Weiterer Abschluss ist Trend bei Hauptschülern

Mit berufsorientierenden Maßnahmen werden die Schüler auf dem Weg ins Arbeitsleben vorbereitet.
Mit berufsorientierenden Maßnahmen werden die Schüler auf dem Weg ins Arbeitsleben vorbereitet.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Eine neue Studie des Deutschen Gewerkschaftsbundes zeigt auf, dass immer weniger Lehrstellen auch für Hauptschüler ausgeschrieben werden. Doch die steigenden Ansprüch gehen einher damit, dass immer mehr Hauptschüler einen weiteren Abschluss machen.

Warstein..  Die Zukunfts-Prognosen für die Hauptschulen werden immer negativer. Es gibt immer weniger Anmeldungen, im Zuge dessen läuft auch die Warsteiner Hauptschule aus, wird im kommenden Schuljahr keine fünfte und sechste Klasse mehr haben.

Eine neue Studie des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) zeichnet ein weiteres düsteres Bild für die Schulform. Die Studie besagt, dass von den 44 000 bundesweit ausgeschriebenen IHK-Lehrstellen, sich knapp 62 Prozent nicht an Schüler mit einem Hauptschulabschluss richten. Allerdings sei in den vergangenen zehn Jahren auch die Zahl der Hauptschüler um 35 Prozent gesunken.

An der Hauptschule Warstein ist der Blick aber weitaus weniger dystopisch. Schulleiterin Gabi Völker verrät einen der Gründe, weswegen das kein großes Problem sei: „Es ist ein anhaltender Trend, dass viele nach dem Hauptschulabschluss einen weiteren Schulabschluss erwerben.“

Die Berufsorientierungskoordinatorin der Hauptschule, Jutta Schmidtmann, weiß auch: „Engagierte Schüler kommen aber immer weiter.“ Die Firmen haben Bedarf an Hauptschülern, bekämen aber auch immer weniger Bewerbungen. „Gute Schüler haben sogar die Möglichkeit sich einen Ausbildungsplatz auszusuchen.“

Einsatz und Wille vorausgesetzt

Und dazu rät sie ihren Schülern auch. Gute Noten und mit vollem Einsatz eine Ausbildung machen, danach könne man immer noch einen höheren Schulabschluss draufsetzen. Das sei sicherer für den weiteren Bildungsweg der Schüler.

Diesen Einsatz und Willen erwarten auch Arbeitgeber wie Infineon. „Aber es bewerben sich auch Kandidaten, bei denen dies erkennbar nicht der Fall ist“, sagt Jörg Malzon-Jessen, Sprecher des Unternehmens. Wer sich aber Mühe gibt, der könne die Ausbildung zum Industriekaufmann sehr erfolgreich durchlaufen. „Wir haben keine Zugangsbeschränkungen für die ausgewiesenen Ausbildungsstellen“, so Malzon-Jessen.

Bei der Brauerei gibt es sogar zwei Ausbildungsberufe speziell für Hauptschüler – ein guter Abschluss vorausgesetzt: Maschinen- und Anlagenführer sowie Lagerist.

„Der prozentuale Anteil der Bewerber mit einem Hauptschulabschluss liegt bei uns bei 30 Prozent“, sagt Stefan Bastert, Leiter der Personalabteilung. Welche Kandidaten eine Zusage bekämen liegt vorrangig an den Ergebnissen aus Eignungstests, nicht an Abschlüssen.

Auch Dirk Lau, Schulleiter der LWL--Akademie für Gesundheit und Pflegeberufe Lippstadt macht den Hauptschülern Mut: „Bei entsprechender Motivation und Lernbereitschaft spricht nichts dagegen, dass auch Hauptschulabsolventen mit dem Examen abschließen.“ Dennoch gibt er auch zu bedenken: „Wir machen die Erfahrung, dass sich Hauptschüler schwerer tun.“