Wie Hannibal, nur mit dem Fahrrad

Theo Schäfer überquert die Alpen mit dem Fahrrad
Theo Schäfer überquert die Alpen mit dem Fahrrad
Foto: Tanja Frohne
Was wir bereits wissen
Der Warsteiner Theo Schäfer legt täglich 50 bis 130 Kilometer zurück, um über die Alpen zu kommen. Für Besichtigungen bleibt dabei wenig Zeit.

Warstein.. Eine Alpenüberquerung – das, was schon Hannibal und seine Elefanten vor ungeahnte Herausforderungen stellte, mag man sich mit dem Fahrrad überhaupt nicht vorstellen.

Theo Schäfer aus Warstein hat diese Tour gemeistert, wie schon viele lange Fahrten, die ihn beispielsweise zum Nordkap und auf den Jakobsweg führten, zuvor. Und das nicht mit einem Hilfsmotor, sondern lediglich mit einem normalen, guten Touren-Rad, ausgestattet lediglich mit einem kräftigen Gepäckträger.

50 bis 130 Kilometer legt Schäfer bei seinen Touren täglich zurück, durchschnittlich seien es 100. „Das kommt auf den Wind an. Wenn man mehrere Tage Gegenwind hat, kommt man kaum vorwärts.“ Bei der Alpen-Tour sollte es allerdings weniger der Wind sein, der Schäfer zu schaffen machte. Stattdessen gab es in den Alpen Kälte, Regen und Schnee – Wetter, das auch Hannibal wenig gefallen hätte. Doch zunächst ging es gemütlich los.

„Warum fährst du allein durch die Gegend?"

Zum Einfahren hatte Theo Schäfer zunächst seine Frau dabei. Von Warstein ging es 130 Kilometer über den Ruhrtal-Radweg zum Baldeney-See in Essen, dann mit dem Zug weiter nach Frankfurt und per Rad ins Altmühltal nach Gunzenhausen. Dabei werden gerne Fernradwege benutzt. „Das ist nicht die direkte Strecke, sondern oft die doppelte Route.“ Dafür sind die Wege um so schöner.

Schäfer erzählt, wie die Radtouren in der Regel ablaufen: Um 7 Uhr aufstehen und frühstücken, Pausen werden an attraktiven Orten gemacht, wo man sich nur Zeit für Kurzbesichtigungen nimmt. „Wir besichtigen unterwegs nur minimal.“ Schließlich muss man vorwärts kommen. „Der Schwerpunkt liegt auf dem Abend: Wir gehen schön essen, besichtigen die Orte, an denen wir übernachten.“

Und wenn man allein unterwegs ist? „Da muss man sich dran gewöhnen. Irgendwann kommt die Phase, dass man denkt: Warum fährst du allein durch die Gegend? Aber man kann seinen eigenen Rhythmus finden.“ Auch ergäben sich unterwegs Kontakte, man fährt ein Stück zusammen oder unterhält sich abends in den Pensionen. „Aber tagsüber ist man allein im Sattel.“

Auf Alpe-Adria-Radweg

Dieses mal geht es über den Alpe-Adria-Radweg, der von der EU gefördert wird, teilweise vorhandene Fernradwege nutzt und von Salzburg nach Grado am Mittelmeer führt. Profi sein müsse man für diese Tour nicht, aber Kondition haben. „Das ist zum Teil traumhaft zu befahren mit eigenen Radtunneln“, schwärmt Schäfer. Einige sind sogar mehr als 100 Meter lang. „Das ist schon ein komisches Gefühl. Vor allem, wenn man an eine Biegung kommt, dann sieht man nichts mehr. Sonst hat man ja noch Licht von hinten.“ Glücklicherweise seien die Tunnel teils aber beleuchtet.

Aber wie steht es damit, unterwegs eine Unterkunft zu finden? „Ich bin flexibel. Ich rufe mittags an, wenn ich weiß, in welchem Ort ich übernachten will oder gehe dort in ein Touristen-Büro. Und wenn alles nichts hilft, geht man in eine Bäckerei und fragt, ob es nicht irgendwo eine Privat-Unterkunft gibt.“ Die tollsten Erlebnisse habe er so gehabt. Dieses Mal gab es aber auch fünf Tage Leidensweg. Es schüttete in Österreich wie aus Eimern. „Ich bin zwei Stunden gefahren, bis ich richtig durchnässt war. Da hilft auch der Regenumhang nicht mehr.“

Da blieb nur ein Restaurant zu suchen, wo es schön warm war. Die Winterhandschuhe wurden auf der Toilette trocken geföhnt. Dann ging es zwei Stunden weiter. „Man denkt nur: Ab durch die Mitte und hin zum Ziel.“ Daran, über den Großglockner zu radeln, war nicht zu denken – es herrschte Schneetreiben. „Sonst wäre das eine Herausforderung, bis auf 2500 Meter hoch zu fahren. Bei gutem Wetter hätte ich das gemacht.“ Stattdessen fuhr er auf die andere Bergseite mit dem Zug – und es herrschte bestes Wetter mit milden Temperaturen.

Schöne Route durch Venetien

Schönster Teil der Tour war die neue Radtrasse durch Venetien. Schäfer schwärmt von den Ausgrabungen, von Barock- und Renaissancekirchen. „Ein Höhepunkt war die Piazza in Palmanova“, aber auch Udine und Aquilea gefielen ihm. Schließlich war Grado erreicht, das über einen Lagunenbereich mit traumhaften Sandstränden verfügt. Zehn Tage hatte er von Gunzenhausen bis hierher gebraucht.

Zeit zum Ausruhen? Nein, bereits nach zwei Tagen brach Schäfer wieder auf Richtung Monfalcone, Triest, weiter nach Slowenien auf dem grenzübergreifenden „Porenzana-Weg“ bis nördlich von Rovinj. 1300 Kilometer hatte er bis hierher auf dem Rad zugebracht. Mit Bus und Zug ging es dann wieder Richtung Heimat bis nach Soest. „Da hatte ich keine Lust, auf den nächsten Bus zu warten und bin mit dem Fahrrad gefahren ...“

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