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Wo der Efeu innen wächst

02.09.2010 | 16:26 Uhr
Wo der Efeu innen wächst
Andere Städte machen es Lippstadt längst vor: Nun soll Lippstadt ab 2011 auch ein Bürgerbüro bekommen.

Bürgermeister Christof Sommer ist es leid – nicht nur, weil ihm neulich noch ein Amtskollege beim Besuch im Stadthaus mitleidig gesagt habe, hier „in Lippstadt sei keine artgerechte Haltung möglich“.

Sommer macht keinen Hehl daraus: Die Arbeitsbedingungen der Verwaltung in dem arg in die Jahre gekommenen Stadthaus seien miserabel und ineffizient. In einem Zimmer hätte schon der Efeu innen beseitigt werden müssen. Zudem ist die Verwaltung insgesamt auf fast 20 Standorte verteilt. Sommer macht ein altbekanntes Fass wieder auf: Die Frage eines Neubaus oder einer Erweiterung des Stadthauses. Er wirbt dafür, dass die Politik sich dieses Themas wieder annimmt – zuletzt hatte die sich für eine Erweiterung ausgesprochen; irgendwann, wenn das Geld wieder dafür da sei. Sommer will allerdings eine raschere Lösung. „Der jetzige Zustand wird von Woche zu Woche schlimmer“, sagte er bei einem Pressegespräch: „Es muss irgendwas passieren. Inzwischen wird es peinlich, wenn man Gäste hat.“

Wenn es fachlich und wirtschaftlich vertretbar und ein entsprechendes Grundstück vorhanden sei, dann müsse auch noch einmal über einen Neubau nachgedacht werden, meinte der Bürgermeister – eine Verwirklichung etwa auf dem brach liegenden Uniongelände ist für ihn da durchaus vorstellbar.

Bis zu einer großen Lösung über die Zukunft der Stadtverwaltung wird es eine kleine Lösung geben, mit der Sommer ein anderes Problem beseitigen will, nämlich die Bürgernähe auszuweiten und den Publikumsverkehr an einer Stelle zu bündeln: „Ich will ein Bürgerbüro jetzt haben.“ „Jetzt“ bedeutet eine Umsetzung in 2011. Verwirklicht werden soll das Bürgerbüro im bestehenden Stadthaus – für Sommer eine „gute Übergangslösung“, aber eben (wegen der fehlenden großen Lösung) auch nicht optimal: So müssen die Dienstleistungen des Kreises in Lippstadt, etwa die Zulassungsstelle, im neuen Bürgerbüro außen vor bleiben, mangels Platz und mangels Parkplätzen.

Deutlich stellte sich der Bürgermeister hinter die Pläne, ein Kombibad in Lippstadt zu verwirklichen. Schließlich seien das bestehende Frei- und Hallenbad abgängig. Lippstadt sei „umzingelt“ von Sole- und Spaßbädern, da benötige die Stadt eine eigene „bedarfsgerechte“ Lösung für die Schul-, Sport- und Freizeitnutzung. Sommer räumte ein, dass für das Projekt noch geworben werden müsse, weil es „einen Haufen Bürger“ gebe, die sagten, Lippstadt brauche kein Kombibad.

„Deutlich gestärkt“ sieht Sommer den Handelsstandort Lippstadt, etwa durch die Ansiedlung von H & M und den Ausbau des Modehauses Lott. Der Bürgermeister beobachtet zudem einen Trend zurück zum Wohnen in der Altstadt, und das qualitativ hochwertig. Beim geplanten Fachmarktzentrum Südertor-Ost erwartet er noch in diesem Jahr den Durchbruch bei den Verhandlungen mit dem Investor. Beim noch größeren Einkaufsmarktprojekt am Güterbahnhof werde derzeit noch juristisch geprüft, ob die Stadt das Vorhaben tatsächlich europaweit ausschreiben muss. Wie berichtet, würde sich die Verwirklichung dadurch erheblich verzögern. Ein klassisches Mall-Center lehnt Sommer ab: Lippstadts Einkaufsqualität machten vielmehr die inhabergeführten Geschäfte aus.

„Sorgenkind“ ist für Sommer das Woolworth-Gebäude – in der allerbesten Lage an der Lange Straße gelegen, aber in einem Zustand der 70er Jahre: „Das schreit nach Veränderung.“ Er hofft auf Bewegung seitens der Finanzinvestoren als Eigentümer, das Gebäude endlich aufzuwerten.

Jürgen Kortmann

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