Westfalen-Initiative bürgert 67-jährigen Niedersachsen ein

So ernst wie dieses Quartett schaut, ist die Einbürgerung der Westfalen-Initiative nicht gemeint: Die Geschäftsführer Wolfgang Schäfer (links) und Niels Lange (r.) nehmen Bernd Heiland und seine Ehefrau Hildegard in die Mitte.      Foto: Thomas Nitsche
So ernst wie dieses Quartett schaut, ist die Einbürgerung der Westfalen-Initiative nicht gemeint: Die Geschäftsführer Wolfgang Schäfer (links) und Niels Lange (r.) nehmen Bernd Heiland und seine Ehefrau Hildegard in die Mitte. Foto: Thomas Nitsche
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Es ist eine Premiere: Die Westfalen-Initiative bürgert einen 67-jährigen Rentner ein. Eine Wette unter Kegelbrüdern liefert der Stiftung den Anlass, die eigene Identität zu schärfen.

Möhnesee/Lippetal.. Kegelbruder Joachim Bogatz ist der erste, der Bernd Heiland um den Hals fällt: „Willkommen in Westfalen.“ Der 67-jährige Rentner aus Lippetal-Oestinghausen ist gerührt. Was als muntere Wette Anfang des Jahres beginnt, wirkt ein gutes halbes Jahr später bierernst - buchstäblich. Um einen Kasten Bier hat der Präsident des Kegelclubs „Die Pumpenblitze“ mit den anderen zehn Mitgliedern gewettet, dass er 50 Jahre nach seinem Umzug von Verden an der Aller in Niedersachsen nach Westfalen endlich und für immer eingebürgert wird. Gesagt, getan, gewonnen.

Der Einbürgerungstest ist für ihn kein Problem. Zwölf Fragen beantwortet er fehlerfrei. Kein Wunder. Die Antwortet lautet schließlich immer: Westfalen. Beispiele gefällig: Wo wurde die SMS erfunden? Wo hat die einzige deutsche Fernuniversität ihren Sitz? Wo werden die Wacholderbeeren aus der Toskana zum Steinhäger? Wer es genauer wissen will: Dortmund, Hagen, Steinhagen. Mit den Antworten sind die Geschäftsführer der Stiftung Westfalen-Initiative, Wolfgang Schäfer und Niels Lange höchst zufrieden.

Westfälische Identität wird gestärkt

Gerne hat die Stiftung das Ansinnen des Seniors aufgegriffen. Für sie ein willkommener Anlass, Westfalen ins Gespräch zu bringen. „Westfalen wird in den Medien zu wenig beachtet, seine Stärken und Besonderheiten sind zu wenig bekannt“, sagt Lange. „Die symbolische Einbürgerung des Neu-Westfalen Bernd Heiland hilft uns, die westfälische Identität zu schärfen.“ Als erster Adressat hatte der Landschaftsverband Westfalen-Lippe in Münster abgewunken. Er fühlt sich für Einbürgerungen dieser Art nicht zuständig. Ein nachvollziehbarer Schritt.

Um der aufkommenden Ernsthaftigkeit die Grundlage zu entziehen, hält Kabarettist Marian Heuser die Laudatio. Tief taucht er als „Urururenkel von Emil Ritterhaus, dem Autor des Westfalenliedes“, in das Leben des Neubürgers ein, kümmert sich um den ominösen Heiland, verzichtet dabei auf Wortspiele und Vergleiche mit „dem Erlöser“. Warum? Er wolle nicht alte Wunden der Kindheit aufreißen, schließlich sei Bernward Wilhelm Heiland, so sein bürgerlicher Name, als Katholik im Norden aufgewachsen und habe unter dem grellen Licht der protestantisch geprägten Stadt gelitten. „Da man bekennenden Katholiken oft nachsagt, dass sie so schwarz seien, dass sie selbst im Tunnel noch einen Schatten werfen, war dieses Licht leider nicht immer angenehm.“ Die Lacher gehören ihm.

Ehefrau Hildegard in Warstein kennengelernt

Mit 17 Jahren macht sich Heiland ohne seine Eltern nach Warstein in Westfalen auf, erlebt die Schule überwiegend sauer bis bitter, um sich am Ende um Süßes zu kümmern. Er lernt Konditor, macht mit 23 Jahren den Meister und lernt hier seine spätere Ehefrau Hildegard kennen und lieben. 1969 kommt Töchterchen Tanja auf die Welt. Der Laudator: „Die junge Familie bleibt noch eine Weile in Warstein, bis ihr der Trubel in dieser pulsierenden Metropole zu viel wird und sie ins beschauliche Niederense zieht.“

Von dort geht es über Völlinghausen nach Lippetal-Oestinghausen. Hier lebt die Familie seit 26 Jahren im eigenen Haus: „Das eindeutige Bekenntnis eines ehemaligen Niedersachsen zur westfälischen Heimat“, ist sich Lobredner sicher. Überhaupt passe der Mann in die Gegend. Er habe knapp neun Jahr Warsteiner getrunken, Respekt, könne backen und kochen, solche Leute brauche man immer, und sei mit seinen übersichtlichen 1,67 Meter ein wirklich Großer, der über sich lachen könne.

Einbürgerung auf der Terrasse im Golfclub Möhnesee

Der Einbürgerung stehe nichts im Wege, keine Bedenken. „Bernd Heiland hat sich als bodenständig, beharrlich, gemütlich und nicht zuletzt weltoffen erwiesen.“ All diese Eigenschaften würden nach einer Untersuchung von Professor Heribert Meffert in Gänze auf das Image der Westfalen zutreffen. Beifall auf der Terrasse im Golfclub Möhnesee brandet auf. Ehefrau Hildegard freut sich: „Jetzt bist du auch ein Westfale.“ Und gut ist es. Willkommen.