Westkalk will 35 Meter tiefer graben

Im Kallenhardter Steinbruch möchte Westkalk tiefer abgraben.
Im Kallenhardter Steinbruch möchte Westkalk tiefer abgraben.
Foto: www.blossey.eu
Was wir bereits wissen
Für Westkalk ist es eine „Nebenbestimmung“, für die Initiative Trinkwasser der Einstieg in den Tiefenabbau. Bis 338 Meter tief soll bald gegraben werden.

Warstein/Kallenhardt..  Die Firma Westkalk hat beantragt, im Steinbruch Kallenhardt tiefer abzubauen. Statt bis zu 373 Metern soll künftig eine Abbautiefe von 338 Metern (über NN) gelten.Der Antrag wurde im März beim Kreis Soest gestellt.

Die Initiative Trinkwasser sieht darin einen „Probeballon“ für Tiefenabbau und verweist unter anderem auf die Problematik, dass der Lörmecke-Quellstollen nur rund 400 Meter von der Fläche entfernt ist, wo künftig tiefer abgebaut werden soll. Initiative-Sprecher Werner Braukmann spricht von einer „Unverfrorenheit des Unternehmens Westkalk, nach den Klagen gegen die Hillenberg- und Lörmeckequellen nun auch gegen den breiten Konsens in der Warsteiner und Kallenhardter Öffentlichkeit den grundwassergefährdenden Vorstoß unter die Schneiderlinien in Angriff zu nehmen“. Die Problematik werde nur teilweise auf das Kallenhardter Gebiet verlagert.

Der Der Geschäftsführer des Lörmecke-Wasserwerks, Alfred Striedelmeyer, kennt den Antrag und hat die Experten der Unteren Wasserbehörde zur fachlichen Begutachtung eingeschaltet.

„Wir werden sicher nicht Juchhe schreien“, meint Rüthens Bürgermeister Peter Weiken zu den Westkalk-Plänen – allerdings sei ein Antrag erwartet worden, „das war allgemein bekannt“. Unklar sei eher gewesen, wann es dazu kommen würde. Der Kreis Soest habe jetzt unter anderem die Stadt zu einer Stellungnahme aufgefordert, die Unterlagen seien in dieser Woche eingegangen und würden aktuell bewertet, „daher sind wir noch nicht tief in der Problematik“. Anschließend „muss sich die Politik mit dem Thema beschäftigen“, so Rüthens Rathauschef.

Deutlicher wird Warsteins Amtskollege Manfred Gödde, der den Antrag allerdings nicht kennt: Ein tieferer Abbau sei „eine Unverschämtheit“. Die Grundwasserlinien kenne man, die Steinindustrie sei „jetzt an Tiefen angelangt, wo man Schluss machen muss.“

Tiefe bisher nur vorläufig

Für Westkalk-Geschäftsführer Franz-Bernd Köster ist der Antrag jedoch „Business as Usual“. Bei der Genehmigung vom 19. April 2010 sei die Abbautiefe in einigen Parzellen vorläufig auf 373 Meter festgelegt worden. Hintergrund sei gewesen, dass es im Bereich Kallenhardt nicht wie in Warstein die so genannten „Schneiderlinien“, als Grenze des Steinabbaus, gebe.

Jetzt habe die Firma Westkalk das bereits damals beauftragte hydrologische Gutachten vorliegen – und passe daher die Abbautiefe entsprechend dem Ergebnis an. Vorsorglich sei man damals 30 bis 40 Meter über dem „normal“ möglichen Abbau geblieben und wolle den Wert nun präzisieren.

Die genehmigten Abbautiefen – in Kallenhardt wie in Warstein – seien für Westkalk immer nur als „vorläufig“ anzusehen. Köster: „Wenn wir auf Wasser stoßen, müssen wir aufhören“. In Kallenhardt sei man an einigen Stellen bereits auf „Endtäufe“, doch wo das liegt, „ist nicht überall gleich“.

Die Initiative Trinkwasser verweist in ihrer Stellungnahme darauf, dass auch in der Politik und Behörden ein Tiefenabbau unmissverständlich ausgeschlossen werde. Regierungspräsident Bollermann habe bei einem Besuch in Warstein zudem betonte, dass ein Antrag, unter der Grundwasserlinie Gestein abzubauen, „absolut chancenlos“ sei.

Jetzt handfeste Daten

Die jetzt beantragte „Änderung einer Nebenbestimmung“ hat, kontert Westkalk-Geschäftsführer Köster, „mit Tiefenabbau überhaupt nichts zu tun“. Die Erkenntnisse zum Grundwasser seien bislang nur rudimentär gewesen, „jetzt haben wir handfeste Daten“. Und der Antrag aus dem März sei auch keine überraschende Entwicklung: Die Bohrungen seien bereits 2009 begonnen worden, „das dauert seine Zeit“.

Manfred Raker vom BUND macht sich gleichwohl Sorgen um die gute Trinkwasserqualität. Der Quellstollen des Lörmecke-Wasserwerkes liege mit einer Überlaufhöhe von 326 Metern nur zwölf Meter tiefer als die beantragte Abbaugrenze. Raker: „Viel zu wenig“. Hinzu komme, dass der Gutachter der Firma Westkalk als Bemessungsgrundlage ein „75- Perzentil“ nimmt. Heißt: Zu 75 Prozent liegt der Grundwasserspiegel unter der Abbaugrenze – aber auch bei 25 Prozent darüber. Raker zur WP: „Man nimmt also in Kauf, dass einige Tage oder sogar Wochen Grundwasser auf der Abgrabungssohle steht“.

Und auch wenn die beantragte Fläche nur etwa einen Hektar groß sei, so sei dies dann doch der tiefste Punkt im Steinbruch. Er fürchtet, dass der Abbau dort nur der Anfang sei, eine spätere Erweiterung „kann man dann ja nicht mehr verwehren“. Was Westkalk somit jetzt versuche?: „einen Pflock einzurammen für den Abbau der nächsten 30, 40 Jahre“.

Der Kreis habe seine bisherige Genehmigung auf vorläufigen Werten erteilt. Wenn man das Thema Trinkwasser in den Vordergrund stelle, dürfte der Abbau auch künftig nicht tiefer erfolgen, betont der Umwelt-Experte.

Werner Braukmann möchte das Thema auf jeden Fall weiterverfolgen. In seiner Stellungnahme meint er: „Wir werden uns in der nächsten Zeit noch eingehender mit dem Antrag beschäftigen, um den Anfängen zu wehren - der Steinabbau in Warstein/Kallenhardt wird immer schlimmer, unsere Quellen sind immer mehr in Gefahr.“