„Warstein hat besondere Bedeutung für den Naturschutz“

Risse-Gelände Oberhagen
Risse-Gelände Oberhagen
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Neun Naturschutzgebiete liegen auf Warsteiner Stadtgebiet – denn die Voraussetzung für eine abwechslungsreiche Tier- und Pflanzenwelt sind größer als sonst im Sauerland.

Warstein/Bad Sassendorf-Lohne..  Über jedes neue Naturschutzgebiet im Kreis Soest freuen sich die Mitarbeiter der Arbeitsgemeinschaft Biologischer Umweltschutz (ABU) in Bad Sassendorf-Lohne. Im Interview spricht Dr. Margret Bunzel-Drüke über Windräder in Naturschutzgebieten, die Gefahren des Steinabbaus und Warsteins ganz besondere Pflanzenwelt.

Frage: Dass die Bezirksregierung das Merpketal bei Oberbergheim als neues Naturschutzgebiet ausgewiesen hat, wurde von den dort tätigen Landwirten scharf kritisiert. Sie befürchten, künftig in ihren Nutzungsmöglichkeiten eingeschränkt zu sein. Sind diese Proteste verständlich?

Dr. Margret Bunzel-Drüke : Die Kritik kann man nachvollziehen, denn durch die Unterschutzstellung wird es natürlich leichte Einschränkungen geben. Andererseits gibt es nur noch ein paar Ecken, in denen sich die Natur wirklich entfalten kann – und die müssen wir erhalten.

Die Landwirte hätten sich zu einem Vertragsnaturschutz bereit erklärt, wenn auf die Ausweisung eines Naturschutzgebiets verzichtet worden wäre. Was verbirgt sich dahinter?

Es wäre ein Vertrag geschlossen worden, nach dem die Landwirte Geld von der öffentlichen Hand erhalten und im Gegenzug den Schutz der Tier- und Pflanzenwelt sicherstellen. Die Voraussetzungen dafür sind aber in ausgewiesenen Naturschutzgebieten sogar besser als außerhalb davon.

In Warstein stehen bereits relativ große Flächen unter Naturschutz. Gibt es darunter besonders bedeutsame Gebiete?

Ganz Warstein hat eine besondere Bedeutung. Die Stadt liegt nämlich auf einem Kalkmassiv im sonst eigentlich eher nährstoffarmen Sauerland. Daher wachsen hier etwa Orchideen und Enziane, die es in dieser Region sonst nicht gibt. Hinzu kommen die Bachschwinden wie beim Wäschebach, der zwischenzeitlich in der Erde verschwindet und an anderer Stelle wieder an die Oberfläche tritt. Die Höhlen, die es auch nur im Kalkmassiv gibt, sind ein wichtiger Lebensraum für Fledermäuse. Außerdem ist es ungewöhnlich, dass Naturschutzgebiete so nah an der Bebauung liegen, wie etwa der Oberhagen.

Der Oberhagen, aber auch der Piusberg und die Liethöhlen liegen auch relativ nah an Steinabbaugebieten. Geht davon eine Gefahr für die Naturschutzgebiete aus?

Theoretisch nicht. Für die Höhlen sind die Sprengungen manchmal ein Problem, aber Tiere und Pflanzen zeigen sich da erstaunlich hart im Nehmen. Andererseits haben wir vor einigen Jahren einmal erlebt, dass ein Teil des Naturschutzgebiets Liethöhle weggesprengt wurde. Wir kamen dorthin und das Naturschutzgebiet war auf einmal ein ganzes Stück kleiner.

Gibt es weitere Gefahren für Naturschutzgebiete in Warstein?

Es gibt für alle Naturschutzgebiete immer Gefahren. Die Luft ist heutzutage zum Beispiel so stickstoffreich, dass viele Pflanzen, die sich an eher mageren Standorten wohlfühlen Probleme, etwa zunehmende Konkurrenz durch Brennnesseln, bekommen.

Derzeit wird viel über Windkraftanlagen im Wald debattiert. Sind Windräder auch in Naturschutzgebieten möglich?

So eindeutig ist das im Gesetz nicht geregelt. Man darf in einem Naturschutzgebiet nichts tun, was die geschützten Tier- oder Pflanzenarten schädigt. Naturschutzgebiete müssen aus unserer Sicht für die Windkraft ganz tabu sein.

Gibt es im Kreis Soest bereits Windräder in Naturschutzgebieten?

Nein, die gibt es noch nicht – und wird es hoffentlich auch nie.