Volksfrömmigkeit spielt in Osterliedern eine große Rolle

Gesang transportiert eine wichtige Botschaft: Kirchenmusiker Heinz-Helmut Schulte mit dem neuen Gotteslob vor der St. Pankratius-Kirche
Gesang transportiert eine wichtige Botschaft: Kirchenmusiker Heinz-Helmut Schulte mit dem neuen Gotteslob vor der St. Pankratius-Kirche
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Viele alte Osterlieder werden in diesen Tagen wieder in den heimischen Kirchen gesungen. Doch welche Bedeutung steckt eigentlich hinter ihnen? Wir haben mit Kirchenmusiker Heinz-Helmut Schulte mal genau hingehört.

Warstein.. An Ostern fliegen nicht nur die Glocken aus Rom zurück in ihre Kirchen, auch die Orgeln erklingen wieder zum Lobpreis Gottes. Viele alte Osterlieder werden dann wieder in den heimischen Kirchen gesungen, aber auch manches Neues gibt es im neuen Gotteslob zu entdecken. „Viele neue Lieder schwappen aus Köln mit rein“, erklärt Kirchenmusiker Heinz-Helmut Schulte.

Auch aus dem Sursum Corda haben manche Lieder Eingang in das Gotteslob gefunden. Manche wurden seit 30 Jahren nicht mehr gesungen. „Die Mischung ist ganz gut“, so Schulte, auch dadurch, dass die emotional starken Lieder geblieben sind. „Diese Lieder drücken Gefühle aus, dabei kommen die Leute voll auf ihre Kosten.“

So sind Lieder wie „Halleluja, auferstanden“ oder „Das Grab ist leer, der Held erwacht“ noch enthalten. „Das sind schon kernige Texte.“ Volksfrömmigkeit spiele bei diesen Liedern eine große Rolle. „Herold und Bone haben für unsere Region viel Material geliefert. Da zehren wir heute noch von. Die Texte reimen sich, sind volksnah – das wird gerade von den Älteren sehr geschätzt“, erinnert Schulte an den Spruch Martin Luthers: ,So sie’s nicht singen, glauben sie’s nicht.’ „Da ist schon was dran – wie soll man Gefühle nachempfinden und ausdrücken, wenn sie nicht wahrnehmbar sind?“

Wichtig sei aber, dass auch neuere Lieder gesungen werden, die nah „am Nabel der Zeit“ sind. „Die jüngeren Leute haben auch das Bedürfnis sich auszudrücken.“ Außerdem könne man diese durch neues Liedgut ein Stück weit mitnehmen. Denn mit dem Abnehmen bestimmter Altersgruppen finde auch ein Wandel in der Volkskirche statt, die heute in kleineren Städten wie Warstein noch einen höheren Stellenwert habe.

„Derzeit ist die Kluft zwischen den Traditionalisten und denen, die modernes Liedgut wünschen, noch zu groß. Die Mehrheit der Gottesdienstbesucher ist geprägt durch die traditionellen Gesänge. Die haben bei diesen einen hohen Stellenwert, da sind andere Dinge noch nicht so gefordert. Aber da kommen wir hin.“

Beispiele dieser Volksfrömmigkeit haben auch aus dem Sursum Corda Eingang ins Gotteslob gefunden. „Ich habe jetzt eines entdeckt, das habe ich 30 Jahre nicht mehr gehört: Ist das der Leib Herr Jesu Christ. – Das Schemata ist ganz einfach: Wenn es sich reimt, ist das schon der halbe Gewinn“, schmunzelt der Kirchenmusiker.

Auf den Glauben einlassen

Die Sprache sei zwar keine Umgangssprache, aber eine volksnahe Sprache. „Ich finde es auch gut, dass sich die Kirchenlieder abheben von dem normalen Sprachbild, dass man im Umgang miteinander pflegt.“ Zwar habe es auch Versuche gegeben, solche Lieder zu texten – quasi einen Kirchen-Rap – aber diese Strömung habe sich nicht durchgesetzt. „Da ist kein Abstand da, und der muss sein für das Religiöse.“ Schließlich sollen die Lieder eine Haltung bei den Gottesdienstbesuchern erzeugen, dass man sich auf den Glauben einlassen muss. „Da darf die Sprache nicht so platt sein – das ist auch der Anspruch des Einzelnen an die Musik.“

Dabei wird auch bei den modernen Liedern Wert gelegt. „Es gibt tolle Lobpreisungen in unserem Zeitgeist. Vieles kommt aus England und Amerika zu uns.“ Ein Beispiel seien die Worship-Lieder, die mit musikalischen Mitteln arbeiten, wie man sie vielfach in der Alltagsmusik wahrnimmt. „Die sind stark emotional. Die jüngeren Leute kennen das, weil sie damit täglich in Berührung kommen.“

Werden die neuen Lieder also irgendwann die traditionelle Kirchenmusik verdrängen? „Einiges wird sich von allein erhalten, weil es eine große Aussagekraft, einen eigenen Wert im Leben hat. Andere Dinge werden nicht überleben – das hat es immer schon gegeben.“

„Wenn Platz da ist für Neues, gibt es auch etwas Neues. Und wenn es gut ist, bekommt es auch seinen Stellenwert. Das hat auch etwas Beruhigendes“, betont Schulte. Wichtig sei bei allen Liedern, dass jeder Einzelne im Gottesdienst seinen Beitrag zum Gelingen leistet.

Neugier und Hinterfragen

„Wir haben immer noch einen guten Gesang hier im Allgemeinen“, betont Schulte. „Wir hatten einen guten Einstieg mit dem neuen Gotteslob. Es gab viel Neugier und Hinterfragen und nur wenig Kritik – da können wir zufrieden sein.“ Wenn man sich persönlich für das neue Gotteslob interessiere und sich mit diesem beschäftige, entdecke man vieles, was in diesem steckt. „Das gibt eine neue Qualität beim Gottesdienst. Und wenn das geschieht, haben die Macher eine Punktlandung gemacht.“