Windpark für alle Warsteiner oder Erpressungsversuch?

Windräder im Wald
Windräder im Wald
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Was wir bereits wissen
Die neu gegründete GbR der Waldbesitzer setzt bei den Windkraftplänen für die Allagener Mark auf Vertrauen, doch einige Politiker reagieren kritisch.

Warstein..  Augenhöhe, Miteinander und Vertrauen – Worte wie diese prägten die Info-Veranstaltung, in der sich die Waldbesitzer, die zwischen Allagen und Hirschberg Windräder aufstellen wollen und dafür eine GbR gegründet haben (wir berichteten), am Montagabend den Warsteiner Politikern vorstellten. Als fairer und verlässlicher Partner inszenierten sich die Waldbesitzer, größtenteils Landwirte von der Haar. „Wir möchten eine Windnutzung für alle Warsteiner Bürger“, sagte etwa Franz-Josef Schmieding, einer der Geschäftsführer der GbR, „möglichst viele Warsteiner sollen bei uns investieren.“

Die vier Geschäftsführer – neben Schmieding auch Ulrich Windhüfel, Heinrich-Wilhelm Tölle und Norbert Gröbblinghoff – erkannten „natürlich auch Konfliktpotenzial“. „Wir können nicht alles ändern“, räumte Schmieding ein, „aber durch die Ortsnähe können wir mit allen zusammenarbeiten und Probleme vermeiden.“ So wüssten die Waldbesitzer, wie die Anlagen bestmöglich verteilt werden könnten. „Von wertvollen Biotopen entfernt, in der Nähe von Zuwegungen und da, wo Wind weht“, nannte Heinrich-Wilhelm Tölle die Grundsätze.

Tölle versicherte, dass die Windkraftanlagen – vorbehaltlich eines Gutachtens passen zwölf bis 15 Windräder auf die Fläche – in den Ortschaften nicht zu hören, wohl aber zu sehen sein werden. „Da will ich nichts schön reden, das Landschaftsbild wird beschädigt.“

Landschaftsbild beschädigen

Bis zu 600 000 Euro an Gewerbesteuern könnte ein Bürgerwindpark in die städtischen Kassen spülen, verkündete Tölle, der andeutete, dass die GbR etwa das nötige Artenschutzgutachten mit 100 000 Euro Risikokapital selber finanzieren würde – „wenn die Politik nicht auf der Bremse steht“.

Die Waldbesitzer sind überzeugt, dass sich die Stadt den Windkraft-Planungen ohnehin stellen muss. „Wenn wir das nicht machen, kommt ein großes Unternehmen, auf das die Warsteiner dann keinen Einfluss mehr haben“, sagte Franz-Josef Schmieding. „Die Veranstaltung ist eine Hoffnungs-Veranstaltung“, ergänzte Tölle, der sich daraufhin den Vorwurf erpresserischer Methoden gefallen lassen musste.

Die grundsätzliche Diskussion über Windräder im Wald wollte Tölle gar nicht erst eröffnen, „wir wollen nur Möglichkeiten zeigen.“ 2016 sollen sich nach den Wünschen der GbR-Geschäftsführer die Windräder zwischen Allagen und Hirschberg drehen. Vorher müsste die Politik beschließen, Vorrangzonen in diesem Bereich auszuweisen.

Außerdem müssten die Kritikpunkte abgearbeitet werden, die die Stadt gegenüber der Bezirksregierung geltend gemacht hat. Denn vor wenigen Wochen hatte der Stadtentwicklungsausschuss noch eine Stellungnahme beschlossen, in der die Ausweisung einer Vorrangzone im Wald deutlich kritisiert wurde, weil die Auswirkungen zu wenig erforscht sein. „Bevor eine Vorrangzone ausgewiesen wird, muss geklärt werden, ob die Fläche geeignet ist“, betonte Stadtplaner Meinolf Kreggenwinkel gestern gegenüber der WP, „da wird man richtig Geld in die Hand nehmen müssen.“