen“. Es sei eine Chance vertan worden, meint Grotenhermen mit dem Wissen von heute. Er hofft weiter, dass die Eltern in Rüthen mit der Gründung einer Montessori-Grundschule mehr Wahlmöglichkeiten erhielten.
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