„Wir kämpfen bis zur letzten Patrone“

Unter anderem wegen eines Hitler-Grußes musste sich ein Warsteiner vor dem Amtsgericht verantworten.
Unter anderem wegen eines Hitler-Grußes musste sich ein Warsteiner vor dem Amtsgericht verantworten.
Foto: dapd
Unter anderem wegen eines Hitlergrußes - ausgerechnet auf einem Kinderspielplatz - musste sich ein Warsteiner vor Gericht verantworten.

Warstein..  Mit einem „Hitlergruß“ und der Aussage „Sieg heil! Wir kämpfen bis zur letzten Patrone“ fiel im September 2014 ein 34-jähriger Warsteiner auf dem Spielplatz St. Poler Straße auf. Das brachte ihn am Dienstag vor das Amtsgericht, wo er sich unter anderem wegen der „Verbreitung von Propagandamitteln verfassungswidriger Organisationen“ verantworten musste.

Jeder eine Flasche Wodka

Er habe dort mit einem Kollegen getrunken, „jeder eine Flasche Wodka“, berichtete der Angeklagte vor Gericht, zudem drei Flaschen Bier. Man habe sich über verschiedene Filme unterhalten. Und dabei habe er auch die Hand hochgehalten und die Ausdrücke gebraucht – „aber mehr unter uns“. Allerdings war jemand mit Kindern auf dem Spielplatz – und der meldete das der Polizei. „Dass das nicht richtig war, war logisch“, meinte der Angeklagte.

Doch das war nicht der einzige Punkt, der in Warstein verhandelt wurde. Bedingt durch sein Alkoholproblem bekam es der Mann wiederholt mit der Polizei zu tun, die den randalierenden Mann auch schon mal ruhig stellen musste, was der mit unflätigen Ausdrücken gegenüber Beamten und Pflegern quittierte. Zu einigen der Taten konnte der Angeklagte mangels Erinnerung nichts mehr sagen.

Tabletten genommen

Im Oktober habe er die Polizei gerufen, weil er Tabletten genommen habe, um sich das Leben zu nehmen. Die Beamten kamen, brachten ihn aber nicht zur LWL-Klinik, sondern wollten ihn zur Wache nach Lippstadt fahren. Auf dem Weg dorthin wurde der Mann aggressiv und wehrte sich trotz Fixierung. „Da ging es hinten rund“, berichtete ein Polizist als Zeuge. Die Beamten seien zudem beleidigt und bedroht worden. Der Angeklagte hatte von diesen Vorkommnissen nichts mehr in Erinnerung.

Er habe bis Januar 2014 eine Alkohol-Therapie absolviert, später habe er aber wieder angefangen zu trinken: „Da ist so viel passiert...“ Eigentlich habe er nur Bier getrunken, aber bei Schnaps sei sein Verhalten schlimmer gewesen. Inzwischen trinke er nur noch Bier, habe ein Gespräch, um in die LWL-Tagesklinik aufgenommen zu werden – und sogar ein Vorstellungsgespräch bei einer Zeitarbeitsfirma. Er wolle an seinen psychischen Problemen (Borderline, posttraumatische Belastungsstörungen und Depression) arbeiten.

Tagesstruktur durch Strafe

Staatsanwalt Wolf war wichtig, dass der Angeklagte eine Tagesstruktur bekommen. Er forderte eine Bewährungsstrafe von insgesamt sechs Monaten und 250 Sozialstunden. Die können später umgewandelt werden, wenn es mit der Arbeit klappt.

„Wir wollen Ihnen noch mal eine Chance geben“, betonte auch Richterin Schmidt-Wegener, und mit Blick auf weitere Vorstrafen: „Aber wohl die letzte Bewährungsstrafe. Irgendwann ist auch mal gut“. Weitere Hilfsangebote dürfe er nicht mehr abbrechen.

EURE FAVORITEN IN DIESER STUNDE