„Warstein hat Entwicklungen verschlafen“

Domviertel
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Was wir bereits wissen
Was bedeuten die Pläne eines deutlich verkleinerten Domkarrees für Warstein? Das sagen die Beteiligten zum neuen Konzept.

Warstein..  Ernüchtert, aber auch froh, dass endlich Klartext gesprochen wird – so lassen sich die Reaktionen in der Politik über die weitere Verkleinerung der Domkarree-Pläne zusammen fassen. Was bedeutet es für Warstein, dass nach dem Absprung des Lebensmittel-Vollsortimentlers weniger Einzelhandels- und mehr Wohnflächen entstehen sollen? Das sagen die Beteiligten zum neuen Konzept:

Das Planungsbüro

Dass die Planungen immer wieder umgeschmissen werden mussten, bringe das Geschäft mit sich, sagt Ernst-Dieter Drüke vom Arnsberger Planungsbüro Zakowski: „Aber in Warstein ist die Situation schon besonders schwierig.“ Mit dem neuen Konzept würde man sich den Realitäten des Einzelhandels anpassen.

Zunehmender Internet-Handel und die demografische Entwicklung machten Neuansiedlungen ohnehin nicht leicht. „Das gilt insbesondere in der kleinteiligen Struktur des Sauerlands“, weiß Drüke. Er erkennt aber auch ortsspezifische Probleme: Da sei die hohe Belastung durch den Schwerlastverkehr. „Das ist schon prägend“, sagt Drüke, „hinzu kommt, dass in den vergangenen Jahren oder Jahrzehnten vielleicht die eine oder andere Entwicklung verschlafen worden ist.“

Für viele potenzielle Einzelhandelsketten war zudem die Größe des Grundstücks ein K.o.-Kriterium. Dem Lebensmittelkonzern, mit dem zuletzt verhandelt wurde, habe etwa die Parkplatzsituation nicht gepasst. „Eine Tiefgarage wollte er zum Beispiel nicht“, sagt Drüke, „wir haben wirklich alle baulichen Alternativen geprüft.“

Der Ortsvorsteher

Etwas Ernüchterung lässt sich Ortsvorsteher Dietmar Lange anmerken, doch sein Blick geht nach vorn: „Wunschdenken hilft ja nicht, sondern wir müssen schauen, wie wir die Innenstadt stärken können – in welcher Form auch immer.“ Darin sieht Lange künftig die Hauptaufgabe. „All unsere Aktivitäten müssen darauf abzielen, die Stadtmitte zu beleben.“ Dies beinhalte auch eine Stärkung des Handels. Das Domkarree sollte daher schnellstmöglich umgesetzt werden. „Es kann nicht sein, dass in der 1a-Lage gegenüber dem Rathaus abbruchreife Gebäude stehen“, sagt er, „es wird Zeit, dass wir endlich mal Bagger sehen.“

Der Einzelhandel

Die Ansiedlung neuer Einzelhändler sei nach dem Wegfall eines Grundstücks schwierig geworden, gesteht Christoph Schmitt-Nüse, Vorsitzender des Verkehrs- und Gewerbevereins, ein. „Dass es an der Parkplatzsituation scheitert, kann ich aber nicht einsehen“, klagt er. „Die Vorgaben kannte man, also hätte man das vor zwei Jahren schon wissen können.“

Was den Einzelhandel angehe, hätten Städte wie Lippstadt und Soest den Warsteinern immer ein kleines Stück voraus. „Wenn wir jetzt wieder nicht voran kommen, fallen wir noch weiter zurück, denn diese Städte schlafen auch nicht“, sagt Schmitt-Nüse. „Dabei trägt der Einzelhandel entscheidend zur Vitalität einer Innenstadt bei.“ Statt immer neuer Gutachten sollten endlich die Grundsatzprobleme angegangen werden – helfen könnte etwa das Integrierte Handlungskonzept (IHK).

Die Innenstadt-Entwickler

„Eine Erfolgsmeldung vom Domkarree wäre besser gewesen“, räumt Städteplaner Andreas Mayer vom Büro Junker und Kruse ein, welches das IHK zur Aufwertung der Innenstadt erarbeitet hat. „Es gibt keinen Königsweg, wie man mit der kleinen Lösung umgeht.“ Mayer sieht die Verkleinerung als „das Ergebnis einer Marktabfrage“, das vorher nicht absehbar gewesen sei. „Jetzt müssen wir eben gucken, was davon übrig bleibt.“