Weiter auf der Suche nach den Römern
24.02.2008 | 11:03 Uhr 2008-02-24T11:03:00+0100"Eines der größten westfälischen Rätsel": Erstmals seit 1939 wird am Römerlager bei Kneblinghausen wieder gegraben.
Kneblinghausen. Erstmals seit 1939 wird an der Befestigungsanlage im Wald bei Kneblinghausen wieder gegraben. Vielleicht können die Archäologen dann klären, ob das Römerlager tatsächlich seinen Namen zu Recht trägt — oder ob es sich doch eher um ein Lager der Germanen handelt. Für Grabungsleiterin Eva Cichy ist das Gelände „eines der großen westfälischen Rätsel”.
Die Grabung ist ausgerechnet dem Orkan zu verdanken: „Kyrill” warf nämlich exakt im Bereich des ehemaligen Grabens und des Walles einen Baum um — eine günstige Gelegenheit, den Boden genauer zu untersuchen. Der Rüthener Bauhof stellte dafür den Bagger zur Verfügung und unterstützt so die Archäologen der Außenstelle Olpe des Landschaftsverbandes. Bis nächste Woche dauern die Ausgrabungen an, danach wird die Stelle wieder zugeschüttet. Gleichzeitig wird das Lager jetzt neu vermessen, weil die früheren Karten ungenau waren. Dieses archäologische Vermessen übrigens wird das Amt aus Olpe im September beim „Tag des offenen Denkmals” hier vor Ort der Öffentlichkeit einmal vorstellen.
Von 1902 bis 1939 wurde immer wieder am Römerlager gegraben. Wegen seiner großen Ausdehnung von etwa zehn Hektar waren immer nur punktuelle Grabungen möglich. Irgendwann in der Vergangenheit wurde die Anlage durch einen Umbau auf 7,5 Hektar verkleinert: Von wem? Warum? Alles offene Fragen.
Aufgedeckt wurde jetzt ein kleiner Abschnitt des Walles und ein vorgelagerter Graben — letzterer dürfte mit einer Breite von etwa 1,50 Meter kein besonders eindrucksvolles Hindernis gewesen sein. In einer Schicht unter dem Wall wurden Holzkohle und Keramikreste germanischen Ursprungs, aus der Zeit um Christi Geburt, entdeckt. Sie verdichten die Vermutung, dass hier zunächst Germanen lebten. Darauf deuteten schon die ersten Ausgrabungen seit 1902 hin, bei denen Hausgrundrisse, Reste von Gruben und Brunnen entdeckt wurden. Umgeben wurde die Anlage dann von einem Wall aus Holz und Erde (deren niedrige Erhebungen heute noch sichtbar sind).
Ob und wie lange die germanische Siedlung bis zum Bau der Befestigung etwa um Christi Geburt leer stand, ist ebenso eine offene Frage wie die, ob die Germanen den Platz freiwillig räumten — oder gezwungen wurden, diesen zu verlassen. Von den Römern? Möglicherweise, aber archäologische Beweise fehlen dafür auch weiterhin. Eine Hacke aus dem 1., 2. Jahrhundert vor Christus ist das einzige römische Fundstück hier. Die LWL-Archäologie spricht daher weiterhin neutral von dem Gelände als „wahrscheinlich römische Befestigungsanlage und germanischer Vorgängersiedlung”. Um die Sache weiter zu komplizieren: Selbst mittelalterliche Funde sind am Römerlager schon entdeckt worden.
Die römische Dimension hat ihren Charme: Auf der Anhöhe zwischen den Flüssen Alme und Möhne, zwischen Briloner Hochebene und Haarstrang gelegen, hätten die Legionäre hier einen wichtigen Verkehrsweg vom Rhein ins Innere Germaniens kontrolliert — in der Nähe bei Brilon lagen dazu wichtige Metallvorkommen. Die rechteckige Form des Lagers unterstützt die Rom-Connection.
Aber wieder fehlt der endgültige letzte Beweis: Der wäre gegeben, wenn gleichzeitig zu der Mauer eine Bebauung stattgefunden hätte. Die aber fehlt. Denkbar jedoch: Die Legionäre lebten hier in dem Feldlager nur in Zelten, dann wäre in Kneblinghausen das einzige unbebaute Römerlager in Westfalen...
Das Römerlager ist damit für viele Fragen gut. Archäologin Eva Cichy sagt: „Diese Anlage gibt uns sehr viele Rätsel auf.” Die Grabungsstätte mit den Erdresten wird auch noch mit Metalldetektoren abgesucht: Vielleicht findet sich dann doch noch etwas Römisches im Römerlager.
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