Weniger Anlagen, mehr Ertrag

Nach zweijährigen Gesprächen und Verhandlungen wurde gestern Morgen das Mediationsverfahren über das "Repowering von Windenergieanlagen im Vogelschutzgebiet Hellwegbörde" abgeschlossen (von links): Christian Schlösser (stellv. Vorsitzender des Vereins Energie erneuerbar und effizient), Mediator Markus Trojan, Johannes Drüke (Vorsitzender ABU Kreis Soest), Minister Johannes Remmel, Winfried von Schroeder (Kreis Soest) und Ferdinand Aßhoff (Bezirksregierung).
Nach zweijährigen Gesprächen und Verhandlungen wurde gestern Morgen das Mediationsverfahren über das "Repowering von Windenergieanlagen im Vogelschutzgebiet Hellwegbörde" abgeschlossen (von links): Christian Schlösser (stellv. Vorsitzender des Vereins Energie erneuerbar und effizient), Mediator Markus Trojan, Johannes Drüke (Vorsitzender ABU Kreis Soest), Minister Johannes Remmel, Winfried von Schroeder (Kreis Soest) und Ferdinand Aßhoff (Bezirksregierung).
Foto: Hans-Albert Limbrock
Das Mediationsverfahren über das "Repowering von Windenergieanlagen im Vogelschutzgebiet Hellwegbörde" ist zuende. Zum Schluss kam auch der Minister.

Warstein/Soest..  „Artenschutz und Windenergie sind keine Gegensätze.“ Mit diesen Worten fasste gestern Morgen Johannes Remmel, Minister für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz, ein fast zweijähriges Mediationsverfahren zusammen, das den Weg zum „Repowering“ – also der Erneuerung – alter Windenergieanlagen im Vogelschutzgebiet Hellwegbörde ebnen soll.

Knapp 250 Windräder drehen sich auf der Haar im gleichzeitig größten Vogelschutzgebiet von Nordrhein-Westfalen. Die Vielzahl dieser Anlagen ist inzwischen in die Jahre gekommen und soll durch neue, leistungsfähigere Anlagen erneuert werden.

„Da sind Konflikte zwischen den verschiedenen Interessensvertretern vorprogrammiert“, weiß der Minister um die grundsätzliche Problematik. Mit der nun geschlossenen Vereinbarung zwischen Vertretern der Windenergie, der Naturschutzverbände, des Kreises Soest und dem Land Nordrhein-Westfalen hofft man, eine Basis gefunden zu haben, das Repowering voranzutreiben und gleichzeitig der Bedeutung des Vogelschutzgebietes gerecht zu werden.

Thema jetzt annehmen

„Die Kommunen wissen nun, woran sie sind und können entsprechend handeln“, ermunterte Ferdinand Aßhoff von der Bezirksregierung die Gemeinden entlang der Haar, sich des Themas nun verstärkt anzunehmen. Vor allem Rüthen, Effeln, Werl aber auch Ense rücken in den Fokus, weil hier besonders viele Altanlagen betrieben werden.

Im Idealfall, so Christian Schlösser, stellvertretender Vorsitzender des Vereins Energie erneuerbar und effizient, könne durch das Repowering die Zahl von 250 Anlagen etwa halbiert werden. „Es gibt zwar auch einige Standorte, die nicht repowert werden können. Aber bei 100 bis 120 ist das machbar.“ Das Investitionsvolumen für diese Erneuerung bezifferte Schlösser auf „500 bis 600 Millionen Euro“.

Zwei Jahre gerungen

Zwei Jahre haben die Vertreter der Naturschutzverbände und der Windenergie unter Beteiligung des Kreises Soest und der Bezirksregierung auf Initiative der Landesregierung miteinander verhandelt und um Kompromisse gerungen. „Es war nicht so anstrengend, wie zuvor in einigen Horrorszenarien befürchtet“, gab Mediator Dr. Markus Trojan gestern einen Einblick in das Verfahren.

Unterschiedliche Positionen

Trotz des nun gefundenen Konsens’ weisen die Beteiligten auf ihre weiterhin unterschiedlichen Positionen hin. „Die Landschaft entlang der Haar ist schon ziemlich mit Windkraftanlagen verrammelt“, erklärte Johannes Drüke, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Biologischer Umweltschutz (ABU) im Kreis Soest. Mit der Vereinbarung habe man aber nun die Möglichkeit, von Beginn an Einfluss zu nehmen, wenn alte Anlagen durch neue ersetzt werden sollen.

Christian Schlösser stellt besonders die Reduzierung von Windrädern in den Mittelpunkt. Durch den höheren Abstand der Rotoren zum Boden reduziere sich zudem die grundsätzliche Gefahr für viele Vögel. Windräder der neuen Generation bringen es auf eine Höhe von 150 bis 200 Meter und garantieren einen dreifach höheren Stromertrag im Vergleich zu den Altanlagen.