Wandel vom Ehrenmal zum Mahnmal

Hemmern..  Wie geht man mit Geschichte um und vor allem mit einem Relikt dieser Geschichte, das aus heutiger Sicht manchem unpassend erscheint? Um im Kern diese Frage ging es bei einer Diskussion, die sich entspann, nachdem Landschaftsarchitektin Ilse Ebbinghaus ihren Entwurf für die Umgestaltung des Geländes am Ehrenmal in Hemmern und seines Umfeldes zum Dorfmittelpunkt vorgestellt hatte.

Alle zwei Jahre lädt Ortsvorsteher Stephan Deimel zur Dorfversammlung ein. Ein zentrales Thema war dieses Mal besagte Maßnahme. Das Denkmal stammt aus einer heiklen Zeit: Baujahr 1939. Entsprechend markig und von christlichen Inhalten frei, die sich auf älteren Ehrenmalen finden, sind die Sprüche auf der Sandsteinsäule unter dem Reichsadler. Kostprobe: „Ein freier Deutscher kennt kein kaltes Müssen, Deutschland muss leben und wenn wir sterben müssen.“ Jenen den „Heldentod“ im 2. Weltkrieg gestorbenen Dorfbewohnern wird dort gedacht. Dies vor Augen zu haben ist heute – selbst als Denkanstoß und Erinnerung an schlimme Zeiten – nicht jedermanns Sache. „Wie kann man vom Heldentod sprechen angesichts dessen, was heute passiert?“, fragte eine Teilnehmerin. Die Stele an sich und den Text finde sie „grottenhässlich“. Sie habe Probleme mit dem damit verbundenen nationalsozialistischen Kult. Für sie wäre ein Abriss die beste Lösung.

Der jedoch steht kaum zur Debatte. Auch warnte Bürgermeister Peter Weiken vor solchen radikalen Schritten. „Es ist gut, sich mit der Geschichte auseinanderzusetzen. Wenn man aber alle unliebsamen Zeugnisse entfernt, macht sich später niemand mehr Gedanken darüber.“ Außerdem schaffe man durch die Umgestaltung etwas Neues, etwas Zeitgemäßes. „Durch moderne Elemente geben wir dem Ehrenmal den Charakter eines Mahnmals“, stieß Ortsvorsteher Stephan Deimel in die gleiche Richtung.

Die eigentliche Stele, schlägt Ilse Ebbinghaus vor, soll beiderseits durch zwei Stahlplatten, sie favorisiert Cortenstahl in Rostoptik, ergänzt werden. Darauf sollte, so ihr Vorschlag, zeitgemäß über das Anliegen der Menschen Auskunft gegeben werden. „Wir ehren unsere Toten und wünschen uns Frieden“ etwa könnte die entsprechende Aussage lauten.

Pflegeleichte Wege und Anlagen

Umgestaltet werden soll auch das Umfeld. Ilse Ebbinghaus rät dazu, das Pflaster und die vermooste Rasenfläche durch hellen Dolomitsand zu ersetzten. Dieser pflegeleichte Belang findet sich etwa auf der Rüthener Stadtmauer. Großformatige Natursteinplatten könnten den Weg zum Ehrenmal markieren, eine Grüneinfassung die Fläche akzentuieren. Das Gelände darum herum, das als Dorfmittelpunkt gestaltet würde, bezieht die Obstwiese mit ein. Dort wären Sitzgelegenheiten denkbar. Den „Weg durch eine Grünzone zum Ruheraum“, wie Ilse Ebbinghaus beschreibt, könnten kleine kugelig wachsende Weißdornbäume säumen. Die großen Buchen und Ahorne dagegen rät sie zu entfernen. Hoher Pflegeaufwand, viel Schatten- und Laubwurf sprechen ihrer Ansicht nach dafür.

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