Wo gesägt wird, regnet es Späne

Mühlentag am Sägegatter Niederbergheim
Mühlentag am Sägegatter Niederbergheim
Foto: Elisa Sobkowiak
Was wir bereits wissen
Ordentlich Späne fielen am Pfingstmontag beim Mühlentag am historischen Sägegatter der Heimatfreunde Niederbergheim. Gezeigt wurde, wie vor 100 Jahren Bretter gesägt wurden.

Niederbergheim..  Den Riementrieb fetten, den Elektromotor anwerfen – hören und staunen: Wenn an der Radtrasse, die von Belecke zum Möhnesee führt, ein historisches Sägegatter aus dem Jahr 1922 angelassen wird, ist das allen Grund wert, sich das einmal aus der Nähe anzuschauen.

Zwar machte das regnerische Wetter den Heimatfreunden Niederbergheim am Pfingstmontag, dem traditionellen Mühlentag, einen kleinen Strich durch die Rechnung, doch konnte das „technische Denkmal“ dennoch einige, mit Regenschirmen bewaffnete Neugierige anlocken.

Eichenstämme für die Säge

Passend zur Vorführung des Gatters lagen zwei stattliche Eichenstämme bereit, die die Heimatfreunde hatten retten können – eigentlich waren sie als Brennholz vorgesehen gewesen. So dienen sie einem interessanteren Zweck.

Des Öfteren fertigen die Mitglieder des Heimatvereins beispielsweise Tische oder Bänke mit Hilfe des Horizontalgatters an, erzählten Martin Köhler und Jürgen Schröder, die sich in den vergangenen Jahren intensiv mit dem Gatter beschäftigt haben und nicht selten Wanderern und Radfahrern, die auf der Radtrasse vorbeikommen, die Funktionsweise des historischen Sägegatters vorführen.

„Jahrzehntelang galt das Horizontalgatter als modernste Verarbeitungsmaschine in allen Sägewerken in Niederbergheim“, so heißt es auf dem Informationsschild des Geräts von der Firma Meyer und Schwabedissen aus Herford; der Heimatverein Niederbergheim rettete das Gatter vor der Verschrottung, stellte die Funktionsfähigkeit wieder her und nahm es 1975 wieder in Betrieb – bis heute.

Es war schon beeindruckend zu sehen, wie sich die Kraft der dröhnenden Motoren durch den Riemenantrieb auf das Schwungrad des Gatters übertrug, sich dann durch eine Pleuelstange die Säge immer schneller in Bewegung setzte und die Zähne des in dem Gatterrahmen eingespannten, riesigen Sägeblatts begannen, sich erstmals durch das harte Holz des Eichenstammes zu fressen.

Mit Sägespänen bestäubt

Immer weiter wurde der Baumstamm, der mit Hilfe starker Klauen auf einen auf Schienen laufenden Schlitten gespannt war, durch die Säge gezogen, bis schließlich unter lautem Kreischen ein komplettes Brett abgesägt war. Ein wenig in Deckung gehen mussten die interessierten Zuschauer, denn nun sprühte es nicht mehr nur Nieselregen von oben, sondern auch Sägemehl und -späne von der Seite.

Um die enormen Kräfte von Säge und Baumvorschub aufeinander abzustimmen, war viel Fingerspitzengefühl von Martin Köhler erforderlich, der die Maschine bediente. Beim Schneiden der rund sechs Zentimeter dicken Bretter wurde deutlich, wie präzise auch die Technik des Sägegatters sein muss. So musste beispielsweise ein neues, frisch geschliffenes Sägeblatt montiert werden.

Gut für die technikinteressierten Zuschauer, denn so konnten diese auch einen Blattwechsel beobachten. Im Laufe des Tages nutzten noch einige weitere Neugierige die Gelegenheit, bei den Arbeiten der Heimatfreunde zuzuschauen und Fragen zu stellen.