Warum Warstein für Professor Patrick Dinslage die Heimat bleibt

Professor Patrick Dinslage zu Gast in Warstein
Professor Patrick Dinslage zu Gast in Warstein
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Er ist immer der „alte Warsteiner“ geblieben. Das sagt Patrick Dinslage bei seinem Besuch in der Heimat – und er meint es, das spürt man sofort. Dabei ist der „Wöske“ ganz schön rumgekommen in der Welt.

Warstein.. Seit 2005 leitet er die Edvard-Grieg-Forschungsstelle in Berlin, ist regelmäßiger Gastdozent an norwegischen Universitäten und im März wurde er in Oslo zum Mitglied der Norwegischen Akademie der Wissenschaften gewählt. Und das alles nur, weil der neunjährige Patrick Dinslage damals lieber die Orgelweihe in St. Pankratius miterleben wollte als mit seinen Eltern einen Sonntagsausflug zu machen

Das war im Mai 1960. Heute, 55 Jahre später, steht Patrick Dinslage wieder vor der Pankratiuskirche. Zum Abi-Nachtreffen ist er aus Berlin angereist, sein Freund Werner Braukmann hat ihn eingeladen. Auf dem Marktplatz fängt Dinslage an zu erzählen, zeigt auf das Rathaus: „Dort stand das alte Dinslage-Haus meiner Großeltern, ziemlich genau dort, wo sich heute das Hauptgebäude vom Rathaus befindet.“ Der 64-Jährige hat sehr gute Erinnerungen an diese Zeit, hat er doch viel Zeit bei seinen Großeltern verbracht. „Gegenüber an der Hauptstraße war damals das Reformhaus, die Drogerie Dinslage: Ich weiß gar nicht, wie da die Verbindungen genau sind, aber ich weiß noch genau, dass ich da für meine Oma immer die Vitaquell-Margarine holen.“ Dinslage sagt „Omma“, so richtig schön sauerländisch. „Natürlich, ich habe mich nie von der Sprache hier verabschiedet“, lacht der sympathische Wissenschaftler. Eine „fantastische Kindheit und Jugend“ habe er in Warstein verlebt, sagt Dinslage. Eine Zeit, die relativ früh von Musik geprägt wurde: Als im Mai 1960 die neue Orgel in St. Pankratius geweiht wurde, wollte der damals neunjährige Patrick Dinslage unbedingt dabei sein – und verzichtete dafür auf den Sonntagsausflug. „Danach war für mich klar: Da oben will ich auch hin!“

Doch dafür musste sich der junge Patrick Dinslage zunächst entscheiden: Klavier oder Fernseher? Vor diese Wahl stellten seine Eltern ihn an Weihnachten 1960. Für Dinslage eine leichte Entscheidung: „Das war sonnenklar. Und der Fernseher kam ohnehin ein halbes Jahr später“, schmunzelt er. Bei Schwester Deodata aus dem Liebfrauenhaus lernte er anderthalb Jahre die ersten Fingerübungen auf dem Klavier – bis der Zufall zuschlug: „Als ich in der Quinta oder Quarta war, haben wir einen Ausflug mit dem damaligen Organisten Albert Poggel gemacht. Es sollte in die alte Kirche gehen und ich musste den Schlüssel dafür abholen.“ Der kleine Patrick Dinslage machte dies nur zu gerne, wusste er doch auch, dass er auf diese Weise auch an den Schlüssel zur Orgeltribüne kommen konnte.

Einen Tag nach dem Ausflug ging er unter dem Vorwand, er habe etwas vergessen, wieder zur Alten Kirche und begann zu spielen. „Grafen Tucka hatte seine Noten da oben liegen lassen, also nahm ich die einfach und fing an“, erinnert sich Patrick Dinslage. Am 2. Advent 1963 löste der damals 13-jährige Patrick Dinslage Dr. Grafe als Organist der Alten Kirche ab. Ab da ging es ziemlich schnell: Er spielte in der Abtei Königsmünster („Da wurde ich extra mit dem Auto abgeholt, ich war ja noch zu jung zum Fahren“), in Altenrüthen, Eversberg, eigentlich auf allen Orgeln der näheren Umgebung – bis auf eine: „Hirschberg fehlt mir noch.“

Ab Herbst wird es Patrick Dinslage vermutlich öfter nach Leipzig verschlagen. Seine Edvard-Grieg-Forschungsstelle an der Berliner Universität der Künste beendet ihre Arbeit in diesem Sommer; der Schwerpunkt verlagert sich nach Leipzig. An seiner Antwort auf die Frage, wo seine Heimat sei, ändert dies jedoch nichts: „Ich bin sauerländer. Ich bin immer noch hier Zuhause.“