Wanderung führt bis zum Quellgebiet der Wanne

Sichtigvor..  Nach den Führungen 2014 durch das untere Wannetal mit Auenwald und Orchideen-Talwiesen soll an diesem Samstag die Wanderung tiefer in den Sichtigvorer Wald bis zum Quellgebiet der Wanne vordringen. Ortsheimatpfleger Willi Hecker möchte dabei nicht nur die wunderbare Naturlandschaft, Pflanzen- und Tierwelt vorstellen, sondern auch die enge kulturgeschichtliche Verbundenheit dieses ehemaligen Kommendewaldes mit dem Kirchspiel Mülheim darlegen.

Jedes Haus besaß ein Stück Wald

Seit die Waldaufteilung von 1853 jeder Hausstätte von Mülheim, Sichtigvor und Waldhausen eine Waldparzelle als Eigentum zusprach, stellt die damalige Waldbesitzerkarte ein Spiegelbild der Kirchspielverhältnisse des frühen 19. Jahrhunderts dar. Dabei spiegeln die Parzellengrößen sogar die unterschiedlichen Besitzverhältnisse des Kirchspiels wieder.

Den größeren Bauern gestand man rund 40 Morgen große Areale im weiter entfernten „Fahrberechtigten“-Bezirk zu. Die größere Gruppe der mehr oder weniger Landlosen (Handwerker, Arbeiter, Tagelöhner) erhielten als „Tragberechtigte“ im Durchschnitt 14 Morgen Wald näher am Dorf.

Der vor der Vermessung zu einem Bündel von 10 nebeneinander liegenden Hohlwegen verkommene Hirschberger Weg bekam seine heutige Wegführung. Auch bevor die neuen Waldbesitzer sich in ihrem „Wolle“ eifrigst betätigten, hatte der Mülheimer Wald in heute kaum vorstellbarem Maße menschliche Aktivitäten gesehen.

Auch für die Schweinemast

Der Wald diente nicht nur der Brenn- und Bauholzentnahme, sondern auch der Hude, Schweinemast, Jagd, Laubheu- und Dunggewinnung. Ein Dutzend Kohlenmeilerplatten lassen sich noch heute nachweisen. Die Jagd betrieben im Mülheimer Wald nicht nur die Ordensritter, sondern auch die Kölner Kurfürsten, die nachweislich im nahen „Schwarzenbruch“ dem Auerhahn nachstellten.

Schon allein wegen dieser engen geschichtlichen Verbindungen sieht das Kirchspiel Plänen, einen großen Teil dieses jetzt Sichtigvorer Waldes der Windkraft preiszugeben, mit Sorge entgegen. Nach den Plänen der Regierung müsste das Kirchspiel mit fast Prozent seines Waldanteils das weitaus größte Opfer im Stadtgebiet erbringen.

Viel Gesprächsstoff

Die Wanderung am 20. Juni, um 14 Uhr am Parkplatz Narrenberg beginnend, wird also mancherlei Gesprächsstoff bieten. Die Strecke ab Parkplatz Narrenberg: Wanneweg - Bauck bis Kreuzung Höhenweg/Romeckeweg - Höhenweg bis Rennweg - auf dem Hirschberger Weg zurück (2 bis 3 Stunden).