„Wir haben es anders gemacht, nicht besser“

Beim Wiedersehen erzählt Friedel Sprenger von seiner Zeit als Ortsvorsteher.
Beim Wiedersehen erzählt Friedel Sprenger von seiner Zeit als Ortsvorsteher.
Foto: WP
Das ehemals jüngste Mitglied der Ortsunion Sichtigvor Friedel Sprenger erinnert sich an die erste Zusammenkunft des Rats der neuen Stadt Warstein vor 40 Jahren. Langweilig ist dem früheren Ortsvorsteher nie und bei der nächsten Wahl will er noch einmal aktiv werden.

Sichtigvor..  Über viele Jahre hinweg hat Friedel Sprenger das Leben in Sichtigvor als Ortsvorsteher geprägt. Von 1975 bis 2009 war der CDU-Politiker und aktive Karnevalist als Ortsvorsteher im Amt. Bis dahin noch ständig auf Achse, wurde es anschließend ruhiger um ihn.

Im Interview mit der WESTFALENPOST verrät der 72-jährige Sprenger, wie sein Leben heute aussieht.

Herr Sprenger, ist Ihnen manchmal langweilig?

Friedel Sprenger: Nein, ist es nicht. Ich habe vier Enkelkinder, von denen drei in Sichtigvor wohnen. Mit denen habe ich mich immer gern beschäftigt – besonders in den ersten Lebensjahren.

Wie sieht es mit Hobbys aus?

Ich besitze ein großes Grundstück und einige Morgen Wald. Da gibt’s immer viel zu tun. Ich habe früher in meiner knappen Freizeit Brennholz für Freunde und Familie gemacht. Gerade zum Wechsel damals hatte ich einen Bandscheibenvorfall. Da ging das nicht mehr. Mittlerweile ist es wieder besser.

Wie hat sich Ihr Leben nach 2009 denn generell verändert?

Es ist schon eine Umstellung, wenn das Telefon auf einmal nicht mehr schellt. Das vermisst man dann schon. Früher war ich jeden Abend unterwegs, heute kann ich auch gut mal zu Hause bleiben. Ich hab’ mich dran gewöhnt.

Und die Familie ist froh?

Die sind schon ganz zufrieden. Es gibt ja Leute, die dann plötzlich zu Hause anfangen, in jeden Topf gucken. Das habe ich nie getan.


Haushalt und Küche sind überhaupt nicht mein Ding.

Gibt es etwas, das sie vermissen?

Alles zu seiner Zeit. Ein Höhepunkt war sicher die 350-Jahr-Feier in Sichtigvor mit der zweijährigen Vorbereitungsphase. Aber das kann man nicht wiederholen.

Okay, anders: Was vermissen Sie nicht?

Das wäre ja was, das ich ungern gemacht hätte. Aber ich bin froh, das alles mitgemacht zu haben.

Dann könnten Sie ja auch nochmal politisch aktiv werden.

Wenn man irgendwo aufgehört hat, soll man nicht wieder anfangen. Die Leute kennen meine Einstellung dazu. Manchmal ruft aber noch jemand aus der Fraktion an und fragt, wie wir die Dinge früher so geregelt haben.

Und wie?

Die Zeiten haben sich seit damals einfach geändert. Wir haben es früher nicht besser gemacht, sondern eben anders.

Was steht denn in den nächsten Jahren noch an?

Ich würde gerne nochmal als Wahlhelfer einspringen, um den Leuten zu zeigen, dass man ruhig mal einen Sonntag für die Demokratie opfern kann. Außerdem organisiere ich zusammen meinem CDU-Kollegen Helmut Fröhlich seit vielen Jahren die Studienfahrt der Ortsunion. Das werde ich auch weiterhin machen. Dieses Jahr geht es zum Beispiel nach Dresden. Ansonsten jährt sich am 16. Mai der Termin der ersten Zusammenkunft des Rats der neuen Stadt Warstein zum 40. Mal. Damals war ich das jüngste Mitglied. Ich möchte gerne alle noch lebenden Ratskollegen einladen.