Willkommenskultur für Flüchtlinge schaffen

Die Stadt Warstein informierte über die aktuelle Situation bei den Asyl-Zahlen und warb bei den Bürgern, sich zu engagieren.
Die Stadt Warstein informierte über die aktuelle Situation bei den Asyl-Zahlen und warb bei den Bürgern, sich zu engagieren.
Foto: Manfred Böckmann / WP
Was wir bereits wissen
Warstein muss damit rechnen, weitere Flüchtlinge aufzunehmen. Die Stadt möchste die Bürger eiinbinden, um den Asylsuchenden eine Willkommenskultur zu bieten.

Warstein..  Wenn es so kommt, wie es viele befürchten, steht Warstein vor einem Flüchtlingsproblem: Nachdem die Zahlen über viele Jahre konstant geblieben sind, steigen die Werte inzwischen wieder deutlich. Warstein möchte ihnen mit einer Willkommens-Kultur begegnen.

„Viele sind bereit, mitzumachen“, glaubt Bürgermeister Manfred Gödde. In einer Informationsveranstaltung im Forum des Gymnasiums informierte die Stadt über die aktuelle Situation und warb gleichzeitig darum, mitzuhelfen, damit die Asylsuchenden in die Gemeinde integriert werden. Dazu trägt bereits jetzt bei, dass viele (vor allem Familien) in privaten Mietwohnungen untergebracht sind. Das sei aktuell in 54 Fällen so, erläuterte der Bürgermeister, dort werde das nachbarschaftliche Miteinander gepflegt.

„Menschenwürdig empfangen und menschenwürdig unterbringen“, das ist das Motto, das der Bürgermeister vorgibt. „Es gibt zwar solche und solche Menschen“, so Gödde, aber man dürfe niemanden vorverurteilen. Hilfe sei angesagt. Und da sei es sinnvoll, die Aufgaben vorher zu koordinieren, damit klar ist, wer was machen.

Josef Pieper, Leiter des Sachgebiets Soziales, Schule, Sport, erläuterte die Situation in Warstein. Dort seien aktuell 160 Menschen im Asylverfahren zugewiesen, drei mehr als zum Jahreswechsel und sogar 81 mehr als ein Jahr zuvor. Viele Jahre hatte der Wert um etwa 70 gependelt. Warstein hat damit 94 Prozent seines Solls erfüllt – wobei der Wert „dynamisch“ sei, so Pieper: Gibt es mehr zuzuweisende Asylsuchende, muss auch Warstein mehr aufnehmen. Und das teilweise schnell: „Die Vorlaufzeit liegt teilweise bei nur 24 Stunden.“

Die Stadt hat zwei Übergangsheime (ehemalige Schule in Niederbergheim und in der Von-Möller-Straße). 98 Personen sind dort untergebracht, die theoretische Kapazität liegt bei 126. Theoretisch deshalb, weil die Stadt versucht, Nationalitäten gemeinsam unterzubringen – und auch eine Familie soll alleine leben können. In städtischen Mietwohnungen (vier Objekte) können 40 Personen untergebracht werden, acht leben dort aktuell. Und in privaten Mietwohnungen (derzeit 32) sind 54 Personen untergebracht.

Diese dezentrale Unterbringung ist der Stadt wichtig. Zeichne sich ab, dass das Verfahren mehrere Monate laufen werde, versucht die Verwaltung auch weiterhin, die Betroffenen möglichst in privaten Mietwohnungen unterzubringen: „Ein weiteres Übergangsheim ist nicht geplant“. Wichtig: Mieter der privaten Wohnungen ist der jeweilige Asylant, bei der Miete (zahlt die Stadt) wird darauf geachtet, dass die Grenzen eingehalten werden, die später gelten, wenn die Flüchtlinge dauerhaft bleiben können.

Lebenspraktische Dinge

Das ist das Grundgerüst. Wichtig seien aber auch die „lebenspraktischen Dinge“, die die Asylsuchende benötigen. Da sollte man ansetzen, so Pieper, da sei Hilfe von möglichst vielen Freiwillige sinnvoll und nötig. Dazu wiederum sei eine Vernetzung auf Ortsebene wichtig. Es muss Ansprechpartner und Koordinatoren geben. Vielleicht einen „Runden Tisch“.

Wer macht mit? Eine Liste, später eine zweite, ging durch die gut gefüllten Reihen im Forum, in die sich Interessierte eintragen konnten, um später noch einmal für weitere Absprachen eingeladen zu werden. „Eine optimale Organisation ist nicht möglich“, meinte Pastor Volkert Bahrenberg, aber Hilfe gleichwohl gewünscht. Er wünschte sich bis zu fünf Personen pro Ort, die eine Patenschaft übernehmen. Etwa Telefonate führen oder die Asylsuchenden bei Behördengängen begleiten sollen. „Das Engagement darf auch ganz klein sein“, warb Bahrenberg.

Sprachangebote vor Ort schaffen

Zugleich wünschte er sich Sprachangebote für die Flüchtlinge: „Dafür sollte man Geld in die Hand nehmen.“ Angeboten werden sollte der „für jeden, der will – das wäre fantastisch.“ Auch Bürgermeister Gödde sieht dies ähnlich, um die Sprachbarriere abbauen zu können. Gerrit Greiß warb dabei ausdrücklich darum, dass der Kursus in Warstein stattfinden solle, damit keine Busfahrten nach Soest nötig würden. Es gebe da auch einen Fördertopf des Erzbistums Paderborn... Außerdem zahlt das Land Geld für die soziale Betreuung.

„Das wichtigste ist, das die Menschen Freunde finden. Wir haben unsere besten Freunde unter den Flüchtlingen“, stellte Karl Spiekermann aus Waldhausen heraus, der im Flüchtlingsverein „Verein für Familienfürsorge“ aktiv und überörtlich bekannt ist: „Man bekommt sehr viel zurück von diesen Menschen“, warb auch er um ein Mitmachen: „Es lohnt sich, sich zu engagieren“.