Vom Prinzenthron in den Präsidentenpalast

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Allagen..  Gegen Ende des Jahres 2004 war Heinrich Münstermann eine Idee gekommen. Auf der Weihnachtsfeier des Spielmannszugs Allagen ging der damalige VAK-Präsident auf Sebastian Koch zu. „Er hat mich gefragt, ob ich Karnevalsprinz werden möchte“, erinnert sich Koch, „da war die Feier für mich gelaufen.“ Völlig überrascht war der damals 26-Jährige, konnte den gesamten Abend an nichts anderes mehr denken – fand aber schnell Gefallen an der Idee, ein Jahr lang über das Allagener Narrenvolk zu herrschen.

Rückblickend war es dieser Abend im Advent 2004, der Sebastian Koch endgültig mit dem Karnevalsvirus infizierte und sein Leben ein gutes Stück weit veränderte. Aus dem Prinzen wurde ein Elferrat und 2010 schließlich der Präsident der Vereinten Allagener Karnevalisten, der Mann an der Spitze des Vereins.

Mit 31 an die Vereinsspitze

Auch vorher hat Koch regelmäßig Karneval gefeiert und Sitzungen besucht. „Schon als kleiner Dötzke bin ich beim Rosenmontagszug in Belecke mitgelaufen“, erzählt er. Sein Onkel war dort im Karneval aktiv, seine Cousine sogar Solomariechen und auch seine Eltern feiern die fünfte Jahreszeit gerne. Aber in den Karneval hinein geboren, so fühlt sich Sebastian Koch nicht.

Zum überzeugten Karnevalisten machte ihn erst das Jahr 2005, als er gemeinsam mit Ehefrau Anja das Prinzenpaar bildete. „Bei einem Besuch ein paar Tage nach der Weihnachtsfeier hat Heinrich Münstermann alles mit mir klar gemacht“, sagt Koch mit einem Grinsen im Gesicht. Bereut hat er seine damalige Zusage nie: „Wenn man bei der Proklamation durch die Halle marschiert, das ist schon ein Highlight.“ Koch freute sich über die Unterstützung von allen Seiten: „Die Leute lassen einen das ganze Jahr über merken, dass man Prinz ist.“

Gut lief auch die Zusammenarbeit mit dem Elferrat, in den Koch direkt nach seiner Zeit als Prinz übernommen wurde. Ab 2008 baute Heinrich Münstermann ihn zu seinem Nachfolger auf, führte Koch in seine Aufgaben ein, bevor Münstermann den Posten des VAK-Präsidenten 2010 nach 25 Jahren im Amt an die nächste Generation übergab. Mit 31 führte Sebastian Koch einen der bedeutendsten Vereine des Möhnetals. „Das war immer noch ein Brocken“, sah er sich einer Herausforderung gegenüber, „aber ich kannte immerhin schon bestimmte Abläufe.“

Wunschkandidaten sagen immer zu

Koch brachte frischen Wind, führte unter anderem ein Sessionsmotto ein. Dem hohen Ansehen des Vereins ist er sich bewusst: „Wir haben im Moment einen großen Zulauf“. Jahr für Jahr werden zwei bis drei neue Elferräte getauft, auch die Garden wachsen. Koch betont die gute Zusammenarbeit innerhalb des in den vergangenen Jahren deutlich verjüngten Vorstands und des Elferrats. „Wenn die anfangen zu arbeiten, dann richtig.“

In den letzten beiden Wochen vor der Kappensitzung am Karnevalssamstag ist Sebastian Koch trotzdem praktisch täglich in der Halle. „Ich feiere einfach gerne Karneval“, sagt er und nimmt dafür viel Arbeit auf sich, „vielleicht muss man ein bisschen verrückt sein.“ Dabei sind die tollen Tage für ihn mehr als eine lange Party. Koch versucht das Brauchtum hochzuhalten, etwa immer jemanden für eine Büttenrede zu finden, auch wenn das schwieriger wird. „Dieses Brauchtum gehört dazu“, ist er überzeugt, „in Allagen weiß noch jeder, was Karneval heißt.“

2005 war Sebastian Koch der Mann, der zu seiner eigenen Überraschung VAK-Prinz wurde. Heute überrascht er selber diejenigen, die er für gute Kandidaten hält. „Das ist eine der schönsten Aufgaben“, sagt er. Gemeinsam mit dem Vizepräsidenten Franz-Bernd Schröder läuft er durchs Dorf, lässt sich manchmal absichtlich sehen, um eine falsche Fährte zu legen. Manche sagen direkt zu, andere zweifeln zunächst. „Dann bleiben wir etwas länger sitzen“, sieht Koch solche Situationen pragmatisch. Irgendwann sagen alle Wunschkandidaten zu.

Auch in diesem Jahr haben Koch und Schröder wieder jemanden gefunden – und vielleicht wird das Prinzenjahr dessen Leben genauso stark verändern wie vor zehn Jahren das von Sebastian Koch.